Netzausbau

o2 gegen Regierung: Keine staatliche Mobilfunk-Gesellschaft

Telefónica hat sich gegen eine staat­liche Mobil­funk-Gesell­schaft ausge­spro­chen und würde ein Förder­pro­gramm bevor­zugen, um wirt­schaft­lich unren­table Regionen zu versorgen.
Von mit Material von dpa

Zur Besei­ti­gung von Funk­lö­chern in Deutsch­land muss nach Einschät­zung von Telefónica Deutsch­land keine staat­li­chen Mobil­funk-Infra­struk­tur­ge­sell­schaft gegründet werden. Diese Gesell­schaft besitze keine eigenen Frequenzen, weil alle Frequenzen an die Netz­be­treiber verkauft worden seien oder für die Indus­trie vorge­halten würden, sagte der Vorstands­vor­sit­zende der Münchner Tele­fon­ge­sell­schaft, Markus Haas, in einem dpa-Inter­view. "Deshalb ist mir noch gar nicht klar, wie die staat­liche Gesell­schaft eigent­lich genau den Ausbau gestalten will."

In der Bundes­re­gie­rung hatte sich vor allem das für die digi­tale Infra­struktur zustän­dige Verkehrs­mi­nis­te­rium unter Andreas Scheuer (CSU) für die Grün­dung einer Mobil­funkin­fra­struk­tur­ge­sell­schaft (MIG) stark gemacht. Über die MIG solle der Bund Sende­masten in Regionen errichten, in denen der Ausbau für die privaten Netz­be­treiber nicht rentabel sei. Die Netz­be­treiber sollen diese dann mieten.

Markus Haas: "Manche Stand­orte sind wirt­schaft­lich unat­traktiv"

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Logo: Bundesregierung, Foto/Montage: teltarif.de
Haas räumte ein, dass es Stand­orte gebe, die wirt­schaft­lich aufgrund der sehr geringen Nutzer unat­traktiv seien und die keiner ausbauen wolle. Nur in solchen Fällen müsse man über Unter­stüt­zungs­mo­delle reden. "Ich glaube aller­dings, dass man das auch im Rahmen eines bundes­weiten Mobil­funk-Förder­pro­gramms hätte regeln können", betonte Haas.

Die Heraus­for­de­rungen bestünden außerdem nicht nur in der Finan­zie­rung, sondern auch in der Tatsache, dass die Provider an bestimmten Stand­orten entweder gar nicht bauen dürften oder die Bauge­neh­mi­gungs­ver­fahren sehr lang­wierig seien. "Mit diesen ganz prak­ti­schen Problemen hätte auch eine staat­liche Gesell­schaft zu kämpfen. Jetzt soll eine Behörde mit rund 100 Mitar­bei­tern aufge­baut werden. Diese Mitar­beiter werden die Netze aber nicht selber bauen, sondern nur verwalten." Hier sei dann wiederum die Exper­tise der Netz­be­treiber gefragt.

So gestaltet Telefónica den weiteren Netz­ausbau

Telefónica Deutsch­land inves­tiere für den Ausbau der Mobil­funk­netze bis zum Jahr 2022 in Summe vier Milli­arden Euro, sagte Haas. "In diesem Jahr konzen­trieren wir uns mit den Inves­ti­tionen darauf, 4G, also LTE, zu Ende auszu­bauen und mit 5G in den fünf größten deut­schen Städten zu starten." 2021 und 2022 werde man den 5G-Ausbau deut­lich beschleu­nigen.

Beim 5G-Ausbau sei aller­dings bislang noch nicht klar, welche Hersteller letzt­end­lich den geplanten Sicher­heits­test des Bundes­amts für Sicher­heit in der Infor­ma­ti­ons­technik (BSI) bestehen werden. "Deshalb ist es aus unserer Sicht entschei­dend, dass hier poli­tisch zügig Fakten geschaffen werden und die Zerti­fi­zie­rung beginnen kann." Im Kern­netz setzt Telefónica auf den euro­päi­schen Anbieter Ericsson - dessen Kompo­nenten auch zerti­fi­ziert werden müssen. Im Zugangs­netz plane man mit einem Mix aus 50 Prozent euro­päi­schen und 50 Prozent globalen Herstel­lern. "Wir setzen hier vorbe­halt­lich poli­ti­scher Entschei­dungen auf Nokia und Huawei."

Auf Seite 2 lesen Sie unter anderen, wie sich der Telefónica-CEO den 5G-Ausbau vorstellt und wie es mit LTE von o2 weiter­geht.

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