Netzausbau

Editorial: Das letzte Funkloch wird nie verschwinden

o2-Chef Haas verspricht die volle Netz­abde­ckung bis Ende 2024. Doch bleiben Zweifel.

Zeigt das Handy "Kein Netz" an, steckt der Nutzer in  einem Funkloch. Wird das nie aufhören? Zeigt das Handy "Kein Netz" an, steckt der Nutzer in einem Funkloch. Wird das nie aufhören?
Foto: Picture-Alliance / dpa
Mobil­funk-Netz­ausbau ist eine Sisy­phos-Arbeit: Wenn man hinten endlich fertig ist, muss man vorne schon wieder anfangen. Grund dafür sind die Nutzer, deren Daten­hunger sich etwa alle zwei Jahre verdop­pelt. Zwar redu­zieren sich die Kosten für Mobil­funk­technik in etwa derselben Geschwin­dig­keit, aber das macht voraus­schau­enden Netz­ausbau unren­tabel: Wer heute schon ausrei­chend Netz­kapa­zität für morgen instal­liert, der muss dafür dann auch die Preise von heute zahlen. Wer hingegen mit dem Netz­ausbau wartet, bis die Leis­tung wirk­lich benö­tigt wird, kann dann güns­tiger kaufen. Der Nach­teil dieser reagie­renden Lösung ist natür­lich, dass zwischen dem Voll­laufen einer Zelle und der anschlie­ßenden Erwei­terung immer mehr oder weniger Zeit vergeht, während der die Nutzer im Daten­stau stecken.

Alle zehn Jahre kommt dann noch ein Update des Mobil­funk­stan­dards oben­drauf: Rund um die Jahr­tau­send­wende 3G, ca. 2010 dann 4G und derzeit natür­lich 5G. Neue Stan­dards bedeuten fast immer auch neue Antennen, was an bestehenden Stand­orten aber nicht immer einfach ist: Mancher Mast kann nur eine bestimmte Zahl an Antennen tragen, oder die Anwohner beklagen sich ob des zusätz­lichen Elek­trosmogs. Gerade in länd­lichen Gebieten können Geneh­migungs­ver­fahren ewig dauern, wenn der lokale Groß­bauer zwar über viel Einfluss in der Politik und viele Finanz­mittel für den Streit vor Gericht, aber wenig Einsicht in den Nutzen des Mobil­funks verfügt.

Netz­ausbau ist nie perfekt

Zeigt das Handy "Kein Netz" an, steckt der Nutzer in  einem Funkloch. Wird das nie aufhören? Zeigt das Handy "Kein Netz" an, steckt der Nutzer in einem Funkloch. Wird das nie aufhören?
Foto: Picture-Alliance / dpa
Ange­sichts der genannten Probleme ist es gewagt, wenn nicht gar vermessen, wenn Telefónica-Chef Markus Haas dennoch die Besei­tigung aller, wirk­lich aller Funk­löcher bis Ende 2024 verspricht. Zwar ist es wirk­lich sehr lobens­wert, wenn Telefónica zusammen mit Telekom und Voda­fone "bis zu" 6 000 gemeinsam genutzte Basis­sta­tionen in ehema­ligen Funk­löchern aufbauen wollen. Hinzu kommen weitere 5 000 Stand­orte, die der Bund finan­ziert. Nur: Auch danach wird es viele Löcher im Netz von o2 geben. Sei es, dass ein von der "Bürger­welle" beein­flusster Richter einen wich­tigen Standort vom Netz nimmt, sei es, dass an einem o2-Funk­loch Telekom und Voda­fone die Koope­ration für einen gemein­samen Ausbau ablehnen, weil sie schon selber vor Ort sind, sei es, dass mal wieder der Daten­ver­kehr in einer Region so schnell wächst, dass nichts mehr geht.

Begrü­ßens­wert ist, dass o2 den neuen 5G-Stan­dard bis 2025 bundes­weit ausge­baut haben will, also fünf Jahre nach dem Start. Bei 4G hat o2 dafür noch zehn Jahre benö­tigt. Nur auch hier gilt: Wenn sie dann 2025 tatsäch­lich mit 5G fertig sind, werden so viele Stand­orte bereits am Kapa­zitäts­limit arbeiten, sodass die Netz­tech­niker sich mitnichten groß werden ausruhen können. Ca. 2028 kommt dann 6G. Geforscht wird an dem 5G-Nach­folger bereits seit Jahren.

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