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App-Test: Was taugt das Oxford Englisch Klausur-Wörterbuch?

Kostenlose Wörterbuch-Apps für Englisch gibt es seit Jahren - wer braucht da noch das neue Oxford Englisch Klausur-Wörterbuch für 22 Euro? Wir haben die erste App von Oxford University Press für deutsche Muttersprachler getestet.
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Während unserer Schulzeit in den 1980ern lagen im Englisch-Unterricht und ganz besonders natürlich im Englisch-Leistungskurs ständig mehrere schwere Nachschlagewerke auf dem Tisch: Zum einen das einsprachige Oxford Advanced Learner’s Dictionary von Oxford University Press und zum anderen ein großes Deutsch-Englisch-Wörterbuch von Pons oder Langenscheidt.

Im Zeitalter von Smartphones, Apps und mobilem Internet schleppt natürlich kein Schüler mehr gerne 2000-seitige Wälzer durch die Gegend. Das bedeutet auch, dass Oxford University Press als größter Universitätsverlag der Welt und Herausgeber des legendären Oxford English Dictionary (OED) neue Wege beschreiten muss. Da ein Schüler natürlich nicht 215 Pfund (etwa 240 Euro) für ein Online-Jahresabo des OED bezahlen kann, musste sich der Verlag etwas anderes einfallen lassen. Seit mehreren Jahren entwickelt der Verlag daher Wörterbuch- und Lern-Apps.

Englisch Klausur-Wörterbuch von Oxford University Press im Test
Englisch Klausur-Wörterbuch von Oxford University Press im Test

Wörterbuch muss per In-App-Kauf erworben werden

Oxford University Press hat für Schüler, die Englisch als Fremdsprache erlernen, Anfang Februar die Android-App Oxford Learner’s Dictionaries: Bilingual Editions mit zweisprachigen Wörterbüchern veröffentlicht (das einsprachige Oxford Advanced Learner's Dictionary gibt es weiterhin als separate App). Insgesamt hat der Verlag auf Google Play 32 Apps in diversen Sprachen veröffentlicht. Die App gibt es auch für iOS.

In-App-Kauf im Google Play Store
In-App-Kauf im Google Play Store
"Oxford Learner’s Dictionaries: Bilingual Editions" ist im Prinzip nur eine kostenlos herunterladbare Verkaufs-App, mit der die zweisprachigen Wörterbücher eingeschränkt ausprobiert werden können. Dann muss der Interessent sich dazu entscheiden, eines der drei verfügbaren zweisprachigen Wörterbücher zu kaufen. Dies sind "Diccionario Oxford Pocket para estudiantes de inglés" für spanische Muttersprachler (22,99 Euro), "Dicionário Oxford Escolar para estudantes brasileiros de inglês" für brasilianisch-portugiesische Muttersprachler (22,99 Euro) und das "Oxford Klausur-Wörterbuch" (21,99 Euro) für deutsche Muttersprachler. Laut Aussage der Pressestelle ist dies die erste Wörterbuch-App, die der Verlag für deutsche Muttersprachler herausgebracht hat.

Wir entschieden uns zum Testkauf des deutschen Klausur-Wörterbuchs und bezahlten den Betrag per Google-Play-Guthaben. Sofort wurde in der App das Wörterbuch freigeschaltet und wir konnten es herunterladen. Es ist rund 460 MB groß und kann entweder auf dem internen Smartphone-Speicher abgelegt oder auf eine Speicherkarte verschoben werden.

Das Wörterbuch wird heruntergeladen
Das Wörterbuch wird heruntergeladen

Das bietet das Oxford Klausur-Wörterbuch

Im Oxford Klausur-Wörterbuch kann der Anwender ein Wort in seiner Sprache oder in Englisch suchen und zwischen den Wörterbuchteilen (Deutsch-Englisch / Englisch-Deutsch) mit einem Klick wechseln. Die App kennt sowohl alltägliche Beispielsätze als auch Redewendungen. Die Volltextsuche kann auch dazu verwendet werden, um das Wort in einem Satz im Wörterbuch zu finden. Der Nutzer kann ein Wort auch dann finden, wenn er nicht genau weiß, wie es geschrieben wird.

Um die Aussprache des gefundenen Wortes zu üben, lässt sich dieses in zwei Varianten anhören, und zwar in britischem und amerikanischem Englisch. Das blaue Lautsprechersymbol steht dabei für die britische und das rote Symbol für die amerikanische Aussprache. Der Schüler kann über das Mikrofonsymbol seine eigene Aussprache aufnehmen und mit den beiden vorgegebenen Varianten vergleichen. Auch von allen englischen Verbformen lässt sich die Aussprache anhören.

Die wichtigsten 3000 Wörter, die nach Auffassung des Verlags jeder Schüler kennen sollte, sind mit einem Schlüssel gekennzeichnet. Das deutsche Klausur-Wörterbuch ist in der App übrigens darum 1 Euro günstiger, weil ihm Features fehlen, die in den anderen beiden Wörterbüchern enthalten sind. Dazu gehören Farbillustrationen, Infoboxen mit kulturellen Informationen oder das Erstellen eigener Wortschatzlisten mithilfe von bereits vorinstallierten Themenlisten.

Einstellungsmenü, Wörterliste und Speicherplatzverwaltung
Einstellungsmenü, Wörterliste und Speicherplatzverwaltung

Test-Vergleich mit Leo, dict.cc, Pons und Google-Übersetzer

Im Test ließ sich das Oxford Klausur-Wörterbuch flott und problemlos bedienen. Die Darstellung der gefundenen Vokabeln ist sehr ausführlich und die unterschiedlichen Sprecher für amerikanisches und britisches Englisch sprechen die Vokabeln so deutlich aus, dass man sich als Schüler daran sehr gut orientieren kann. Auch die Beispielsätze sind allesamt sehr praxisnah und "aus dem Leben gegriffen" und die Worttrennung ist stets klar ersichtlich.

Allerdings muss man gegebenenfalls viel tippen, um wirklich an alle Informationen zu kommen. Sucht man beispielsweise nach "ausgebucht", erhält man korrekterweise die Übersetzung "fully booked". Diese Wortverbindung kann man sich allerdings nicht vorsprechen lassen. Denn nun muss der Schüler zunächst "fully" antippen, die Aussprache anhören, wieder zurück, "booked" antippen und die Aussprache anhören. Es wäre also wünschenswert, dass der Verlag in Zukunft auch derartige Wortverbindungen komplett vorspricht.

Viele Schüler setzen heutzutage bereits auf kostenlose beziehungsweise werbefinanzierte Wörterbuch-Apps und -Webdienste. Wir haben das Oxford Klausur-Wörterbuch im Test daher immer wieder mit den vier in Deutschland bekanntesten Gratis-Apps verglichen, und zwar mit Leo, dict.cc, Pons und Google-Übersetzer. Bei der Fülle an Informationen zu einem Wort ist das Oxford Klausur-Wörterbuch am ausführlichsten. Die Konkurrenzdienste beherrschen aber mittlerweile alle die Sprachausgabe von verbundenen Wörtern wie "fully booked" oder "booked up".

Außerdem mussten wir im Test konstatieren, dass das Oxford Klausur-Wörterbuch tatsächlich nicht alle Wörter kennt. Bei der Suche nach "Nasenbär" musste das Wörterbuch passen, während alle anderen Konkurrenzdienste den "coati" problemlos fanden. Auch das "Griffbrett" bei Musikinstrumenten kannte das Oxford-Wörterbuch nicht, während Pons, Google Übersetzer und Leo das Wort kannten. dict.cc musste beim "fingerboard" ebenfalls passen.

Ausführliche Worterläuterungen und Beispielsätze
Ausführliche Worterläuterungen und Beispielsätze

Fazit

Das Oxford Klausur-Wörterbuch macht im Test eine gute Figur, denn es eignet sich überwiegend für Schüler, die nicht nur Vokabeln pauken, sondern wirklich die Sprache Englisch lernen möchten. Dazu stellt das Wörterbuch sehr viele Beispielsätze und Redewendungen bereit, die es dem Schüler erlauben, ein Gefühl für die Verwendung der Wörter im Satz zu entwickeln. So gut wie das Oxford Klausur-Wörterbuch beherrscht das keiner der Gratis-Konkurrenten.

Als reine Vokabel-App taugt das Oxford Klausur-Wörterbuch allerdings nur für den Grundwortschatz und Teile des erweiterten Wortschatzes. Denn hier machen die werbefinanzierten Alternativen ihre Sache deutlich besser. Auch beim Vorsprechen von Wortverbindungen muss sich das Oxford Klausur-Wörterbuch noch der Konkurrenz geschlagen geben.

Schüler und Eltern sollten sich also überlegen, ob sie wirklich 22 Euro investieren möchten in eine App, die zwar gut beim Erlernen des Sprachgefühls hilft, die aber trotzdem durch Gratis-Dienste ergänzt werden muss, wenn es um fachsprachliche Begriffe geht.

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