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Editorial: Belastungsprobe bestanden

Das o2-Netz wird besser. Ab wann wird es zur echten Konkurrenz für Deutsche Telekom und Vodafone?
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Belastungsprobe Silvester bestandenBelastungsprobe Silvester bestanden Um über 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr konnte Telefónica/o2 die Datenmenge steigern, die in der Silvesternacht zwischen 0 und 1 Uhr über das eigene Netz übertragen wurde. Während Telefónica diesen Anstieg auf das "Wachstum aktiver o2-Kunden" zurückführt, gibt es für mich eine andere Erklärung: Der Konzern hat in den letzten Monaten beim Netzausbau einige große Fortschritte erzielt. Entsprechend waren dieses Jahr viel mehr Telefónica-Kunden als im Vorjahr überhaupt in der Lage, ihre Neujahrswünsche per WhatsApp und Co. zu übermitteln - und haben von dieser Möglichkeit dann auch Gebrauch gemacht.

Das ist eine gute Nachricht für alle Verbraucher in Deutschland, selbst die, die nicht Kunde von Telefónica/o2 sind. Denn die Konkurrenz zwischen den beiden anderen Netzbetreibern, also Deutsche Telekom und Vodafone, war noch nie besonders intensiv. Eigentlich hatte man immer das Gefühl, dass es die Produkte des einen auch jeweils beim anderen in grün, äh, in pink bzw. rot gab. So wird der Kunde bei den beiden dann vor die schwierige Wahl gestellt, ob er den Verkäufer im Telekom- bzw. Vodafone-Shop netter oder glaubwürdiger findet. Und weil beide - Telekom wie Vodafone - sich angesichts des Duopols nicht so wirklich anstrengen müssen, bekommt der Kunde bei ihnen zum Premium-Preis eine doch eher mittelklassige Mobilfunk-Dienstleistung. Letzteres merkt der deutsche Kunde immer öfters, wenn er sich mal etwas länger außerhalb der Landesgrenzen aufhält und vor Ort dann eine eigene SIM-Karte erwirbt. Nicht selten passiert es dann, dass der Kunde zum ersten Mal das Gefühl hat, dass die ganzen Werbeversprechen ("überall online", "rasantes Netz" etc.) endlich auch mal in Erfüllung gehen. Internationale Vergleichstests zeigen nämlich regelmäßig, dass Mobilfunk in Deutschland preislich ganz vorne mit dabei ist, qualitätsmäßig aber nicht.

"Besser" heißt noch nicht "gut"

Nun war vor einem Jahr das Telefónica-Netz so schlecht, dass es nur als Billig-Alternative zu den beiden anderen Netzen taugte. Seitdem hat sich viel getan, aber "besser" heißt im konkreten Fall leider (noch) nicht "gut". Dazu leistet sich Telefónica noch zu viele eklatante Aussetzer. Das wohl berüchtigteste o2-Funkloch direkt am und im Berliner Hauptbahnhof ist zwar inzwischen geflickt, und zwar inzwischen nicht nur im 4G/LTE-Netz (wie vor zwei Monaten), sondern auch im 3G/UMTS-Netz. Aber nur ein paar Kilometer weiter, in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz, musste ich im Vorweihnachtstrubel erleben, wie das o2-Netz komplett versagte: Nicht einmal mehr Anrufe waren möglich. Immerhin kamen am Ende ein paar SMS durch. Im Smartphone-Zeitalter fühlt sich das an wie ein Rückfall in die Zeiten von manuell verschickten Telegrammen und Morse-Code. Und das ist Beileibe nicht das einzige größere o2-Funkloch in Berlin.

Wie gesagt, o2 ist insgesamt auf dem richtigen Weg. Ich wünsche o2, dass sie mit dem Netzausbau bzw. letztendlich der Netzintegration dieses Jahr schnell weiter vorankommen. Denn wenn es o2 endlich gelingt, ihr Versprechen einzulösen, flächendeckend eine "ordentliche" Datenrate von 10 bis 20 MBit/s abzuliefern, dann werden sie zur ernstzunehmenden Konkurrenz. Und dann würde auch ziemlich schnell eine Wechselwelle einsetzen. Denn die Zahl der Kunden, die weg wollen von Vertragstarifen mit 4 GB für 40 Euro und hinwollen zu 5 GB für 15 Euro (bzw. 10 GB für 30 Euro) dürfte nicht gerade klein sein. Nur: Bis die Welle losrollt, ist noch einiges beim Netz und beim Service zu tun. Aber 70 Prozent Steigerung des Datenvolumens in der Silvesternacht sind schonmal ein erster Anfang.

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