Themenspezial: Kommunikation Test

Opis 60s mobile: Tischtelefon mit Handy-Funktion im Test

Fehlende Funktionen können per Multi-SIM realisiert werden

Opis Tech empfiehlt, die PIN der SIM-Karte abzuschalten - wir würden das aus Sicherheitsgründen aber nicht tun. Nach dem ersten Einschalten die PIN zu wählen, ist schnell getan und so hat man auch einen gewissen Schutz vor unbefugten Telefonierern und sei es der Nachwuchs, der das Telefon als neues Wunschspielzeug entdeckt hat, aber mit den Zahlen selbst und den Kosten-Folgen von Telefonverbindungen noch gar nichts anzufangen weiß.

Soll eine Verbindung gewählt werden, muss der Hörer wie gewohnt abgehoben werden: Im Hörer ertönt das vom Analog-Telefon vertraute Dauerton-Freizeichen. Zum Wählen muss die Wählscheibe benutzt werden - also Finger in die Öffnung und die Scheibe bis zum silbernen Anschlag drehen und loslassen. Für jüngere Mitmenschen sind Wählscheiben ziemlich ungewohnt oder völlig unbekannt. Jeder Wählvorgang dauert seine Zeit und wenn man zwischendurch nachschaut, welche Ziffern noch zu wählen sind, ist es gut, dass das Telefon nach der letzten Zahl 6 Sekunden wartet, bis es die Nummerneingabe für abgeschlossen erklärt und den eigentlichen Wählvorgang im Netz startet. Wem die 6 Sekunden nicht passen, kann diese über eine spezielle Prozedur am Gerät verändern.

Wahlwiederholung, 9 Rufnummernspeicher und feste Ortsvorwahl möglich

Auf der Unterseite wird die SIM-Karte eingeschoben Auf der Unterseite wird die SIM-Karte eingeschoben
Bild: teltarif.de
Richtig moderner Komfort ist ein Wahlwiederholspeicher: Die Wahl der "#" am Ende der Scheibe löst eine Wahlwiederholung aus, ferner können 9 Kurzwahlen im Telefon einprogrammiert werden und mit *1 bis *9 abgerufen werden.

Da man beim Festnetztelefon örtliche Rufnummern ohne Vorwahl wählen kann, lässt sich die örtliche Vorwahl im Telefon abspeichern. Sie wird dann automatisch vorne dran gehängt, falls eine Rufnummer ohne führende 0 gewählt werden sollte. Das funktioniert logischerweise nur, wo die Vorwahlen (wie in Deutschland, Österreich, Schweiz und anderen Ländern) mit einer 0 beginnen. Sollten Kurzwahlen etwa für Hotline oder Mailbox genutzt werden, muss hinter die Kurzwahl eine # angehängt werden. Dies ist notwendig, damit das Telefon nicht von sich aus die programmierte Vorwahl vorne dran hängt.

Ein Beispiel: 3311 im D1-Netz ist die Mailbox. Der Nutzer muss dann beim 60s mobile die 3311# wählen. Fehlt die #, würde automatisch 0303311 gewählt, sofern als Vorwahl die "030" einprogrammiert wurde.

Guter Klang

Trotz Retro: Die Sprachqualität des Opis 60s mobile war durchgehend in Ordnung, es klingt wesentlich besser als die seinerzeit üblichen raschelnden Kohlegriess-Mikrofone der "Post". Sollte die Wiedergabelautstärke im Hörer nicht ausreichen, kann sie vor oder nach einem Telefongespräch über eine kryptische Wählprozedur in 10 Stufen umgestellt werden. Auch die Mikrofonlautstärke lässt sich "per Menü" so verändern.

Was sich nicht einstellen lässt, ist die Klingellautstärke. Das ist kein böser Wille oder Nachlässigkeit des Herstellers, sondern eine technische Notwendigkeit. Die echte mechanische Weckerklingel braucht durch den Schwungmagneten relativ viel Strom und bei mehr Lautstärke wäre der Akku viel zu schnell leer. So klingelt das Mobile 60s für Fans eines echten W48 Dampftelefons vielleicht ein Hauch zu verhalten. Als kleinen Trick kann man sein Telefon auf einen Holztisch oder einen hölzernen Schrank stellen, was das Klingelsignal verstärken kann. Dafür klingelt das Opis mobile 60s mit dem typischen mechanischen Weckerklingeln, im Gegensatz zu den heutigen MP3-Klängen oder 8-Bit-Piepser-Tönen üblicher Telefone.

Praktischer Betrieb: Einfach gut

Im praktischen Betrieb kommt man mit dem 60s mobile sehr schnell zurecht. Hörer abheben, wählen und warten bis die Verbindung aufgebaut wird, bringt völlig neue Ruhe ins Telefonieren. Bei Anrufen einer Mailbox können DTMF-Töne mit der Wählscheibe "gewählt" werden, es dauert halt eine Weile, bis die Scheibe abgelaufen ist, erst dann werden die Töne für #, * oder 0-9 übermittelt, bei einer 1 geht es logischerweise am schnellsten.

Die Wählscheibe des 60s mobile hat im Gegensatz zu früheren "Post"-Geräten 12 Löcher, damit konnten * und # noch untergebracht werden. Rufnummern im Format +49 wählt man entweder mit einer 00 statt des + Zeichens oder im nationalen Format, mit nationaler Vorwahl und führender einfachen 0.

Fehlende Funktionen mit Multi-SIM realisieren

Wichtig zu wissen ist, dass man am Opis-Tech-Gerät keinerlei USSD-Codes wählen kann, etwa für das Ein- oder Ausschalten einer Rufumleitung. Dazu müsste entweder die SIM-Karte kurzzeitig in ein "normales" Handy gesteckt oder - sofern der Karten-Provider es anbietet - eine Multi-SIM besorgt werden, wie sie bei allen Laufzeitverträgen heute möglich ist. Den SMS-Empfang stellt man auf die zweite SIM-Karte, die in einem konventionellen Handy liegt, somit gehen keine ankommenden SMS verloren. Ohne SMS-Empfang ist der Anschluss doch etwas eingeschränkt, wenn Nachrichten auf der Mailbox warten oder der Netzbetreiber wichtige Infos zum Vertragsstatus per SMS mitteilt.

Leider gibt es zu den preiswerten Discounter-SIM-Karten und generell bei Prepaid keine Multi-SIM-Angebote. Nur wer von einem ehemaligen Laufzeitvertrag zu Prepaid des gleichen Anbieters wechselt, kann Glück haben, dass die Multi-SIM-Karten unter gewissen Umständen weiter funktionieren. Wie das Opis 60s mobile insgesamt im Test abschneidet, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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