Probleme

Outlook.com: Microsoft kann wohl keinen Spam-Filter programmieren

Offenbar ist der nicht deaktivierbare Spam-Filter bei Microsofts Mail-Dienst Outlook.com so schlecht programmiert, dass bis zu 20 Prozent der wichtigen Mails im Spam-Ordner landen. Ein Rechtsanwalt warnt gegenüber teltarif.de vor den Folgen.
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Die Startseite von Outlook.com
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Seit über vier Jahren ersetzt Outlook.com den bisherigen Microsoft-Freemail-Dienst Hotmail. Der Dienst kann webbasiert, mit E-Mail-Programmen und Apps auf dem Smartphone genutzt werden. In diesem Jahr hat Microsoft damit begonnen, den Dienst auf die Office-365-Plattform umzuziehen. Offenbar hat Microsoft aktuell große Probleme, für den Dienst einen funktionstüchtigen Spam-Filter zu programmieren.

Schon seit einiger Zeit gibt es im Forum von Microsoft Diskussionen über den Spam-Filter, die seit dem Umzug auf die Office-365-Plattform wieder stark aufgeflammt sind. Das Kernproblem: Der Spam-Filter lässt sich nicht komplett vom Nutzer deaktivieren, und die fehlerhafte Programmierung durch Microsoft kann zum Verlust wichtiger E-Mails führen. Offenbar sind überwiegend neu eingerichtete Konten davon betroffen.

Sogar Mails von Microsoft landen im Spam-Ordner

Mails im Junk-Ordner werden nach einer gewissen Zeit automatisch gelöscht. Darunter befinden sich nach Angaben der Nutzer viel zu viele Mails, die eigentlich wichtig und kein Spam sind. Die Antworten von Microsoft im Forum zu der Sache scheinen wenig hilfreich zu sein. Einige Nutzer haben sich auf der alten Plattform dahingehend beholfen, dass sie einen Filter gesetzt haben, der besagt, wenn eine E-Mail im Spam-Ordner das @-Zeichen enthält, soll sie in den Posteingang verschoben werden. Auf der neuen Office-365-Plattform funktioniert dieser Filter aber offenbar nicht mehr.

Seit Monaten liegen die Nutzer Microsoft in den Ohren, den viel zu rigiden Spam-Filter komplett durch den Nutzer abschaltbar zu machen, doch Microsoft gibt nicht nach. Die einzige Einstellmöglichkeit, die es gibt, ist folgende: Der Nutzer kann entweder die Standard-Stufe wählen, dann werden laut Microsoft "die meisten" Junk-E-Mails im Spam-Ordner abgelegt. Oder der Nutzer definiert die Stufe "Exklusiv", dann werden an den Posteingang nur Nachrichten von Kontakten aus dem Adressbuch und von einmalig als sicher definierten Mailinglisten durchgelassen.

Das Problem ist, dass auch dieser Mechanismus nicht funktioniert. Nutzer berichten, dass sie bei der Standard-Stufe eine weitreichende Whitelist von Adressen angelegt haben, deren Mails in den Posteingang sollen - trotzdem landen diese Mails im Spam-Ordner. Die Krönung des Schildbürgerstreichs besteht darin, dass sogar von Microsoft direkt versandte Service-E-Mails im Spam-Ordner landen, selbst wenn ein Nutzer die Absenderadresse zur Whitelist hinzugefügt hat. Ein Anwender berichtet, er habe 200 Domains und 300 Mailadressen in die Whitelist aufgenommen, ohne dass dies etwas genützt habe. Offenbar hat Microsoft das Postfach so programmiert, dass zuerst der Microsoft-eigene Spamfilter zuschlägt und dann erst die Whitelists der Nutzer angewandt werden, was in der Praxis wenig Sinn ergibt. Bei einigen Nutzern landen bis zu 20 Prozent der erwünschten Mails im Spam-Ordner.

Momentane Möglichkeiten der Filter-Programmierung
Momentane Möglichkeiten der Filter-Programmierung

Rechtsanwalt warnt vor negativen Auswirkungen

Rechtsanwalt Matthias Böse von der Kanzlei Husemann & Partner weist gegenüber teltarif.de darauf hin, dass ein derart fehlerhaft konfigurierter Spam-Filter, der sich nicht durch den Nutzer abstellen lässt, juristisch böse Folgen haben kann:

Das Risiko: Mails im Junk-Ordner werden nach einer gewissen Zeit automatisch gelöscht. Wer in den Urlaub fährt und keine Sortierung der Mails vornehmen kann, geht daher ein hohes Risiko ein. Die Rechtsprechung hält Mails, die im Spamfilter landen, für zugegangen, was für Nutzer auch rechtliche Nachteile bringen kann.

Hierzu verweist der Anwalt auf ein Urteil des Landgerichts Bonn vom 10. Januar 2014 (Az. 15 O 189/133). Darin heißt es unter anderem:

Der Beklagte kann sich nicht damit entlasten, dass die E-Mail vom 23.05.2011 angeblich nicht in seinem E-Mail-Postfach einging, sondern durch den Spam-Filter aussortiert wurde. Der Beklagte hat die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht beachtet, weil er seinen Spam-Filter nicht täglich kontrolliert hat. Die E-Mail-Adresse ...@... führt der Beklagte auf seinem Briefkopf auf und stellt sie dadurch als Kontaktmöglichkeit zur Verfügung. Es liegt im Verantwortungsbereich des Beklagten, wenn er eine E-Mail-Adresse zum Empfang von E-Mails zur Verfügung stellt, dass ihn die ihm zugesandten E-Mails erreichen. Bei der Unterhaltung eines geschäftlichen E-Mail-Kontos mit aktiviertem Spam-Filter muss der E-Mail-Kontoinhaber seinen Spam-Ordner täglich durchsehen, um versehentlich als Werbung aussortierte E-Mails zurück zu holen.
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