Virtuelle Netzbetreiber

o2-E-Plus-Fusion: Was passiert mit Mailbox, Kunden­konten, SIM und Vorwahlen?

Bei der Fusion von E-Plus mit o2 gibt es für den künftigen Netz­betreiber viel zu beachten. Die Netze müssen zusammen­geführt sowie Netz­dienste und Kunden­daten­banken unter einen Hut gebracht werden. Der neue Netz­betreiber muss auch virtuelle Anbieter ins Netz lassen, die ebenfalls eine Platt­form dafür brauchen.
Von / Marie-Anne Winter

In den vorangegangenen News dieser kleinen Serie zur Fusion von Telefónica o2 und E-Plus haben wir uns bereits angesehen, welche Optionen Telefónica für die Zusammenlegung der Netze hat und Überlegungen angestellt, wie man die genutzte Netztechnik verschiedener Hersteller unter einen Hut bekommen kann. Aber damit ist es längst nicht getan: Wenn die Netztechnik soweit klar ist, müssen an sich triviale Themen wie Netzfunktionen und Netzdienste angefasst werden.

o2-E-Plus-Fusion: Netz-Funktionen und virtuelle Anbieter Bei der Fusion von E-Plus mit o2 gibt es viele Dinge zu beachten.
Bild: dpa, o2
Dazu gehört etwa die Frage, wie man künftig die Mailbox erreicht. E-Plus-Kunden kennen die Kurzwahl 9911, die inzwischen auch von o2 aus erreichbar ist und zur Mailbox führt. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn es ist nicht klar, ob die Abrechnungssysteme schon wissen, dass die Mailbox in den meisten o2-Tarifen (aber nicht in allen) kostenlos erreichbar ist. Ein Anruf der "333" hingegen ist von E-Plus aus noch nicht möglich.

Den Kontostand einer Prepaid-Karte fragt man bei o2 mit dem USSD-Code *101# ab. E-Plus-Kunden verwenden den Quasi-Standard *100#, der bei o2 nur in bestimmten Fällen funktioniert. Wenn er funktioniert, antwortet das Handy mit einem Auswahlmenü, wo man Guthabenstand (direkt *101#) oder Verfallsdatum (*102#) sowie weitere Informationen abrufen kann. Original-Prepaid-Kunden von o2 können mit *108# eine Art "Hilfe-Menü" abrufen, Discounter-Kunden im o2-Netz hingegen nicht. Auch hier muss mittelfristig eine einheitliche Lösung gefunden werden.

Migration der Kundendatenbanken - eine komplexe Aufgabe

Obwohl o2 den Festnetzanbieter Alice (früher Hansenet) schon vor Jahren übernommen hat, werden die Kunden bis heute getrennt verwaltet, weil es nicht so einfach ist, die Kundendatenbanken ineinander zu überführen. Ähnliches wird bei o2 und E-Plus passieren. Möglicherweise wird man sich intern für eine Kundendatenbank entscheiden und die anderen Kunden in das neue Hauptsystem überführen. Denkbar ist auch, dass beide Systeme in eine funkelnagelneue Datenbank transportiert werden. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es geht, wie mobilcom-debitel bewiesen hat: Deren Migration von Talkline, Debitel, Mobilcom und anderen Anbietern ging weitgehend geräuschlos über die Bühne. Mobilcom verfügt über fast 20 Jahre Erfahrung mit Tarif- und Kundendatenbanken und hat schon früh eigene Systeme entwickelt, die genau so etwas handhaben können.

Wie funktionieren virtuelle Anbieter?

Als Besonderheit der Fusion hat die EU-Kommission gefordert, dass das neue Unternehmen andere Anbieter in sein Netz lassen muss. Solche MVNOs werden formal als "Netzbetreiber" ohne eigenes Funknetz angesehen, wie beispielsweise die Drillisch AG. Teilweise können sie auch eigene reale Sende-Frequenzen und Standorte erhalten, wo sie "eigene" Sender betreiben könnten. Das könnte rein theoretisch sogar bedeuten, dass an einer bestimmten Stelle künftig nur "Drillisch" versorgt, während Original-o2 Kunden im Funkloch stehen würden. Doch rein praktisch ist das eher unwahrscheinlich. Die Drillisch AG verfügt derzeit über keine technische Erfahrungen und Ressourcen für einen echten Netzbetrieb und wird diese komplexe Aufgabe eher an einen Dienstleister auslagern, wobei o2 oder eine Tochtergesellschaft des fusionierten Unternehmens hier durchaus als Dienstleister prädestiniert sein dürften.

Sehr wahrscheinlich hingegen ist, dass die Drillisch AG als virtueller Anbieter eine eigene Netzvorwahl bekommen wird, die nur dann verwendet wird, wenn ein Neukunde einen Vertrag abschließt, bestehende oder künftige Kunden dürfen - wenn sie wollen - ihre vorhandene Rufnummer mitbringen. Technisch gesehen müsste "Drillisch virtuell" dann eigene Interconnects mit allen Mobilfunk- und Festnetzgesellschaften dieser Welt neu organisieren. Sie dürften aber auch diese Aufgabe an o2 oder eine Tochtergesellschaft übertragen.

Damit bliebe de facto alles beim alten, zumal die neue Vorwahl sicherlich aus dem Rufnummernbereich von o2 "ausgeliehen" wird und damit im bekannten Nummernraum 0176, 0179 oder 0159x bleiben wird. Die bisherigen E-Plus-Vorwahlen wird man praktischerweise der neuen o2 zuschlagen, also 0157x, 0163, 0177 oder 0178, wobei die 01579 weiter an Sipgate (vormals vintage wireless) untervermietet bleibt.

Auf der folgenden Seite sehen wir uns an, was bei einem National Roaming passiert, wann ein SIM-Karten-Tausch notwendig wird und ziehen ein Fazit.

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