Software

Nokia gibt Ausblick auf neue Ovi-Dienste fürs Handy

Vereinheitlichung von Symbian- und Meego-Plattformen
Von Björn Brodersen

Nokia gibt Ausblick auf neue Ovi-Dienste fürs Handy Nokia N8 mit Symbian^3
Foto: teltarif.de
Weniger ist mehr - dieses Motto könnte der aktuelle Leitspruch für Nokia sein. Der finnische Handy-Hersteller wird künftig weniger neue Smartphones als bisher herausbringen, die Grundplattform und das Diensteangebot für seine Smartphone-Betriebssysteme Symbian und Meego angleichen und auch die Zahl der Ovi-Dienste überschaubar halten. Das erklärte Michael Halbherr, Vice President Ovi Experience bei Nokia, gestern auf dem Barcamp Ovi Experience Lab in Berlin. Durch die Konsolidierung der Geräte-Palette und die Vereinheitlichung der Software will der Handy-Hersteller bisherige Schwächen durch die Angebots-Fragmentierung ausmerzen und schneller und effizienter bei der Entwicklung von Anwendungen für Handy und Smartphone arbeiten.

Gleiche Dienste für Symbian und Meego

Datenblätter

Nokia gibt Ausblick auf neue Ovi-Dienste fürs Handy Nokia N8 mit Symbian^3
Foto: teltarif.de
Kernstück des neuen Konzepts sind unter anderem die beiden Smartphone-Systeme Symbian und Meego mit der darunter liegenden QT-Plattform, die die Standards QT Quick, C++logic, HTML5 und OpenGL ES unterstützt. Künftig soll laut Nokia allen neuen Symbian-Smartphones eine gemeinsame Plattform zugrunde liegen, später auch allen neuen Symbian- und Meego-Smartphones. Vorteil für Nokia: Der Handy-Hersteller muss nur moch eine Anwendungs-Variante entwickeln, die auf allen Smartphones mit diesen Betriebssystemen läuft. In diesem Zusammenhang steht auch die kürzliche Ankündigung Nokias, im Frühjahr 2011 ein großes Update für Symbian^3 mit Erweiterungen im E-Mail- und Sicherheits-Bereich statt einer neuen Version Symbian^4 herauszubringen. Dadurch müssten auch Entwickler ihre Anwendungen oder Apps nicht für zwei unterschiedliche Symbian-Versionen erstellen.

Das neue Betriebssystem Meego ist aus der Zusammenführung dem Nokia-Betriebssystem Maemo und der Linux-basierten Intel-Plattform Moblin entstanden. Smartphones mit dem Betriebssystem Symbian sind dem Mittelklasse-Segment zuzuordnen, Meego wird auf den High-End-Smartphones laufen. Für die Smartphone-Nutzer bedeutet das: Auf Symbian- und Meego-Geräten laufen wohl die gleichen (Ovi-) Dienste und Tools, nur die Möglichkeiten innerhalb der Anwendungen können bei Meego umfangreicher ausfallen. "Alles wird auf allen Geräten laufen", sagte Halbherr in Berlin, "die Frage ist nur, wie."

Das erste Meego-Smartphone hat Nokia für das kommende Jahr angekündigt. Konkretere Angaben dazu machte das Unternehmen bislang nicht. Halbherr betonte lediglich, das erste Meego-Handy müsse "gut" sein. Die Frage, wie viele Meego-Handys es geben werde, spiele eine untergeordnete Rolle - es gebe ja auch nur ein iPhone. Nächstes Smartphone-Highlight wird der unter Symbian laufende Communicator Nokia E7 sein, der im kommenden Januar im Handel erhältlich sein wird. Der neue Communicator gleicht dem bereits verfügbaren Nokia N8, weist aber eine mechanische Volltastatur, einen etwas größeren Touchscreen und eine mit 8 Megapixel geringer auflösende Kamera auf.

Standort, Zeitpunkt und Vorhaben werden relevanter für Suche

Neben der Vereinheitlichung der Smartphone-Plattformen baut Nokia sein Ovi-Dienste-Angebot [Link entfernt] aus. Auch hier konzentrieren sich die Finnen inzwischen auf ausgewählte Dienste, die ursprüngliche Zahl von 50 kleinen Diensten hat sich laut Nokia inzwischen verringert. Hier setzt Nokia vor allem auf den Ortsbezug bei der Suche des Nutzers nach Informationen und Auskünften, auf schnelleres Liefern dieser Informationen und auf die Einbindung von aufgezeichneten Verhaltensmustern der Nutzer von Nokia-Handys und Ovi-Diensten. Kurz: Der Standort des Nutzers und sein Vorhaben sowie der Zeitpunkt der Anfrage werden relevanter für die Suche per Handy.

Zwei Beispiele: Wer sich in seinem Heimatort viel in Kaffeehäusern aufhält oder bei Reisen in der Regel ein Design-Hotel für die Übernachtung auswählt, erhält möglicherweise bei seiner nächsten Stippvisite ins Ausland Vorschläge für beliebte Design-Hotels und Kaffeehäuser vor Ort, wenn er am Reiseziel nach Unterkünften und Ausgehtipps sucht. Einem Autofahrer dagegen könnten je nach Tageszeit und aktuellem Verkehrsfluss unterschiedliche Routenanweisungen bei der Navigation per Ovi Maps gegeben werden.

Für diese schneller gelieferten Informationen und Auskünfte sammelt Nokia die Daten seiner Handy- und Ovi-Kunden in anonymisierter Form und analysiert die sogenannten Logs. Von dem vergangenen Verhalten der Handy-Nutzer soll das System dann "lernen" und anhand der Erfahrungswerte der Masse der Handy-Nutzer "bessere" Suchergebnisse liefern. Das System soll dann schon nach Eingabe weniger Buchstaben erkennen können, was der Handy-Nutzer gerade sucht: Wer zum Beispiel in Berlin die Buchstabenkombination "Bra" eingibt, wird Informationen zum Brandenburger Tor erhalten - wer dagegen weiter entfernt südwestlich der Hauptstadt unterwegs ist, bekommt dann Informationen zu Brandenburg an der Havel angezeigt. Wer die Datenübermittlung unterbinden will, soll dies einfach über eine Opt-Out-Funktion tun können.

Der kostenlos nutzbare Karten- und Navigationsdienst Ovi Maps spielt schon jetzt eine bedeutende Rolle unter den Ovi-Diensten. In der aktuellen Version können Karten jetzt auch per WLAN direkt aufs Handy geladen werden - also ohne USB-Verbindung zu einem PC. Über das Mobilfunknetz gelingt des Karten-Update bislang noch nicht, was auch einen Kostenschutz für unerfahrene Nutzer von Ovi Maps bedeutet. Zurzeit bietet Ovi Maps Features wie Auto- und Fußgänger-Navigation, Sprachführung, lokale Infos mit rund 40 Millionen POI in der Datenbank, Verkehrsinfos, Informationen zum öffentlichen Nahverkehr, Netzwerk-Check-ins sowie Premium-Dienste wie etwa den Reiseführer Lonely Planet.

Künftig soll Ovi Maps auch Routenführungen unter Einbeziehung von Bussen und S-Bahnen inklusive Fahrtzeiten oder Weghinweise innerhalb von Gebäuden (Indoor-Mapping) bieten. Wann genau mit der Einführung bestimmter neuer Dienste zu rechnen ist, ließ Michael Halbherr heute in Berlin allerdings offen. Vier Jahre nach dem Launch von Ovi zählt Nokia weltweit 165 Millionen Nutzer von Ovi-Diensten sowie pro Tag drei Millionen Downloads im Ovi Store. Neben dem Ovi Store und Ovi Maps zählen noch Messaging- und E-Mail-Dienste sowie eine Download-Plattform für Musik zum Ovi-Angebot von Nokia.

Weitere aktuelle Artikel zu Nokia-Produkten

Weitere Artikel zum Handy-Betriebssystem Symbian