Digitalradio

DAB+-Ausbau in Österreich wird vorgezogen

Große Über­raschung: Der Netz­betreiber ORS zieht die zweite Ausbau­stufe beim öster­reichi­schen DAB+-Bundesmux vor. Noch 2019 werden damit öster­reichi­sche Privat­radios auch in Teilen Nieder- und Ober­bayerns hörbar.
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Das digi­tale Radio DAB+ wird aufgrund der großen Nach­frage in Öster­reich schneller ausge­baut als ursprüng­lich geplant. Mit großer Freude nimmt der Verein Digi­talradio Öster­reich und die digi­talen Programm­anbieter die vorge­zogene Inbe­trieb­nahme der zweiten Phase des bundes­weiten Mux, die erst für Ende März 2020 geplant war, durch den Sender­betreiber ORS zur Kenntnis. Diese Ausbau­stufe wird vor Weih­nachten, am 11. Dezember dieses Jahres, fertig sein und die Sende­anlagen Inns­bruck-Patscher­kofel, Salz­burg-Gais­berg und St. Pölten-Jauer­ling umfassen. Aktuell werden neun Privat­radios in dem Paket ausge­strahlt, weitere sollen in Kürze folgen.

Mit der Schlie­ßung der Versor­gungs­lücke auf der West­strecke sind bis zu 75 Prozent der öster­reichi­schen Einwohner mit DAB+ Empfang versorgt. "Wir können damit dem Elek­trofach­handel für das heurige Weih­nachts­geschäft ein weiteres attrak­tives Argu­ment für den Vertrieb von DAB+-Endge­räten bieten", sagte Wolf­gang Struber, Vorsit­zender des Vereins Digi­talradio Öster­reich und Geschäfts­führer von Radio Arabella, am Rande einer Veran­stal­tung vor den Medi­entagen.

Durch den Ausbau wird auch ein durch­gehender Empfang von DAB+ für Pendler von Salz­burg nach Inns­bruck über die A8 und die Inntal­auto­bahn in Deutsch­land möglich, so dass vor allem Auto­fahrer von diesem Schritt profi­tieren.

DAB+ auch in Öster­reich mit viel Rücken­wind

Vom Gaisberg bei Salzburg wird ab Dezember DAB+ ausgestrahltVom Gaisberg bei Salzburg wird ab Dezember DAB+ ausgestrahlt Insge­samt freut man sich bei den Radio­veran­stal­tern über den gelun­genen DAB+-Start in Öster­reich, denn die Branche verspüre weiterhin viel Rücken­wind. Nicht nur der öster­reichi­sche Endge­räte­markt entwi­ckelte sich mit einem DAB+–Gerä­tean­teil von über 32 Prozent zum Ende des ersten Quar­tals 2019 positiv. Auch Deutsch­land meldete laut aktu­ellem Digi­tali­sierungs­bericht der Medi­enan­stalten vor kurzem einen DAB+-Zuwachs von 34 Prozent in den Haus­halten und Rekord­marken beim DAB+-Gerä­teab­satz.

DAB+ verzeichnet als zentrale Zukunfts­platt­form euro­paweit hohe Zuwächse. Mit den hybriden Nutzungs­wegen DAB+/UKW und IP wird der Konsum linearer und non-linearer Programm­ange­bote weiter zunehmen. Klar sei aber laut dem Digi­talradio-Verein auch, dass sich DAB+ – so wie in Deutsch­land – als der Empfangsweg mit dem größten Zuwachs entwi­ckelt, während UKW lang­fristig an Bedeu­tung verlieren wird. Damit ergeben sich für die flächen­deckende, öster­reichi­sche Versor­gung mit Hörfunk einige Forde­rungen. Wolf­gang Struber: "Die Medi­enre­gulie­rungs­behörde RTR/KommAustria ist meiner Ansicht nach bereits jetzt gefor­dert, zu prüfen, ob die ORF-Radios den gesetz­lichen Versor­gungs­auftrag ohne DAB+ Verbrei­tung über­haupt noch wahr­nehmen können". Bislang betei­ligt sich der ORF nicht an DAB+, weil ihm gesetz­lich keine digi­talen Zusatz­pror­gamme erlaubt werden.

Reine UKW-Geräte sollen auslaufen

Bezüg­lich der Endge­räte für den Haus­halt spricht sich Digi­talradio Öster­reich dafür aus, dass der entspre­chende Empfang­schip stan­dard­gemäß einge­baut werden muss, sodass reine UKW-Geräte in abseh­barer Zeit am Markt nicht mehr erhält­lich sind. In diesem Zusam­menhang appel­liert Struber auch an den – in Kürze neuge­wählten – Gesetz­geber, den European Elec­tronics Commu­nica­tion Code (ECC) zeit­nahe in natio­nales Recht umzu­setzen und neben der UKW auch die DAB+ Empfangs­möglich­keit – sowie ab 2020 in Neuwagen – in allen neuen Radio­endge­räten verpflich­tend vorzu­schreiben.

Regu­lierung: Spiel­regeln für 5G Broad­cast

Weiteren regu­lato­rischen Bedarf sieht der Verein Digi­talradio Öster­reich auch im Zusam­menhang mit dem neuen Über­tragungs­stan­dard 5G Broad­cast, da dieser freies Broad­casting ohne Daten­verbrauch über 5G mit Smart­phones und Tablets ermög­licht. "Kosten­loser digi­taler linearer Rund­funk ohne Zwischen­händler zwischen Rund­funk­anstalten und Hörern ist ein wich­tiges künf­tiges Medi­enthema. Hier muss der Gesetz­geber seine Verant­wortung gegen­über dem Bürger wahr­nehmen und darf nicht die Tele­kommu­nika­tions­unter­nehmen, die an jedem Bit and Byte verdienen wollen, die Spiel­regeln über­lassen. Denn sonst müssen am Ende des Tages die Bürger die Rech­nung dafür zahlen", warnt Alex­ander Wagner, Geschäfts­führer von Energy Öster­reich.

Die DAB+-Gesell­schaften sehen 5G Broad­cast fürs Radio nicht länger als Konkur­rent an, sondern als ergän­zenden "Freund" bei der Radio-Digi­tali­sierung. Ziel ist, den Bereich Mobil­empfang auf Smart­phones zu stärken, ohne dass es DAB+ kanni­bali­siert. Denn DAB+ wird nicht in Smart­phones und Tablets inte­griert und es gibt in naher Zukunft hierfür auch keine Pläne. Aber den Bereich Smart­phones kann man nicht bei einer erfolg­reichen digi­talen Migra­tion beim Radio ausklam­mern.

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