Wenig bekannt

Notruf 112: Noch immer drei Vierteln der EU-Bürger unbekannt

EU-Kommission fordert Mitgliedsstaaten eindringlich zum Handeln auf
Von Marc Kessler
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Die EU-Kommission hat die 27 Mitgliedsstaaten "eindringlich aufgefordert", den europaweiten Notruf 112 besser bekannt zu machen. Nach einer aktuellen Umfrage der EU ist drei Vierteln der EU-Bürger die Tatsache, dass der Notruf 112 (in allen EU-Ländern kostenlos) gewählt werden kann, unbekannt. Nach geltendem EU-Recht sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, die Notrufnummer 112 unter ihren Bürgern bekannt zu machen.

Kroes: Menschen müssen Notruf 112 unbedingt kennen

Notruf-SchildNotruf 112:
In Europa nur wenig bekannt
Nach den EU-Telekom-Vorschriften müssen alle EU-Staaten bis zum 25. Mai dieses Jahres zudem die Genauigkeit und Verlässlichkeit der Ortung des Anrufstandorts verbessern, um "den Schutz der EU-Bürger weiter zu erhöhen". EU-Kommissarin Neelie Kroes: "Der europäische Notruf 112 kann nur dann Leben retten, wenn die Menschen ihn auch kennen. Die Mitgliedsstaaten müssen mehr tun, damit alle Menschen wissen, dass sie im Notfall die Nummer 112 wählen können.

Bei einer Umfrage unter 40 500 EU-Bürgern, die Anfang Januar dieses Jahres befragt wurden, wusste nur rund ein Viertel der Menschen (26 Prozent), dass die 112 diejenige Notrufnummer ist, mit der in der gesamten EU die Polizei, die Feuerwehr oder der Notarzt erreicht werden kann. Grund dafür ist auch die Tatsache, dass es in vielen EU-Staaten unterschiedliche Notrufnummern gab oder nach wie vor gibt. Nur wenige Länder wollen die 112 als alleinige Haupt-Notrufnummer installieren (oder haben dies bereits getan), die meisten Staaten führen die 112 als weitere - übergreifende - Notrufnummer ein.

Netzbetreiber müssen Info-SMS zum Notruf 112 versenden

Die EU-Kommission kritisiert auch die Mobilfunk-Netzbetreiber: Diese sind seit Juli 2009 dazu verpflichtet, Reisende, die in einem anderen EU-Land unterwegs sind, per SMS oder Dienstmitteilung über den Notruf 112 zu informieren. 81 Prozent der Befragten gaben jedoch an, keine derartige Information erhalten zu haben. Nach neuem EU-Telekommunikations-Recht müssen die Netzbetreiber bis Mai 2011 Reisende zudem an Orten wie Flughäfen, Bahnhöfen oder Busbahnhöfen mit derselben Information versorgen.

Ortung der Anrufer soll schneller und präziser werden

Wenn der Notruf 112 angerufen wird, soll zudem der Standort des Anrufers möglichst schnell und genau ermittelt werden können. Laut EU-Vorschrift müssen die Angaben zum Anruferstandort kostenlos vom jeweiligen Anbieter bereitgestellt werden - und zwar sobald der Anruf bei der Notrufzentrale eingeht. In Deutschland ist das derzeit nicht der Fall: Laut EU-Kommission dauert es in Deutschland durchschnittlich 70 Sekunden, den Standort des Anrufers zu ermitteln. Immerhin: Mehr als 95 Prozent der 112-Anrufe werden hierzulande innerhalb von 10 Sekunden angenommen. Eine Übersicht der Notrufnummer 112 in allen EU-Ländern findet sich auf einer speziellen EU-Website.

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