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o2-Banking wählt comdirect Bank als neuen Partner

Bei der Kündi­gung der o2-Banking-Kunden durch die Fidor-Bank hatte o2 ange­kün­digt, bis Ende Mai ein Nach­fol­ge­pro­dukt vorzu­stellen. Das Verspre­chen wurde einge­halten.

Die comdirect Bank ist der neue Partner für das o2 Banking. Die comdirect Bank ist der neue Partner für das o2 Banking.
Foto: Telefónica Deutschland / comdiect
Ein Produkt von o2, das von vorne­herein nahezu reibungslos funk­tio­nierte, galt das o2 Banking (by Fidor). Die Bank in der Tasche, alle Vorgänge über eine App steu­erbar - und nach stän­digen Kunden­nach­fragen zum Teil auch über eine Webseite im Internet. Alle Buchungen in Echt­zeit direkt auf dem Handy sichtbar, Kredit­karte, pardon Debit-Karte mit Master­card-Logo inklu­sive und keine Konto­füh­rungs­ge­bühren. Der anfäng­lich gefor­derte Mindest­um­satz von 100 Euro im Monat entfiel auch bald.

Abschied von der Fidor Bank

Betrieben wurde das Produkt durch die Münchner Fidor-Bank, die in der letzten Zeit unter keinem guten Stern stand. Dann kam aus relativ heiterem Himmel die Ankün­di­gung, dass die Zusam­men­ar­beit zwischen o2 und Fidor zum 30. Juni einge­stellt wird. Den Kunden wurde klar gemacht, dass sie ihr o2-Konto ausglei­chen respek­tive "leer" räumen sollen. Einige geheim­nis­volle Hinweise auf einen neuen Partner, aber keine konkreten Aussagen, nur ein vages Verspre­chen.

Doch das Verspre­chen wurde einge­halten, die notwen­digen Fakten liegen jetzt vor. Telefónica o2 und die comdi­rect Bank AG wollen künftig beim neuen o2-Banking koope­rieren.

Start morgen

Die comdirect Bank ist der neue Partner für das o2 Banking. Die comdirect Bank ist der neue Partner für das o2 Banking.
Foto: Telefónica Deutschland / comdiect
Ab Donnerstag sollen inter­es­sierte o2-Kunden ein "voll­wer­tiges Banking-Angebot" bei der comdi­rect Bank AG erhalten. Zudem sollen sie - wie schon gewohnt - das kontakt­lose Bezahlen mit Apple Pay und (neu!) über Google Pay nutzen können. Im Herbst soll dann ein neues Bonus­pro­gramm mit weiteren "kunden­re­le­vanten Services" starten.

Wech­sel­prämie für o2-Banking-Altkunden

o2-Banking-Bestands­kunden, die ab jetzt bis spätes­tens 30. Juni ein neues Konto bei o2-banking-by-comdi­rect eröffnen, sollen eine Wech­sel­prämie von 25 Euro von der comdi­rect erhalten. Es lohnt sich, das Klein­ge­druckte zu lesen: Diese Prämie bekommen sie nämlich nur, wenn sie inner­halb der ersten 3 Monate nach Konto­er­öff­nung mindes­tens 15 Zahlungen über Apple Pay oder Google Pay mit ihrer comdi­rect Visa-Karte (Kredit­karte) tätigen (dabei gelten nur Zahlungen in Einzel­han­dels­ge­schäften sowie In-App- oder Online-Käufe). Der Bonus soll dann im 4. Monat nach Konto­er­öff­nung auf dem neuen Giro­konto gutge­schrieben werden. Selbst­re­dend gilt das Angebot nur für comdi­rect-Neukunden. Als "Neukunde" wird ange­sehen, wer in den letzten 6 Monaten vor Konto­er­öff­nung nicht bereits Kunde der comdi­rect Bank AG war. Wer bislang o2-Banking-Kunde war, aber schon ein comdi­rect-Konto hat, hat Pech. (Das war seiner­zeit bei "neuen" o2-Banking-Kunden, die schon direkt bei der Fidor-Bank gewesen waren, genauso.)

50 GB Bonus­vo­lumen für 4 Wochen

Die Neukunden erhalten außerdem ein einma­liges Daten­vo­lumen von 50 GB zur persön­li­chen Nutzung auf ihrem o2-Mobil­funk­ver­trag gutschrieben. Das wiederum gilt nur für Privat­kunden mit einem o2 All-in-, Free-, oder Blue Basic-/Smart-/Select-Post­paid-Mobil­funk­tarif und einer LTE-fähigen SIM-Karte, die mit ihrem o2-Banking-Konto bis zum 30. Juni in ein "o2 Banking-Konto powered by comdi­rect" wech­seln. Dazu ist bei der Konto­er­öff­nung die o2- Mobil­funk­nummer anzu­geben. Und nicht alle bekommen das Volumen, denn es gibt Ausnahmen: Kunden mit akti­vierter Daten­au­to­matik oder mit Zahlungs­rück­ständen bekommen dieses Paket nicht.

Sind die Bedin­gungen erfüllt, wird das Daten­paket durch o2 ab dem 1. Juli akti­viert und bleibt für vier Wochen gültig. Es verfällt bei vorzei­tiger Vertrags­ver­län­ge­rung, Ände­rung der Daten­op­tion oder einem Tarif­wechsel. Je nach Nutzungs­ver­halten und aktu­eller Lage, wird man diese 50 GB in vier Wochen nur schwer verbrau­chen können.

comdi­rect und Commerz­bank: Viele Fragen

Die Neukunden bei comdi­rect starten in eine unge­wisse Zukunft. „Bei all unseren Lösungen orien­tieren wir uns klar am Kunden­be­dürfnis“, sagt Matthias Hach, Marke­ting-Chef (CMO) von comdi­rect. „Diesen Fokus behalten wir auch bei der Koope­ra­tion mit o2 bei und werden fort­lau­fend und gemeinsam mit o2 das Angebot mit einer ausge­prägten Kunden­fo­kus­sie­rung weiter­ent­wi­ckeln.“

Unklar ist im Moment, wie sich die beschlos­sene Fusion zwischen der comdi­rect und der bishe­rigen Mutter Commerz­bank auf das o2-Angebot auswirken wird. Können o2-Banking-Kunden sich dann künftig auch am Bank­schalter der neuen Commerz­bank (der Name comdi­rect soll wohl verschwinden) beraten lassen? Oder werden eher klas­si­sche Fili­al­bank-Kunden dazu "über­redet", alles online zu machen, was sie viel­leicht gar nicht wollen?

Einige Plus­punkte

Zu den Kern­leis­tungen des neuen o2-Banking Ange­bots sollen eine kosten­lose Giro­card (die gab es beim alten System bisher nicht und man braucht sie leider noch öfters als einem lieb ist, weil viel Geschäfte "Angst" vor Debit- oder Kredit­karten und deren höheren Buchungs-Kosten haben), sowie eine ebenso kosten­lose Visa-Kredit­karte gehören. Kunden werden welt­weit gebüh­ren­frei Geld abheben und mobil bezahlen können, "einfach, sicher, schnell und unab­hängig vom Gerät". Über die comdi­rect Visa-Karte erhalten Kunden Zugriff auf mobile kontakt­lose Bezahl­sys­teme von Apple Pay und Google Pay, bisher stand nur Apple Pay zur Verfü­gung. Zudem soll o2-Banking mit comdi­rect bequeme Über­wei­sungs­op­tionen über Chat, Sprache oder Foto­gra­fieren einer Rech­nung ermög­li­chen. Auch neu: Der Kunde soll seine digi­tale Vermö­gens­ver­wal­tung mit dem Robo-Advisor comin­vest nutzen können.

Wechsel über die neue o2-Banking-App

So soll die neue o2-Banking-App aussehen, die ab Morgen zum Downlaod für iOS und Android bereit stehen soll. So soll die neue o2-Banking-App aussehen, die ab Morgen zum Downlaod für iOS und Android bereit stehen soll.
Foto: Telefónica Deutschland
Kunden, die sich voll auf den recht­zei­tigen Start des neuen Ange­botes verlassen haben, können den Konto­wechsel-Service von "comdi­rect" nutzen, sobald das neue o2-Banking-Konto eröffnet ist. Dieser Service infor­miert Zahlungs­partner über das neue Konto. Die neue o2-Banking-App, mit der sich alle mobilen Bank­ge­schäfte durch­führen lassen, soll ab Donnerstag für Apple iOS und Android verfügbar sein, verspricht o2. Über diese App finden auch die Regis­trie­rung und der ID-Check zunächst nur per "manu­ellem" Post-Ident (man muss zu einer "Post"-Filiale, die das anbietet) und wohl ab Herbst auch per Video-Tele­fonat statt, ähnlich dem bereits bekannten Verfahren der bishe­rigen o2-Banking-App.

Banking Industry Plat­form

Die Koope­ra­tion setzt auf eine bereits bestehenden "Banking Industry Plat­form" von comdi­rect auf. Diese Platt­form nutzen beispiels­weise die Sport­ver­eine HSV oder BVB, um "inno­va­tives Bezahlen" und Banking für ihre Fans "erlebbar" zu machen. In den nächsten Wochen und Monaten wollen o2 und comdi­rect weiter "am mobile Banking der Zukunft" arbeiten und es allen o2-Banking Kunden im Herbst zur Verfü­gung stellen.

Eine Einschät­zung (von Henning Gajek)

Wer bisher sein o2-Banking-Konto als Haupt­konto genutzt hat und voll auf das neue Angebot vertrauen möchte, sollte - sofern möglich - ab Donnerstag die neue App instal­lieren und den Konto­wechsel-Service in Anspruch nehmen. Gleich­zeitig sollten das alte und das neue Bank­konto genau beob­achtet werden: Werden alle Zahlungs­vor­gänge wie Lohn, Gehalt oder Sozi­al­leis­tungen, Miete, Renten, Handy­ver­träge, Strom, Wasser und so weiter reibungslos vom rich­tigen Konto ablaufen?

Wer sich für das neue Angebot entscheidet, sollte auf jeden Fall einen "Plan B" (eine weitere bewährte Bank­ver­bin­dung?) im Auge behalten, falls es in der Start­phase oder durch die anste­hende Fusion von comdi­rect und Commerz­bank zu "Irri­ta­tionen" kommen sollte.

Es wäre schöner gewesen, wenn Kündi­gung und Neuan­gebot naht­loser inein­ander verzahnt worden wären. Wie man das macht, hat die N26-Bank beim Wechsel von der Wire­card-Bank zur eigenen Bank­li­zenz vorge­führt.

Aufgrund der Unsi­cher­heit und vieler offener Fragen, muss o2 damit rechnen, dass eine ganze Menge Kunden den Wechsel nicht mitma­chen werden. Auch der Autor, bislang hoch­zu­frie­dener Kunde bei o2-Banking (by Fidor) ist vom Wechsel noch nicht über­zeugt.

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