Hintergrund

Telefónica: o2-Netz "optimiert" sich selbst

Bei Überlastungen und Problemen im o2-Netz sollen nicht immer gleich die Techniker zu den Basisstationen rennen. Ein o2-Manager verrät, wie sich das Netz durch Algorithmen und Datenanalysen selbst optimieren soll.
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Der Netzumbau bei Telefónica besteht aus viel mehr als nur der Zusammenlegung des ehemaligen E-Plus- und o2-Netzes. Gleichzeitig gilt es, Versorgungslücken zu schließen und wirklich altertümliche Netzelemente aus den 1990er-Jahren zu modernisieren.

Wie gut ein derartig modernisiertes Netz regional funktionieren kann, zeigen unsere Berichte aus Potsdam. Nutzer in anderen Regionen beklagen allerdings weiterhin eine mangelhafte o2-Netzversorgung. Damit ein modernes Mobilfunknetz keinen zu hohen Personalstand benötigt, setzen die Netzbetreiber - unterstützt durch die Netzausrüster - vermehrt auf Algorithmen, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz.

Algorithmen: Reparaturarbeiten im Netz werden "priorisiert"

Telefonica: Das sich selbst organisierende NetzwerkTelefónica: Das sich selbst organisierende Netzwerk Thorsten Kühlmeyer, Head of Business Analytics and Artificial Intelligence bei Telefónica Deutschland und Pressesprecher Florian Streicher erläutern in einem Blogbeitrag, inwiefern automatisierte Techniken im Telefónica-Netz zum Einsatz kommen. Die Abteilung "Business Analytics and Artificial Intelligence" nutzt Algorithmen und Datenanalysen, um auf der Basis von Netzdaten und Vorhersagen neue Erkenntnisse zu erhalten.

Im Mittelpunkt steht nach wie vor die ambitionierte Absicht, dem Kunden vor Ort eine stabile Netzqualität zu liefern. Daran sollen sich auch notwendige Reparaturmaßnahmen orientieren. Die beiden Manager sprechen ganz klar von einer "Priorisierung entlang des Kundennutzens" bei Reparaturen, was in der Praxis bedeuten dürfte, dass Reparaturarbeiten in dünner besiedelten Gebieten mit weniger Kunden wohl einmal etwas länger warten müssen als die Behebung von Ausfällen oder Netzengpässen in Großstädten.

Bei der "konsequenten Priorisierung des Kundennutzens" geht es aber auch darum, dass Algorithmen im Netz den Netz-Analysten und Technikern bei Reparatur- und Wartungsmaßnahmen ein konkretes Prozedere für die Schadensbehebung vorschlagen, sodass die Ausfallzeit für die Kunden möglichst kurz bleibt. Dabei wird auch einbezogen, wie viele Kunden von der jeweiligen Basisstation abhängig sind und inwieweit benachbarte Stationen die temporären Ausfälle abfangen können.

Software sagt Fehler voraus und simuliert Nutzer

Ein spezielles KI-Tool wurde offenbar nur dafür entwickelt, wiederkehrende Einschränkungen an einzelnen Mobilfunkstationen durch möglichst effiziente Vorhersagen zu vermeiden. In diesem Fall könnte ein vorausgesagter Fehler bestenfalls schon behoben werden, bevor er überhaupt eintritt - beziehungsweise Auswirkungen auf die Netzerfahrung der Kunden hat.

Unter dem Stichwort "Self Organizing Network" versteht man eine Technologie, bei der benachbarten Mobilfunkstationen sich untereinander abstimmen. Telefónica bezeichnet dies als "Nachbarschaftsplanung und -pflege". Durch eine derartige Abstimmung können Verkehrslasten im Netz dynamisch gesteuert werden. Überlastungen (zum Beispiel bei Großveranstaltungen oder Staus) sollen reduziert und Netzabdeckungslücken auch beim temporären Ausfall einer Mobilfunkstation automatisch verringert werden können.

Unter einem "Service Operation Center" versteht Telefónica eine Einrichtung, die das reale Kundenerlebnis im Netz simuliert. Eine Software "benimmt" sich also wie ein regulärer Kunde und "nutzt" Anwendungen wie Messenger, oder sie saugt per Streaming Filme aus dem Netz. Dies wird nicht nur in Stadtzentren, sondern beispielsweise auch an Landstraßen durchgeführt. Die Software macht aufgrund ihrer Erfahrungen dann Vorschläge, an welchen Punkten das Netz optimiert und gegebenenfalls die Kapazität ausgebaut werden muss, damit echte Nutzer sich nicht über das Netz ärgern - und vielleicht deswegen gar den Anbieter wechseln.

Werbe-Video: Wie Telefónica Deutschland Datenanalyse und künstliche Intelligenz einsetzt

Die jeweilige Netzversorgung der drei Netzbetreiber an Ihrem Ort finden Sie auf den Karten zur Netzabdeckung.

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