Internethandel

Internethandel: Jedes zweite Kleidungsstück geht zurück

Die Deutschen bestellen sich im Web oft eine Auswahl an Produkten. Was nicht gefällt, geht zurück. Das belastet Geldbeutel und Umwelt.
Von dpa /
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Die Versender machen es den Kunden einfach: Retouren sind meist portofreiDie Versender machen es den Kunden einfach: Retouren sind meist portofrei Die Deut­schen bestellen gerne im Internet - und schi­cken jedes sechste Paket wieder zurück, wie Wirt­schafts­wis­sen­schaftler der Univer­sität Bamberg ermit­telt haben. Im vergan­genen Jahr seien das 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel gewesen. Bei Klei­dung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte der Pakete zurück an den Absender: "Das ist der Wahn­sinn!", sagt Björn Asde­cker von der Forschungs­gruppe Retou­ren­ma­nage­ment.

Artikel in drei Größen und drei Farben bestellen, einen behalten, den Rest zurück­schi­cken - Amazon, Otto und Co. machen es den Deut­schen einfach. Meis­tens sind die Retouren für die Verbrau­cher porto­frei. Laut Verbrau­cher­zen­trale können sie die Ware auch ohne Origi­nal­ver­pa­ckung zurück­geben, einen Grund für den Widerruf müssen sie nicht angeben. Gesetz­lich vorge­schrieben sind nur 14 Tage Wider­rufs­frist - im Markt üblich seien aber 28 Tage, sagt Asde­cker. Und während in vielen anderen Ländern die Kunden die Ware nur per Nach­nahme erhalten, also sofort Geld zahlen müssen, bestellen die Deut­schen sehr viel auf Rech­nung. Folge: Die Retou­ren­quote ist hier weit höher als in den meisten anderen Ländern.

Retouren sind nicht kostenlos

Ganz kostenlos sind die Retouren aber natür­lich nicht: "Damit entstehen Gesamt­kosten in Höhe von schät­zungs­weise 5,46 Milli­arden Euro, die einer­seits die Kunden durch höhere Markt­preise tragen, ande­rer­seits die Margen der E-Commerce-Händler belasten", erklärt der Wirt­schafts­wis­sen­schaftler. Und die Retouren belasten das Klima: So viel wie "täglich 2200 Auto­fahrten von Hamburg nach Moskau" oder 238 000 Tonnen CO2 im vergan­genen Jahr.

Eine Retourensen­dung verur­sache im Durch­schnitt 19,51 Euro Kosten, die Hälfte davon für den Trans­port. Zwar landeten nur vier Prozent der zurück­ge­schickten Artikel im Müll. Aber alles muss zunächst einmal gesichtet und bewertet werden. Immerhin 79 Prozent werden direkt wieder als A-Ware verkauft, weitere 13 Prozent als B-Ware, so die Forscher. Und drei Prozent würden an indus­tri­elle Verwerter verkauft oder an gemein­nüt­zige Orga­ni­sa­tionen gespendet.

Amazon, mit gut 17 Milli­arden Euro Jahres­um­satz in Deutsch­land Markt­führer, erklärte, seit 2013 hätten "mehr als 1000 soziale Einrich­tungen Amazon-Spenden" erhalten. Eine halbe Million Menschen hätten Spiel­zeug, Schuhe, Klei­dung oder Drogerie-Artikel bekommen. Aber jede Rück­sen­dung "wird quali­täts­ge­prüft, neu verpackt und - wann immer möglich - wieder als Neuware ange­boten".

Zurück­ge­sen­dete Unter­hal­tungs­elek­tronik ist proble­ma­tisch

Klei­dung wird zwar am häufigsten zurück­ge­schickt, lässt sich vom Handel aber auch am häufigsten wieder als Neuware verkaufen: "Zu 91 Prozent", sagt Asde­cker. Schwie­riger ist das zum Beispiel bei Unter­hal­tungs­elek­tronik: "Ein geöff­netes Siegel an einem Laptop kann der Händler nicht einfach ersetzen." Immerhin ist die Rück­sen­de­quote bei Elek­tronik und bei Einrich­tungs­ge­gen­ständen aber am nied­rigsten.

Bei Matratzen hat der EU-Gerichtshof kürz­lich die Händler zur Rück­nahme verpflichtet - sie könnten gerei­nigt und desin­fi­ziert werden, die Kunden müssten sie jeden­falls testen können, so die Richter. Unver­sie­gelte Kosme­tika sind jedoch vom Rück­sen­de­recht ausge­nommen, ebenso wie Maßan­züge oder geöff­nete DVDs.

Gele­gent­lich wird das Rück­ga­be­recht auch miss­braucht - zum Beispiel, um sich kostenlos ein Dirndl für das Okto­ber­fest, einen Smoking für den Silves­ter­ball oder einen großen Fern­seher für die Fußball-WM zu leihen. Händler hätten von solchen auffäl­ligen Häufungen berichtet, so Asde­cker.

Weiteres Wachstum erwartet

Laut Handels­ver­band Deutsch­land (HDE) erle­digen die Deut­schen heute gut ein Zehntel ihrer Einkäufe via Internet. Vor allem Klei­dung und Elek­tronik sind gefragt beim Internet-Shop­ping. Der Internet-Versand­handel hat nach Angaben seines Bundes­ver­bands BEVH vergan­genes Jahr Waren für gut 65 Milli­arden Euro verkauft. Im laufenden Jahr rechnet er mit elf Prozent Zuwachs auf 72 Milli­arden.

Das Wachstum ist aber kein Selbst­läufer. So hat der Versand-Riese Amazon zwar gerade ein weiteres Quartal mit Rekord­ergebnis gemeldet, aber das Umsatz­wachstum gerät ins Stocken. Weswegen der Konzern es den Kunden noch einfa­cher machen möchte und künftig Pakete inner­halb von 24 Stunden zustellen will. teltarif.de berich­tete.

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