Messfahrt

o2: Der Netzausbau zeigt Wirkung

o2 lud zur Messfahrt nach München ein. Nach subjektiven Messungen auf drei Handys zeigt sich: o2 braucht sich in München nicht mehr zu verstecken.
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Auf dem Weg zum Mess-Bus bei Dauerregen in München.Auf dem Weg zum Mess-Bus bei Dauerregen in München. Der weitere Netzausbau und die aktuell laufende Konsolidierung bei Telefónica-o2 ist ein hochemotionales Thema. Fast jeder teltarif.de-Leser hat(te) wenigstens eine Karte im Netz von o2 und seine ganz individuellen eigenen Erfahrungen damit gemacht. Eine wesentliche Rolle spielt das eigene Nutzerverhalten und das Preis-Leistungs-Bewusstsein. Für viele Anwender hat Mobilfunk einfach da zu sein und soll möglichst wenig kosten.

Wie es um den realen Netzausbau wirklich bestellt ist, kann man als Nutzer nur für sich selbst erfahren. Gewiss: Fachzeitschriften machen aufwendige Tests, fahren mit speziellen Messfahrzeugen durchs Land oder schicken Reporter mit dem Rucksack durch Einkaufszentren und setzen sie in die Bahn. Deren Ausrüstung sprengt den Rahmen eines technisch interessierten Nutzers bei weitem.

Problemfall Bahn

Zur Anreise nach München zur Vorstellung der aktuellen Netzkonsolidierung von o2 wählten wir die Bahn (von Heidelberg bzw. Mannheim über Stuttgart nach München) und zwar sowohl den ICE als auch den klassischen Intercity (IC). Während die ICE-Wägen in der Regel für Mobilfunk mit Repeatern und WLAN ausgerüstet sind, fehlen im Intercity (Version 1) eigene aktive Elemente. Man muss mit dem zufrieden sein, was durch die isolierenden Fensterscheiben an Signalen noch durchkommt und das ist nicht viel. Und selbst im ICE auf der an sich "vollausgebauten" Hoch­ge­schwindigkeits­strecke Mannheim-Stuttgart als auch auf freier Strecke zwischen Stuttgart und Ulm, Ulm und Augsburg oder Augsburg und München wechselten sich die drei Netze mit (Nicht-)Versorgung ab. Weite Strecken war auch gar nichts möglich, kurz vor München zeigte dann o2 mit weiten 4G-Abschnitten, dass sich etwas getan hat.

Die Münchner U-Bahn - mit LTE

Wer nicht so oft in München unterwegs ist, stellt mit Begeisterung fest, dass die U-Bahn-Strecken seit einigen Monaten mit LTE ausgestattet sind. Noch nicht überall, aber doch über weite Strecken. Der Weg zum o2-Hauptquartier in "UpTown" im Georg-Brauchle-Ring wird von der Linie U1 erschlossen. Dort unten erreichten wir bei o2 beispielsweise 10,6 MBit/s im Downstream (gemessen mit der App von speedtest.net) aber "nur" 0,71 MBit/s im Upstream. Kurz davor waren es sogar flotte 31,3 MBit/s gewesen, bei langsamen 0,18 MBit/s Upstream. Mit zunehmender Näherung an die o2-Zentrale stiegen die Werte auf beispielsweise 32,1 down zu 11,5 MBit/s up bei 32 ms.

Am Ziel im o2-Tower konnten 43,0 down und 28,8 up mit 19 ms Ping oder sogar 55,5 MBit/s down bei 17,5 MBit/s mit 31 ms Ping erreicht werden, kurz darauf 63,9 MBit/s down mit 22,6 MBit/s Upload bei ebenfalls 19 ms Ping. Das sind schon sehr ordentliche Werte, die sich vor dem Wettbewerb nicht zu verstecken brauchen. Dabei kommt die Sendestation auf dem "alten" VIAG-Gebäude im Georg-Brauchle-Ring, die etwa in "Drittel"-Höhe des Turms steht, zum Tragen.

Busreise durch die Stadt

Mit einem konventionellen Reisebus ging es quer durch die Stadt, in einem großen Bogen rund um den Münchner o2 Tower, durch mit viel Grün aufgelockerte Wohnbebauung, vorbei am Nymphenburger Schloss, aber auch durch typische Großstadtstraßen, von Hochhäusern flankiert.

Mit drei Handys wurden abwechselnd Speedtest-Messungen durchgeführt. Einem iPhone 8 (iOS 11.3.1), einem preiswerten China-Handy "Cubot Dinosaur" (Android 6.0) und dem bereits erwähnten BlackBerry Motion (Android 7.1.2). Alle Geräte erlauben die Nutzung von LTE (4G) und die eingelegten SIM-Karten/Verträge ebenfalls. Die gemessenen Werte sollen keinen Anspruch auf einen ultimativen Netztest erheben, sondern eher eine alltägliche Situation zeigen, wo sich drei Freunde mit unterschiedlichen Geräten treffen und dann auf ihre Anzeigen schauen, was "ihr" verwendetes Netz denn so kann.

Um 13.21 Uhr bei Telekom D1 50,6 down und 15,2 up bei 58 ms.

Um 13.21 Uhr bei Vodafone D2 70,8 down und 22,7 up bei 21 ms.

Um 13.22 Uhr bei Telefónica o2 63,9 down und 22,6 up bei 19 ms.

Um 13.30 Uhr bei Telekom D1 17,0 down und 0,47 up bei 73 ms.

Um 13.33 Uhr bei Vodafone D2 0,07 down und 9,57 up bei 61 ms.

Um 13.32 Uhr bei Telefónica o2 18,6 down und 0,53 up bei 27 ms.

Um 13.34 Uhr bei Telekom D1 16,2 down und 1,60 up bei 56 ms.

Um 13.34 Uhr bei Vodafone D2 13,2 down und 2,0 up bei 22 ms.

Um 13.34 Uhr bei Telefónica o2 9,09 down und 3,03 up bei 27 ms.

Alle Messungen mit Speedtest von Ookla unter iOS bzw. Android

Eine Zusammenfassung

Bei Telekom fielen die relativ hohen "Ping"-Werte auf (bis 73 ms). Das Netz bietet häufig satte Datenraten, muss aber die Spitze auch einmal an D2 oder o2 abgeben. Telefónica lieferte mit 19 ms die besten Ping-Werte und kam bei der Testfahrt nie über 27 ms hinaus. Vodafone war stellenweise mit 21 ms ähnlich gut, an manchen Stellen (um 13.33 Uhr) aber auch ziemlich "langsam", da hatten wir wohl ein "D2-Funkloch" erwischt.

Ein klares Fazit

Der Netzausbau ist notwendig und lohnend, denn zufriedene Kunden kündigen nicht, sondern empfehlen ihr Netz weiter. Anspruchsvolle Kunden wollen möglichst immer und überall Netz und natürlich auch in der Provinz. Das Pauschalurteil: "Telekom ist überall - auch in der Provinz - gut", stimmt nicht immer, genauso wie die Behauptung "In der Provinz kann man o2 vergessen" durch eigene Erfahrungen mitunter krass widerlegt wird. Selbst Vodafone hat abseits der Ballungsgebiete noch gewaltigen Nachholbedarf.

Für den interessierten Kunden muss aber auch klar gesagt werden: Ein Spitzennetz zum Geschenk-Tarif geht auf die Dauer nicht. Die nicht von allen Kunden begeistert aufgenommene Mega-Fusion von E-Plus und o2 war auch ein Ergebnis des barbarischen Kostendrucks aufgrund einer vehementen Tarifschlacht der vergangenen Jahre. Wer etwas mehr Netzqualität möchte, sollte auch den Preis im Auge behalten. o2 kann man nur wünschen, dass sie genügend Atem haben, um von München bis Flensburg ein gutes Netz aufzubauen.

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