Internetauftritt

Schnelle Shopping-Tour: Nach drei Klicks will der Kunde sein Ziel erreichen

Viele Online-Shops investieren deutlich in eine kunden­freund­liche Gestaltung ihrer Internet-Seiten. Ziel ist es lediglich, den Kunden zufrieden zu stellen und zum Wieder­kommen zu bewegen. Wie dies Amazon im Gegensatz zu Bahn.de schafft, lesen Sie bei uns.
Von mit Material von dpa
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Unübersichtliche Internetseiten schrecken Kunden abUnübersichtliche Internetseiten schrecken Kunden ab Dicke Woll­pullover, glitzernder Schmuck und die neueste Technik - was dieses Jahr unter dem Weih­nachts­baum landet, bestellen die Käufer immer häufiger im Internet. Denn der Online-Handel boomt weiter: Im Weih­nachts­geschäft erwartet der Handels­verband HDE in diesem November und Dezember rund zehn Milliarden Euro Umsatz im Netz. Insgesamt sind die Umsätze im Online-Handel seit 2010 um 82,5 Prozent auf 43,6 Milliarden Euro gestiegen. Auch deshalb perfektionieren Unternehmen ständig ihre Webseiten und Online-Shops.

Kunden wünschen einfache Handhabung

Immer übersichtlicher, immer simpler sollen die Shopping-Wege im Internet sein. "Voll gepackte Seiten mit viel Werbung sind sehr ab­ge­droschen und empfinden wir in unserem Kultur­kreis als nicht so schön", sagt der Wirtschafts­psychologe Meinald Thielsch von der Universität Münster. Eine Webseite muss in kürzester Zeit überzeugen. Wissen­schaftlichen Erkennt­nissen zufolge erfassen und bewerten Nutzer die Schön­heit einer Seite innerhalb einer halben Sekunde und ent­scheiden dann über "Bleiben" oder "Flüchten".

Hinter dem Aufbau der Seiten steckt oft ein ausgeklügeltes Webdesign-Konzept. Bei Online-Markt­plätzen wie Amazon, Zalando und eBay sticht zum Beispiel ein großes Suchfeld ins Auge, um schnell zu den gewünschten Produkten zu finden.

Für den Präsident des Berufsverbands der Kommunikations­designer (BDG), Christian Büning, steht vor allem die einfache Handhabung im Vorder­grund. "Wichtig ist die so­genannte Klick­tiefe. Maximal drei Klicks sollte man brauchen, um ein Produkt zu finden und drei bis vier Klicks dann, um es zu kaufen", sagt Büning. Bei Amazon klappe das gut, bei Bahn.de sei es komplizierter und kleinteiliger, bemängelt er. Wer die Heimfahrt zu Weihnachten online bucht, muss sich Zeit nehmen. Bei der Bahn entgegnet man: "Wir optimieren ständig." Da man sich unter anderem vor dem Miss­brauch der Fahrkarten schützen müsse, brauche es mehrere Schritte, sagt ein Bahnsprecher.

Bei dem weltgrößten Online-Händler Amazon hält man sich bedeckt, wie viel in die optische und technische Perfektionierung der Webseite investiert wird. Die Mitarbeiter entwickelten Technologien, "die das Leben von Käufern, Verkäufern und Entwicklern auf der ganzen Welt erleichtern", heißt es auf der Webseite lediglich.

Verwöhnte Nutzer

Die ständigen Verbesserungen bei Online-Auftritt wirken sich auch auf die Webdesigner aus. "Die Ansprüche an unseren Berufsstand sind deutlich gestiegen", sagt Designer Büning. Die Nutzer würden immer verwöhnter und verschwinden schnell, wenn eine Seite nicht gleich zu verstehen ist. "Eigentlich müssten Designer auch über Programmierung, Ziel­gruppen­analysen und die Psychologie der Nutzer Bescheid wissen - das können aber nur fachübergreifende Teams leisten", sagt Wissenschaftler Thielsch.

Dass Design gefragt ist, zeigen auch die Umsatzzahlen der Branche. Laut einer Erhebung des Bundeswirtschaftsministeriums steigerte der Grafik- und Kommunikationsdesign-Markt seinen Umsatz von 495 Millionen in 2009 auf 803 Millionen in 2012. Wie viel davon im Webbereich erzielt wurde, ist nicht aufgeführt.

Doch zahlreiche Handels­unter­nehmen sind nicht dabei, ihren Online-Shop zu optimieren - viele haben nicht einmal einen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Handelsverbands HDE verkaufen 70 Prozent der befragten deutschen Händler gar nicht online. "Natürlich sehen wir da eine Gefahr", sagt HDE-Sprecher Stefan Hertel.

Von den 1 200 Befragten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sind 24 Prozent mit einem eigenem Internet-Shop online unterwegs. 12 Prozent verkaufen zusätzlich oder allein auf Marktplätzen wie eBay und Amazon. Ob sich ein Online-Standbein lohnt, hänge sicherlich von Sortiment, Standort und Kundenkreis der Händler ab, sagt Verbandssprecher Hertel. Schließlich sei es eine erhebliche Investition. Doch der HDE empfiehlt, "sich zumindest mit dem Aufbau eines Online-Standbeins zu beschäftigen."

Doch viele Händler scheuen den ersten Schritt zum Online-Shop. Die Digitalisierung des Warenbestandes verschlinge enorme Investitionskosten. So ist es für die großen Unternehmen einfacher, eine Online-Präsenz zu starten als für die kleinen. In einer gesonderten Meldung haben wir die Sicht der Ladenbesitzer für Sie zusammengefasst.

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