Ausgebremst

Opel OnStar & Vodafone: Wegen Pre­paid-Ident zunächst kein Internet (Update)

Opel-Kunden können momentan den OnStar-Internetdienst im Auto drei Monate testen. Doch der mit Vodafone realisierte Internet-Zugang ist nicht sofort nutzbar - schuld ist die Prepaid-Identifizierungspflicht.
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Opel OnStar - Internet im Auto mit HindernissenOpel OnStar - Internet im Auto mit Hindernissen Diverse Opel-Fahrer erhalten momentan ein Angebot, dass sie den Internet-Zugang in ihrem Fahrzeug drei Monate lang kostenlos testen können. Das Internet-Angebot ist ein Teil von Opel OnStar und wird in Verbindung mit Vodafone als Netzbetreiber realisiert. Nach drei Monaten beziehungsweise nach 3 GB verbrauchtem Datenvolumen kann sich der Kunde entscheiden, ob er das Angebot kostenpflichtig weiter nutzen möchte oder nicht.

Allerdings handelt es sich bei dem zugrundeliegenden Vodafone-Tarif um ein Prepaid-Angebot - und seit 1. Juli gilt in Deutschland eine gesetzlich vorgeschriebene Identitätsprüfung für Prepaidkarten. Dies hat zur Folge, dass Opel-Fahrer nach der Aktivierung des OnStar-Internetzugangs im Auto den Zugang nicht sofort nutzen können. Denn es gibt kein Identifizierungsverfahren im Auto.

Opel OnStar: Zunächst kein Internet wegen Identifizierungspflicht

Opel OnStar stellt direkt vom Auto aus eine Internetverbindung mit dem Vodafone-Mobilfunknetz her. Den maximal drei Monate lang kostenfrei verwendbaren WLAN-Hotspot im Auto können bis zu sieben Geräte gleichzeitig nutzen.

Weitere Bestandteile von Opel OnStar sind eine automatische SOS-Soforthilfe bei einem Unfall, ein Fahrzeug-Diagnosedienst zur Kontrolle aller Fahrzeugfunktionen sowie ein Diebstahl-Notfallservice. Außerdem werden alle wichtigen Daten des Bordcomputers auf Wunsch mit einer Smartphone-App synchronisiert. Damit können Kunden auch aus der Ferne prüfen, ob der Reifendruck stimmt, für wie viele Kilometer die Tankfüllung noch reicht oder ob nach dem Aussteigen vielleicht vergessen wurde, die Türen zu verriegeln.

Ein Opel-Fahrer, der vor einigen Tagen das dreimonatige Testangebot annahm, wandte sich daraufhin an unsere Redaktion und schilderte seine Erfahrungen. Direkt im Fahrzeug startete er die Freischaltung des Testangebots, was zunächst problemlos funktionierte, auch die Konfiguration des eigentlichen OnStar-Dienstes war kein Problem.

Als das System allerdings über das Vodafone-Mobilfunknetz mit dem Internet Verbindung aufnehmen wollte, brach der Vorgang bei der Funktion "Identifizierung" ab. Der Kunde startete mit einem separaten Smartphone die Online-Identifizierung bei WebID, allerdings traten dort sehr lange Wartezeiten und diverse technische Probleme auf. Die WebID-Mitarbeiter behaupteten nach Aussage des Opel-Fahrers mehrfach, das Personalausweis-Bild sei nicht lesbar. Dabei hätten sie nicht einmal die Fokussierung der Smartphone-Kamera abgewartet, sondern gleich wieder aufgelegt. Nach Aussage des Fahrers versuchte er dieses Prozedere acht Mal erfolglos.

Auch eine Kontaktaufnahme mit dem Kundenservice von Opel OnStar brachte keine Lösung, da Opel dem Kunden mitteilte, für den Identifizierungsprozess und überhaupt alles, was mit dem Internetzugang zusammenhänge, sei Vodafone zuständig.

Zuständigkeit: Ist Opel oder Vodafone der korrekte Ansprechpartner?

Wir empfahlen dem Kunden als erstes, den Identifizierungsvorgang nochmals an einem Laptop mit Webcam durchzuführen - dieser Tipp führte dann beim ersten Versuch des Opel-Fahrers zum Erfolg.

Der Kunde hatte zuvor noch versucht, die Identifizierung in einem Vodafone-Shop durchzuführen, allerdings existieren nach der Freischaltung des OnStar-Zugangs im Fahrzeug zunächst einmal keine Vertragsunterlagen. Es gibt eben nicht - wie bei einem klassischen Mobilfunkvertrag - ein Dokument, auf dem Name, Kundennummer, SIM-Kartennummer und betreffende Rufnummer des Kunden aufgeführt sind. Der Kunde kann also im Vodafone-Shop nichts vorlegen, was ihn als Nutzer eines Vodafone-Internetzugansg über Opel OnStar ausweist.

Interessanterweise erhielt der Kunde vom OnStar-Kundenservice eine Servicenummer für den Vodafone-Fleetservice. Als er dort anrief, erhielt er zur Antwort, dass man dort nicht zuständig sei. Man wisse aber, dass Opel OnStar vermehrt diese Rufnummer an die Kunden weitergebe, was dann dazu führe, dass immer mehr Kunden fälschlicherweise dort anrufen würden.

Empfehlung: WebID per Laptop nutzen

Wir nahmen Kontakt mit der Pressestelle von Opel auf und schilderten einem Pressesprecher, der sich mit dem OnStar-Programm auskennt, das Problem. Der Sprecher räumte ein, dass es eben seit dem 1. Juli die gesetzlich vorgeschriebene Pflicht zur Identifizierung der Kunden gebe. Dies führe dazu, dass der Internet-Zugang im Auto nicht sofort nutzbar sei.

Der Sprecher empfahl, wie gewohnt die Einrichtung über die OnStar-Taste im Fahrzeug zu starten und dabei eine gültige E-Mail-Adresse einzugeben. Dann erhalte der Kunde eine Bestätigungs-Mail. Anschließend solle der Kunde tatsächlich die Identifizierung per WebID an einem Laptop mit Webcam und Internetzugang durchführen.

Der Sprecher erklärte, dass auch die Identifizierung in einem Vodafone-Shop möglich sei. Unklar blieb allerdings, welche Daten der Opel-Fahrer dazu im Vodafone-Shop vorlegen muss und ob die Bestätigungs-E-Mail alle notwendigen Daten für eine Identitätsfeststellung in einem Vodafone-Shop enthält. Außerdem blieb ungeklärt, ob die Vodafone-Shops überhaupt flächendeckend darauf vorbereitet sind, derartige Identifizierungen bei Opel-Fahrern durchzuführen.

Update 25. Juli, 15:45 Uhr: Doch nicht für alle im Shop möglich

Heute meldete sich der Opel-Sprecher erneut bei uns und räumte ein, dass die Prepaid-Identifizierung für Opel-Fahrer, die das dreimonatige Gratis-Angebot von OnStar nutzen, nicht im Vodafone-Shop möglich ist. Die Identifizierung für die kostenlose Offerte ist lediglich per WebID möglich.

Eine Identifizierung im Vodafone-Shop ist für Opel-Fahrer nur dann möglich, wenn sie sich direkt für ein kostenpflichtiges Internet-Paket entscheiden. Ende des Updates.

teltarif.de-Redakteur Alexander Kuch meint:
Alexander KuchDie Geschichte von Opel und Vodafone wirft erneut die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Prepaid-Identifizierungspflicht auf, die einerseits wohl nur wenig mehr Sicherheit vor Terroranschlägen bietet, andererseits aber Kunden in unzumutbarer Weise gängelt. Wer das Internet im Auto freischaltet, sollte es auch sofort nutzen können - hier müssen sich Opel und Vodafone ein kundenfreundlicheres Verfahren überlegen.

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