München

Handy auf dem Oktoberfest: Netzüberlastung vorprogrammiert

Netzbetreiber installieren zusätzliche Sendemasten auf der Wiesn
Von Thorsten Neuhetzki

Wenn es voll ist auf dem Oktoberfest, wird es nicht nur in den Zelten, sondern auch den Handynetzen eng. Wenn es voll ist auf dem Oktoberfest, wird es nicht nur in den Zelten, sondern auch den Handynetzen eng.
Foto: dpa
"O'zapft is!" heißt es morgen wieder in München - nahezu gleichzeitig dürften viele Handynutzer rund um die Theresienwiese wieder denken "Offline is!". Der Grund: Innerhalb von knapp zwei Wochen werden etwa sechs Millionen Besucher die 42 Hektar große Fläche besuchen. Zu viel für die Handynetze, die oftmals schon bei einem vollen Fußballstadion kapitulieren. Doch wie auch im Stadion ergreifen die Netzbetreiber Maßnahmen, damit möglichst viele Kunden telefonieren können. Schwierig ist es, den entstehenden Datentraffic in Griff zu bekommen.

Im Zeitalter der Smartphones wandern unzählige Fotos direkt von der Wiesn zu Facebook, Twitter oder WhatsApp oder werden bei entsprechender Einstellung direkt in der Cloud - etwa bei Dropbox - gespeichert. All das frisst Kapazität in den Netzen. Hinzu kommen die regelmäßigen Synchronisationsvorgänge, die die Apps der Smartphones regelmäßig machen, um die Social Networks und E-Mails stets aktuell zu halten. Aber auch die klassischen Dienste - Telefonie und SMS - werden auf der Festwiese immer wieder genutzt, um sich zu verabreden oder in den Festzelten den anderen zu finden.

Eigenes Netz für eine Veranstaltung

Wenn es voll ist auf dem Oktoberfest, wird es nicht nur in den Zelten, sondern auch den Handynetzen eng. Wenn es voll ist auf dem Oktoberfest, wird es nicht nur in den Zelten, sondern auch den Handynetzen eng.
Foto: dpa
Um das hohe Aufkommen zu stemmen, verstärken die Netzbetreiber in jedem Jahr ihre Netze auf der Theresienwiese erheblich. Während es zu anderen Veranstaltungen lange Zeit gereicht hat, einen LKW mit einer mobilen Basisstation vorzufahren, muss heute auf einer derartigen Großveranstaltung ein eigenes Netz aufgebaut werden.

Dennoch wird es zu Problemen kommen. Entweder bekommt der Handynutzer keine freie Leitung oder aber - und das ist wahrscheinlicher - die Daten werden nicht korrekt empfangen oder verschickt. Damit es trotzdem funktioniert, sollte jeder einzelne Nutzer einige Tipps beherzigen. Zunächst einmal reicht es unter Umständen, den Standort um einige Meter zu verlagern. Denn auch wenn der aktuell genutzte Funkmast überlastet ist, so kann der nächste noch Kapazitäten haben. Aufgrund des engmaschigen Netzes ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass eine Verlagerung um fünzig bis hundert Meter Erfolg verspricht.

Größte Chance für Internet-Daten im LTE-Netz

Datenverbindungen über das GSM- bzw. EDGE-Netz sollten vermieden werden. Zum einen bringen diese Netze ohne hin mit 56 kBit/s ohne EDGE und 260 kBit/s mit EDGE kaum Datenraten, zum anderen sind die Netze vor allem mit Telefonie und SMS "beschäftigt". Viele Kunden haben noch keine Smartphones oder UMTS-Handys, sie nutzen automatisch die GSM-Netze. Einige Netzbetreiber übergeben auch telefonierende Kunden während des Gespräches aus dem UMTS- an ein GSM-Netz, wenn die Kapazitäten dieses zulassen. Wer hingegen nur telefonieren will, der könnte probieren, durch die manuelle Netzwahl per GSM entsprechende Leitungen zu bekommen.

3G bzw. UMTS kann bei allen Netzbetreibern mittlerweile duch HSPA-Erweiterungen eine theoretische Datenrate von 42,2 MBit/s liefern. Diese Angabe versteht sich aber nicht pro Nutzer, sondern Mobilfunksender. Das bedeutet, alle Kunden, die gerade den gleichen Sender nutzen und Daten laden, teilen sich diesen Sender. Das erklärt, warum es schnell langsam werden kann beim Datenabruf.

Eine Alternative kann hier der neue Mobilfunkstandard LTE sein. Theoretisch bieten Telekom und Vodafone hier bis zu 150 MBit/s - allerdings mit der gleichen Einschränkung. Da LTE-Handys jedoch noch nicht sehr stark verbreitet sind, ist die Chance, über LTE ein Internet-Signal zu bekommen, am größten. Vodafone teilte uns auf Nachfrage mit, man habe sogar das LTE-Netz auf der Wiesn mit einem Sender und drei Sektoren aufgerüstet, die Telekom spricht sogar von zehn zusätzlichen LTE-Sendern - genau so viele wie im UMTS-Netz. Für die Telefonie hilft LTE noch nicht weiter, da VoLTE, also die Telefonie über das LTE-Netz noch nicht möglich ist. Handys nutzen dafür automatisch die anderen Netze. Übrigens: Allein die Anbindung des Vodafone-Netzes auf der Wiesn beträgt in diesem Jahr 1 GBit/s (gegenüber 200 MBit/s im vergangenen Jahr). Auch die Telekom führt ihren Traffic über Glasfaser ab. o2 hat Anzahl der 2G-, 3G- und 4G-Netzelemente mit über 40 Stück fast verdoppelt und diese auf 9 Standorte verteilt. Dazu gehörten allein sechs LTE-Stationen auf dem Festgelände - drei Mal so viele LTE-Stationen wie im Vorjahr. Das zeigt, wie groß dier vier Netzbetreiber den Datenhunger einschätzt.

Im Notfall ist die 112 immer erreichbar

Übrigens: In Notsituationen bekommen Handynutzer unter 112 immer eine freie Leitung. Diese Nummer ist im Netz priorisiert geschaltet. Selbst wenn alle Kapazitäten ausgeschöpft sind, werden im Notfall andere Kunden beim Telefonieren unterbrochen, damit der Notruf abgesetzt werden kann. Der Polizei-Notruf 110 hat diese Priorisierung nicht. "Auf eine friedliche Wiesn!"

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