Unzufrieden

EU-Kommissar Oettinger: "Mobilfunk-Funklöcher wie in Burundi"

Es muss in Zukunft eine europäische Absprache für die Koordination von Mobilfunk-Frequenzen geben. Das forderte Oettinger auf der Anga Com und kritisierte die Mobilfunkanbieter scharf für ihre Netzqualität.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Die Anga Com in Köln ist heute mit einer Keynote des EU-Kommissars Günther Oettinger in ihren zweiten Tag gestartet. Bei Keynote, zu der der Saal wohl auch aufgrund der frühen Uhrzeit erstaunlich leer blieb, durften sich unter anderem die Mobilfunk-Anbieter in Europa eine Kritik-Dusche ihres obersten Aufsichts-Herren abholen.

Er sprach dabei einerseits Funklöcher im Binnenland an, aber auch die Situation, die er als in Brüssel arbeitender und mobil lebender Mensch oft erfährt: Gesprächsabbrüche und schlechte Versorgung durch die Netze in Grenzregionen. "Grenzüberschreitend und flächendeckend schnelles Internet, das ist das was die Mobilfunkanbieter leisten müssen." Er forderte: "Konnektivität muss grenzüberschreitend sein." Wer in der Region rund um Belgien, Luxemburg, Deutschland und den Niederlanden unterwegs sei, zahle mit der gleichen Währung, brauche keinen Ausweis und zahle keine Maut. Dennoch könne man die Grenzen bemerken - an der Funkversorgung. "Das kann doch nicht wahr sein, das ist wie in Burundi und Ruanda, aber doch nicht Europa."

Er richtete seinen Appell an die Mitgliedstaaten: "Macht endlich mit und koordiniert die Frequenzspektren auf europäischer Ebene - grenzüberschreitend und regional". So lange bei der Vergabe von Frequenzen nur die Kasse des Bundesfinanzministers und die Maximierung von Auktionen im Mittelpunkt steht "und nicht der Zeitplan koordiniert im Vordergrund steht, ist das ganze nicht überzeugend".

Oettiger setzt auf Ironie: "Funklöcher seit Jahrzehnten bewährt"

Günther Oettinger auf der Anga ComGünther Oettinger auf der Anga Com Mit Blick auf das kommende 5G-Netz hofft Oettinger, das Europa hier wieder gegenüber insbesondere Südkorea aufschließen kann. Europa sei bei der Entwicklung der zurückliegenden Mobilfunknetze immer führend dabei gewesen, es scheiterte jedoch oft am Ausbau. "Im Rollout sind wir schneckenmäßig langsam unterwegs." Wenn er durch Deutschland fahre, fallen ihm nach eigenen Angaben zwei Dinge auf: "Die Funklöcher haben sich seit Jahrzehnten bewährt." Er könnte aufgrund der Funklöcher bei seinen regelmäßigen Fahrten von Brüssel nach Stuttgart selbst bei geschlossenen Augen genau sagen wo er ist. Das habe auch eine große Anzahl abgebrochener Gespräche zur Folge. "Das genügt meinem Anspruch in keiner Form." Auch sei 4G heute noch nicht die Regel. Sein Handy falle noch oft von LTE auf HSPA zurück.

Die 5G-Netze müssten in jedem Fall besser abgedeckt sein, als die Netze es heute sind. Die hochkomplexen landwirtschaftlichen Maschinen mit Sensoren und gezielter Herbizid-Ausbringung je nach Bodenart und Pflanzenbeschaffenheit funktioniere nur, wenn der Acker nicht im Funkloch liegt.

Für einen Lacher im Publikum sorgte während dieser Redepassage übrigens ein Android-Handy, dass den Befehl "OK Google" durch die Lautsprecher verstanden haben muss und auf die Sprach-Eingabe seines Besitzers wartete. Passend zur Funkloch-Kritik meldete es jedoch prompt lautstark zurück "Keine Internetverbindung vorhanden".

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