Anbieterwechsel

Orange Schweiz: Kein Ausbau in der Provinz?

Die Orange wechselt den Lieferanten
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Orange LTEDie dunkelorangenen Flächen geben den aktuellen Stand des 4G (LTE) Ausbaus von Orange Schweiz wieder. Auf dem Schweizer Markt sind weiterhin drei Mobilfunkanbieter aktiv, nachem die Wettbewerbskommission vor einiger Zeit eine geplante Fusion von Orange und Sunrise verweigert hatte.

Da Orange Suisse als damalige Tochter des französischen Staatskonzern France Telecom zuletzt gestartet war, setzten sie zu Beginn auf "national roaming" mit dem Schweizer Markführer Swisscom, vergleichbar dem D1-Roaming von VIAG-Interkom (heute o2) in Deutschland, beides wurde bekanntlich inzwischen beendet.

Orange besitzt aus dieser Zeit aber noch einige Anbindungen zu seinen Sendestationen, die von der Swisscom mit Kupfer "versorgt" werden und laut Orange "markant langsamer" und "überteuert" seien. Argumente, die auch auf dem deutschen Markt nicht unbekannt sind.

Da die kostensparende Fusion nicht erlaubt wurde, brüten die Kostenrechner über möglichen Einsparungen. So wurde entschieden, die Leitungen der Swisscom durch Leistungen des Kabel-TV-Anbieters "upc cablecom auszutauschen. Dazu soll die Carrier-Ethernet-Plattform von "upc cablecom business" verwendet werden, in den nächsten zwei Jahren sollen mehr als 1 000  4G-Antennen mit Bandbreiten von je 1 bis 10 GBit/s angeschlossen werden. Der Auftrag von Orange ist für upc cablecom business der bislang größte überhaupt, sie unterzeichneten einen mehrjährigen Vertrag. Die ersten 70 Antennen sollen noch in diesem Jahr angeschlossen werden.

Cablecom ist eine 100-prozentige Tochter von Liberty Global und damit eine Schwester des in Deutschland überaus aktiven Kabel-TV-Verbundes Unitymedia - KabelBW, der derzeit in den erneuten Fokus der Kartellbehörden geraten ist, nachdem ein Gericht die eigentlich schon abgesegnete Fusion wieder aufgedröselt hatte.

Orange Schweiz ist neben Sunrise und Swisscom derzeit dabei, sein 4G (LTE) Netzwerk auszurollen und dafür sind möglichst schnelle Datenleitungen erforderlich, an einer schnellen breitbandigen Glasfaseranbindung führt hier kein Weg vorbei. Jetzt sollen die US-Schweizer von Liberty Global oder lokale Stadt- und Elektrizätswerke die zukunftssichere Glasfaser liefern, kommen aber nicht überall hin.

Mobilfunkangebot von Cablecom?

Die Zusammenarbeit zwischen upc cablecom und Orange macht auch das geplante Mobilfunkangebot des Kabelanbieters wieder wahrscheinlicher, das höchstwahrscheinlich im Mobilfunknetz von Orange realisiert werden dürfte. In Deutschland arbeitet unitymedia übrigens mit Telefonica-o2 zusammen.

Insgesamt möchte Orange mit seinem neuen LTE/4G-Netz bis Ende dieses Jahres eine Abdeckung von 71 Prozent der Schweizer Bevölkerung erreichen. Die maximale Downloadgeschwindigkeit soll für die Endkunden schrittweise auf 150 MBit/s erhöht werden. Die Gesamtinvestitionen betragen laut Orange im zweiten Halbjahr dieses Jahres rund 100 Millionen Franken (also etwa 85 Millionen Euro).

Zur Verdichtung des Netzes an stark frequentierten Standorten in größeren Städten prüft Orange den Einsatz von kleinen Funkzellen ("Small Cells"), die ebenfalls per Glasfaser angebunden werden.

Kein weiterer Ausbau in der Provinz?

Ob der Netzausbau in ländlichen Gebieten und Bergregionen weiter vorankommt, steht im Moment noch in den Sternen, denn "Orange" beklagt lautstark die "unnötig hohen und fortlaufend weiter steigenden Richtfunkgebühren", um abgelegene Sendestationen per Richtfunk anbinden zu können. Dabei scheinen die Richtfunkgebühren auch von der übertragbaren Datengeschwindigkeit abzuhängen.

Orange überlegt derzeit, aus Kostengründen möglicherweise ganz darauf zu verzichten. Wer also öfters in abgelegene Gebiete reist, wird eher auf die Mobilfunkangebote von Swisscom oder Sunrise (soweit sie diese Regionen passend versorgen) zurückgreifen müssen.

Orange als Challenger

Orange Communications SA sieht sich ähnlich wie E-Plus in Deutschland als "Herausforderin im Schweizer Mobilfunkmarkt". Unter dem Slogan "Du kannst" bietet Orange seinen rund 1,68 Millionen Kunden die "schnellste verfügbare Internetverbindung inklusive 4G/LTE mit bis zu 150 MBit/s ohne Zusatzkosten" an. Im Unternehmen Orange Suisse, das zu 100 Prozent der "Matterhorn Mobile SA" gehört, einem Unternehmen, das sich indirekt mehrheitlich im Besitz von Fonds befindet, die von Apax Partners LLP betreut werden, arbeiten 993 Personen. Die französische Orange (France Telecom) ist nicht mehr beteiligt. Da Orange seinen Sitz in der französischsprachigen Schweiz hat, ist die Marke bei den dort lebenden Kunden besonders populär.

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