Echte Flatrate

Kommentar zu o2 Free: Gutes Konzept halbherzig umgesetzt

Wir zeigen in einem Kommentar zu o2 Free auf, warum sich der Netzbetreiber mit dem neuen Tarif auch selbst schadet. Eine zeitweilige LTE-Abschaltung ist im Jahr 2016 nicht mehr zeitgemäß.
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Steht am Aufenthaltsort des Kunden UMTS nicht zur Verfügung, so surft er im GSM-Netz über GPRS und EDGE, was fast gleichbedeutend damit ist, dass er keinen ernsthaft nutzbaren Internet-Zugang zur Verfügung hat. Es kommt hinzu, dass die Pingzeiten im UMTS-Netz deutlich höher als über LTE sind, was dazu führt, dass der Kunde den Internet-Zugang als schlechter und langsamer empfindet, als er vielleicht ist.

o2 tut sich mit dieser Beschränkung aber auch deshalb keinen Gefallen, weil viele Kunden vielleicht der Annahme sein werden, dass ihnen der 1-MBit/s-Zugang ausreicht, so dass sie bewusst ein kleines Paket buchen, um Kosten zu sparen. Die Folge ist, dass sich immer mehr Kunden das 3G-Netz teilen müssen, so dass es unweigerlich zu Überlastungserscheinungen kommt. Dieser Effekt ließe sich entschärfen, wenn sich die Kunden auf die Standards LTE und UMTS aufteilen würden.

Kunden nicht immer über Netztechnik informiert

LTE wird nach Verbrauch des Highspeed-Volumens abgeklemmtLTE wird nach Verbrauch des Highspeed-Volumens abgeklemmt Nicht allen Kunden wird zudem bewusst sein, ob sie an den Orten, an denen sie sich überwiegend aufhalten, auch UMTS-Empfang haben, wenn LTE zur Verfügung steht, so dass sie derzeit einen brauchbaren Internet-Zugang nutzen können. Das böse Erwachen kommt gegebenenfalls nach dem Wechsel zu o2 Free und nach Verbrauch des Highspeed-Volumens, wenn der LTE-Zugang abgeschaltet.

Interessenten, die die LTE-Begrenzung bei o2 Free nicht kennen, könnten auch stutzig werden, wenn sie plötzlich nur noch UMTS- oder GSM-Empfang haben. Ist vielleicht das genutzte Smartphone defekt? Liegt eine Netzstörung vor? Die Kunden werden sich demnach mit ihrem Anbieter in Verbindung setzen und die ohnehin bereits chronisch überlastete o2-Hotline noch mehr belasten.

Auch VoLTE geht zeitweise verloren

Der zeitweilige Verzicht auf 4G bedeutet nicht zuletzt aber auch die temporäre Abschaltung von Voice over LTE, das für kürzere Verbindungsaufbauzeiten, eine verbesserte Sprachqualität und eine längere Akkulaufzeit sorgt. Technisch gesehen ist o2 Free demnach ein Schritt zurück. Das hat negative Auswirkungen für Kunden (schlechtere Breitband-Abdeckung, zeitweise Verzicht auf VoLTE) und den Netzbetreiber (Überlastung des UMTS-Netzes und eventuell auch der Kundenbetreuung) gleichermaßen.

So gut und richtig der Schritt zu echten Daten-Flatrates auch ist: Ohne LTE fühlt sich der Vertrag an wie ein Tarif aus der Vergangenheit und nicht wie eine "Entfesselung des Mobilfunks", wie o2 das neue Portfolio in seiner Pressemitteilung selbst genannt hat. Bleibt zu hoffen, dass der Netzbetreiber hier noch nachbessert und den Tarif dauerhaft für die Nutzung im LTE-Netz anbietet. Von zufriedenen Kunden, die ihre Verträge verlängern und nicht kündigen, profitiert schlussendlich auch o2.

teltarif.de-Podcast zu o2 Free

In unserem Podcast "Strippenzieher und Tarifdschungel" sind wir in der aktuellen Folge auf die Konditionen der neuen o2-Free-Tarife eingegangen. Hier können Sie direkt in die Folge reinhören oder als MP3 herunterladen:

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