Internet-Flat

o2 Free im Test: Ein Monat Dauersurfen in der Großstadt

Mit o2 Free können Vielsurfer unbegrenzt mit reduzierter Geschwindigkeit im UMTS-Netz surfen. Wir haben die mobile Internet-Flat einem ausführlichen Dauertest unterzogen. Handelt es sich um eine echte Daten-Flatrate oder nur eine sanftere Drosselung? So schlägt sich die 1 MBit/s Verbindung im Alltag.
Von / Arne Düsterhöft
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Anfang Oktober hatte Telefónica die neue Tarifreihe o2 Free vorgestellt. Das zentrale Feature der Vertragstarife: Nach Verbrauch des LTE-Highspeedvolumens surft der Kunde unbegrenzt mit einer reduzierten Geschwindigkeit von maximal 1 MBit/s über GPRS oder UMTS weiter. Anders gesagt: Statt auf 32 kBit/s wird auf 1 MBit/s gedrosselt. o2 wirbt damit, dass die Internet-Nutzung mit dieser Bandbreite "endlich unendlich" sei, während anderen bei der bisher üblichen Drosselung "die Luft ausgeht". Sollte o2 mit seiner Werbung Recht behalten, wäre o2 Free die bei weitem günstigste, unlimitierte mobile Daten-Flatrate auf dem Markt. Wir haben daher die Internet-Nutzung einem ausführlichen Praxistest unterzogen, um herauszufinden wie alltagstauglich die Internet-Flat mit 1 MBit/s ist.

o2 Free im Test: Die Stärken und Schwächen der "endlich unendlichen" Surf-Flat.
o2 Free im Test: Die Stärken und Schwächen der "endlich unendlichen" Surf-Flat.

o2 Free mit dem Surfstick auch am Laptop nutzbar

Vor unserem einmonatigen Dauertest haben wir bereits überprüft wie praktikabel o2 Free zum surfen, streamen und skypen via Surfstick am Notebook und PC ist. Doch auch vor dem neuen Tarifmodell war die Bandbreitenstufe von 1 MBit/s bei o2 keine gänzlich unbekannte: Bis Juni 2016 war die Bandbreite für o2-Kunden im Roaming auf 1 MBit/s beschränkt. Schon damals hatten wir überprüft, was bei der Geschwindigkeit noch möglich ist und waren positiv überrascht: Am Smartphone war der Unterschied zur Bandbreite in Deutschland kaum zu spüren. Im Juni wurde die Surfgeschwindigkeit für o2-Kunden im Ausland übrigens auf 21,6 MBit/s angehoben. Die Erkenntnisse des Tests lassen sich jedoch nicht eins zu eins übertragen, denn im Ausland gelten im Einzelfall andere Bedingungen im Netz. Außerdem ist seit einigen Monaten bei o2 LTE-Roaming möglich, während bei der Nutzung des Free-Features von o2 das LTE nach dem Verbrauch des Inklusivvolumens gekappt wird. Daher haben wir in diesem Test das Free-Feature mit seinen Bedingungen am Smartphone auf Herz und Nieren geprüft.

1. Schritt: Vergleichswerte der LTE-Verbindung

Mit LTE Max. werden immerhin dreistellige MBit/s-Werte im Download erreicht.
Mit LTE Max. werden immerhin dreistellige MBit/s-Werte im Download erreicht.
Für das im Tarif enthaltene Highspeed-Volumen steht "LTE Max." zur Verfügung, also die maximale im Netz erreichbare Geschwindigkeit. o2 quantifiziert dies auf 225 MBit/s über LTE+. In unserem Test erreichten wir immerhin fast 128 MBit/s. Sobald das LTE-Volumen ausgeschöpft ist, greift die Drosselung auf 1 MBit/s und der 4G-Zugang wird für den Rest des Abrechnungsmonats abgestellt.

Nach dem Verbrauch von 80 Prozent des LTE-Traffics erhielten wir über die SIM-Karte keine SMS mit einer Verbrauchswarnung, wie es sonst bei o2 üblich ist. Auch als das Highspeed-Datenvolumen aufgebraucht war, erfolgte keine Information. Nach Telefónica-Informationen war dies jedoch ein Fehler, der nach dem Start der Tarife auftrat. In einem späteren Test mit einer anderen Karte erhielten wir tatsächlich diese beiden Benachrichtigungs-SMS.

LTE geht schlagartig verloren

Beim Erreichen der Drosselgrenze mit der o2-Free-SIM bemerkten wir den Unterschied schlagartig: Die Mobilfunkverbindung wurde kurz unterbrochen und das Smartphone buchte sich nach wenigen Sekunden wieder über HSPA ein. Der Datenzähler zeigte zu dem Zeitpunkt genau 1 GB, also 100 Prozent des im Tarif enthaltenen LTE-Volumens. Wie angekündigt war ein Zugang zum LTE-Netz für den Rest des Abrechnungsmonats nicht mehr möglich.

2. Schritt: Performance im Speedtest

Als nächstes führten wir Geschwindigkeitstests über die gedrosselte 3G-Verbindung an den verschiedensten Stellen in Berlin aus. Im Freien und auch im Gebäude maßen wir überwiegend recht genau die versprochenen 1 MBit/s, häufig sogar leicht mehr. Down- und Upstream lieferten dabei synchron 1 MBit/s. Der Ping schwankte hierbei außerordentlich stark zwischen 40 und 700 ms.

1 MBit/s in der U-Bahn läuft erstaunlich gut, jedoch nicht immer stabil.
1 MBit/s in der U-Bahn läuft erstaunlich gut, jedoch nicht immer stabil.
Wechselhafter fielen die Tests in U- und S-Bahn aus. Positiv aufgefallen ist, dass auch unterirdisch in der U-Bahn in der Regel 1 MBit/s im Downstream erreicht wurden. Der Upstream hingegen war hierbei auffallend beeinträchtigt. Während der Downstream auch im fahrenden Zug weitestgehend stabil blieb, kam es vor allem bei der Fahrt zu erheblichen Performance-Einbrüchen und kompletten Aussetzern im Upstream. Im S-Bahn-Verkehr verhielten sich die Bandbreiten weitestgehend stabil, wobei es hier insbesondere beim Handover aus dem Tunnel zur Oberfläche haperte. So konnte es beim Übergang einige Zeit dauern bis die Verbindung wieder hergestellt wurde.

In einem vorhergehenden Test haben wir demgegenüber bereits die Performance von o2 Free in ländlichen Regionen und über weite Autobahnstrecken getestet, verbunden mit einem Praxistest per Radio- und Musik-Streaming.

3. Schritt: Streaming-Test per Bingewatching

Speedtests dienen als guter Ausgangspunkt, sind jedoch nur begrenzt aussagekräftig für die alltägliche Anwendung. Daher streamten wir testweise Videos von Plattformen wie Youtube, Amazon Prime Video und der Tagesschau-App über den Free-Anschluss. Auf dem Smartphone und auch auf einem 10-Zoll-Tablet konnten die Videos bei 1 MBit/s in annehmbarer Auflösung abgespielt werden. Die maximale Auflösung bei Youtube-Videos, die beinahe ruckelfrei liefen, lag bei 480p. Bei 360p stellten wir auf dem Smartphone fast keine einzige Unterbrechung fest. Während gerade der Verzicht von HD-Streaming in unserem o2 Free Test auf dem Laptop und PC einen fahlen Nachgeschmack hinterlassen hat, reichte die geringere Auflösung in der Smartphone-Nutzung weitestgehend aus.

Tagesschau in mittlerer Auflösung: Mit 1 MBit/s fast ohne Aussetzer abspielbar.
Tagesschau in mittlerer Auflösung: Mit 1 MBit/s fast ohne Aussetzer abspielbar.
Ein Tipp für Nutzer der Tagesschau-App: Die automatische Erkennung der Verbindungsqualität führte in unserem Test zu einer falschen Einstufung der Verbindungsgeschwindigkeit. Immer wieder sprang der Player zur höchstmöglichen Auflösung, das Video stockte dann stark. Erst bei manueller Festlegung auf "mittlere Qualität" konnte die Sendung weitestgehend flüssig gestreamt werden. Die Option ist in der Tagesschau-App unter "Menü - Zweite Seite - Einstellungen - manuelle Qualität aktivieren - Qualitäts-Auswahl" zu finden.

Doch nicht alles hat mit dem Testtarif geklappt. Auf der folgenden Seite zeigen wir die Grenzen von o2 Free auf.

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