Politik

Onlinehandel: Retouren dürfen nicht vernichtet werden

Schnell was bestellt und bei Nichtgefallen wieder zurückgeschickt - so läuft das im Zeitalter des Online-Shoppings. Grüne fordern, dass die Retouren nicht mehr vernichtet werden.
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Online-Versand­händ­lern wie Amazon, Otto und Co. sollte nach Ansicht der Grünen verboten werden, von Kunden zurück­geschickte neuwer­tige Waren zu vernichten. "Wir erleben eine Perver­sion der Wegwerf­gesell­schaft", sagte Frak­tions­chefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke-Medi­engruppe. Hier sei der Staat gefor­dert.

Bei den Retouren handele es sich oftmals um neuwer­tige Produkte, die voll funk­tions­fähig seien und höchs­tens einen Kratzer hätten. Die Poli­tikerin schlug vor, zurück­geschickte Produkte, die nicht mehr in den Verkauf könnten, zu verschenken - etwa über Sozi­alkauf­häuser.

Jedes sechste Paket wird zurück­geschickt

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende im Bundestag der Partei Bündnis 90/Die Grünen, fordert ein Verbot für die Vernichtung von RetourenKatrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende im Bundestag der Partei Bündnis 90/Die Grünen, fordert ein Verbot für die Vernichtung von Retouren Green­peace betonte, man fordere bereits seit der Enthül­lung der "gängigen Vernich­tungs­praktik" des Handels im Sommer 2018 ein umfas­sendes Ressour­censchutz­gesetz von Bundes­umwelt­minis­terin Svenja Schulze (SPD). Dieses sollte neben einem Verbot der Vernich­tung neuwer­tiger bezie­hungs­weise voll funk­tions­tüch­tiger Konsum­güter etwa auch die steu­erliche Förde­rung von Repa­ratur­leis­tungen beinhalten.

Wirt­schafts­wissen­schaftler der Univer­sität Bamberg haben ermit­telt, dass die Bundes­bürger bei Bestel­lungen im Internet jedes sechste Paket wieder zurück­schi­cken. Im vergan­genen Jahr sind das demnach 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel gewesen. Bei Klei­dung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte der Pakete zurück an den Absender, wie die Forscher Ende April mitteilten.

Die Retouren belasten durch das zusätz­liche Trans­port­aufkommen das Klima, die Kosten müssen einer­seits die Kunden durch höhere Markt­preise tragen, ande­rerseits erzielen die E-Commerce-Händler gerin­gere Margen. Nach Erkenntnis der Forscher landen rund 4 Prozent der zurück­geschickten Artikel im Müll. Immerhin gut 79 Prozent werden direkt wieder als A-Ware verkauft, weitere 13 Prozent als B-Ware, so die Forscher. Und 3 Prozent würden an indus­trielle Verwerter verkauft oder an gemein­nützige Orga­nisa­tionen gespendet.

Markt­führer Amazon erklärte dazu heute auf dpa-Anfrage, die über­wiegende Mehr­heit der zurück­gege­benen Produkte kämen erneut in den Verkauf, gingen an Liefe­ranten zurück oder würden je nach Zustand an gemein­nützige Orga­nisa­tionen gespendet. So hätten seit 2013 mehr als 1000 Wohl­tätig­keits­orga­nisa­tionen Spenden erhalten und rund 450 000 Menschen davon profi­tiert. In bestimmten Fällen könnten Produkte weder weiter­verkauft oder gespendet werden, etwa aus Sicher­heits- oder Hygie­negründen. "Wir arbeiten hart daran, diese Zahl auf Null zu bringen", betonte das Unter­nehmen.

Wich­tige Hinweise zum Thema Online-Shop­ping lesen Sie in unserem Ratgeber.

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