Interview

o2 zum Handy-Verkauf: "Wir wollen die Kunden nicht bevormunden"

Viele o2-Kunden haben das starre Hardware-Abomodell über 24 Monate zunehmend als Bevormundung empfunden. Im Interview geht Markus von Böhlen von o2 auf die Preisgestaltung ein und auch darauf, welche Geräte angeboten werden und welche teilweise recht unbekannten Hardware-Services o2 bietet.
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o2 will die eigenen Mobil­funk­kunden, die ein Smartphone kaufen möchten, nicht mehr dazu zwingen, das Gerät gekoppelt an den Handy-Vertrag mit Raten­zahlung zu erwerben. Wie berichtet wird o2 online und in den Shops zunehmend Handys und andere Geräte zum Einmalpreis bei sofortiger Bezahlung vertreiben - ganz ohne Ratenzahlung.

Markus von Böhlen, Director Devices, Trading & Supplychain bei Telefónica Deutschland, hat teltarif.de in einem Interview weitere Details dazu verraten. Der Manager sprach nicht nur über das, was die o2-Kunden beim Handykauf erwarten, sondern auch darüber, welche Services die Kunden zukünftig - beispielsweise bei einem defekten Smartphone - erhalten sollen.

Kaufentscheidung bei o2: Tarif vermehrt getrennt vom Smartphone

Hardware-Beratung soll in den o2-Shops im Fokus stehenHardware-Beratung soll in den o2-Shops im Fokus stehen Zu Beginn unseres Interviews sprach von Böhlen darüber, dass o2 in den vergangenen Wochen und Monaten analysiert habe, wie sich das Verhalten der Handy-Käufer in den vergangenen zwei bis drei Jahren verändert habe. Dabei sei es nicht nur um Smartphones und Tablets gegangen, sondern auch um weitere vernetzte Geräte, die die Kunden wünschen. Dazu gehören Smartwatches, aber auch andere vernetzte IoT-Geräte.

Dabei sei eine Sache deutlich geworden: Die Kunden trennen bei der Kaufentscheidung vermehrt zwischen Tarif und Gerät. "Die Kunden möchten zunehmend ohne eine zeitliche Rhythmusvorgabe selbst entscheiden können, wann und zu welchem Zeitpunkt sie ein Endgerät kaufen, entkoppelt vom Vertrag" , stellt von Böhlen klar. "Die Koppelung an den Vertrag, der normalerweise mit einer 24-monatigen Vertragslaufzeit mehr oder weniger 'vorschlägt', wann das nächste Endgerät zu kaufen ist: Das wird zunehmend als Bevormundung empfunden, und daher wollen die Kunden da raus".

Bei mehreren Geräten sind Abo-Modelle zu unflexibel

"Es gibt online und im stationären Handel zunehmend den Wunsch, Endgeräte unmittelbar und vollständig zu bezahlen, ohne irgendeinen Vertrag einzugehen", sagte der Manager im Hinblick darauf, dass viele Kunden heutzutage mehrere vernetzte Geräte nutzen, die sie aber nicht alle zum selben Zeitpunkt kaufen. Bisher habe es das My-Handy-Aboprogramm gegeben und Tarife gebündelt mit einem Handy seien in der Werbung auch besonders herausgestellt worden. o2-affine Nutzer hätten zwar gewusst, dass man auch Geräte zum Einmalpreis kaufen könne, dies soll nun aber in der Öffentlichkeit noch deutlich stärker kommuniziert werden.

Markus von Böhlen macht klar: Das seit 2009 existierende My-Handy-Programm wird es weiterhin in unveränderter Form geben, und zwar mit einer 12- oder einer 24-monatigen Laufzeit des Hardware-Abonnements. Eine noch längere Abo-Laufzeit wie beispielsweise 36 Monate sei kaum angefragt worden, eher der Sofortkauf. Weiterhin erhältlich sein werden über My Handy auch Zubehör-Artikel - der Kunde kann laut von Böhlen beispielsweise Streaming-Lautsprecher von Sonos mit Anzahlung und Abonnement bei o2 erwerben. Auch hochwertige Smartwatches mit einem Preis von über 300 Euro kaufen o2-Kunden laut dem Manager gerne im Abonnement. Auf jeden Fall soll der My-Handy-Preis immer mit dem Barverkaufspreis im Sofortverkauf identisch sein.

Doch bei der Nutzungszeit der Geräte habe sich das Verhalten der Kunden deutlich geändert: Im Schnitt nutzen laut dem Manager die o2-Kunden ihr Gerät rund zweieinhalb Jahre. Dieser theoretische Durchschnittswert werde aber den wirklichen Wünschen der Kunden kaum noch gerecht. Es gebe eine Klientel unter den Kunden, die jedes Jahr das allerneuste Handy haben möchte. Eine andere Kundengruppe habe festgestellt, dass der Innovationsgrad bei den Smartphones abgenommen hat und sieht bei der neuesten Smartphone-Generation keinen Mehrwert zum aktuell genutzten Gerät. Diese Kunden wollen darum also nicht alle zwei Jahre ein neues Gerät, sondern nutzen nach den Beobachtungen von o2 ihr bisheriges Gerät dann oft noch ein drittes Jahr. Für diese beiden Kundengruppen passe der starre 24-Monats-Rhythmus nicht mehr so gut.

Die Kunden wollen laut von Böhlen in der Zukunft vermehrt vernetzte Geräte wie Smartwatches oder Fitnessarmbänder kaufen. Selbst wenn der Handy-Vertrag sogar mehrere SIM-Karten beinhaltet, sei es kaum noch attraktiv, alle Subventionen für diese Geräte in einem Tarif abzubilden: Das wäre dann irgendwann preislich nicht mehr sonderlich attraktiv für den Kunden. Außerdem würde man mit einem starren Abo-Programm mehr oder weniger vom Kunden verlangen, dass er alle Geräte alle 24 Monate austauscht. "Die Freiheit des Kunden steht im Vordergrund und wir wollen die Leute nicht in irgend einer Art und Weise bevormunden", sagte von Böhlen hierzu.

o2-Vertrieb: Endgerät bleibt "Mittel zum Zweck"

Die von o2 kommunizierten Preise für erste Geräte seien dadurch zustande gekommen, dass o2 entlang der Wertschöpfungskette, zum Beispiel bei der Logistik, Optimierungen vorgenommen habe. Doch laut von Böhlen gilt für o2: "Für uns ist das Endgerät nach wie vor Mittel zum Zweck; am Ende des Tages sind wir ein Netzwerkanbieter, wollen diese Services und Dienstleistungen verkaufen und geben dem Kunden eine große Auswahl an fair bepreisten Zugangsgeräten."

Wir wollten wissen, ob in Zukunft auch vermehrt Geräte von asiatischen Herstellern oder kleineren europäischen Herstellern in den Verkauf genommen werden, die oft ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten als Apple oder Samsung. von Böhlen hält dies grundsätzlich für eine gute Idee, bislang seien aber die Interessenten für derartige Geräte nicht unbedingt zu o2 gekommen. o2 legt hier Wert auf Nachhaltigkeit, zum Beispiel auch auf regelmäßige Software- und Security-Updates, was eben nicht gegeben ist, wenn ein vielleicht kurzzeitig gehypter chinesischer Hersteller nach einigen Monaten schon wieder vom Markt verschwunden ist.

Auf der zweiten Seite unseres Berichts gehen wir im Gespräch mit Markus von Böhlen darauf ein, welche zum Teil recht unbekannte Hardware-Service-Leistungen o2 in den Shops und auch online bietet. Außerdem verrät der Manager, was in Bezug auf Hardware bei Blau geplant ist.

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