Handy-Test

Das Nokia X6 im Handy-Test

Solides Musik-Smartphone mit Macken

Eine Überraschung in unserem Test war die Kamera des X6. Auf den ersten Blick verbaut Nokia zwar die gewohnte 5-Megapixel-Komponente, die schon in zahlreichen Geräten des finnischen Handybauers präsent war und nicht immer überzeugende Bilder schoss. Das X6 macht es besser. Besonders im Freien sind die Bilder knackscharf und bieten eine natürliche Farbwiedergabe – obwohl sie auf dem Handydisplay zunächst so wirken, als läge ein Grauschleier über ihnen. Erst am PC erscheinen die Fotos in ihrer wirklichen Qualität. Im Innenraum wird die Kamera von einem Doppel-LED-Blitz unterstützt, der seine Aufgabe ebenfalls gut macht. Lediglich in Räumen ist die tolle Schärfe der Außenaufnahmen nicht zu erreichen – leicht verwaschene Bilder sind die Folge.

Nokia X6 32GB

Bei Videoaufnahmen stockt die Entwicklung bei Nokia. Während die Konkurrenz längst mit kleinen HD-Auflösungen filmt, muss die Kamera des X6 mit VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel) auskommen. Die Videos sind zwar ordentlich, leiden aber unter Farbschwankungen und gelegentlichem Pixelmatsch. Einen Camcorder kann das X6 also nicht ersetzen, als Digitalkamera für zwischendurch taugt das Gerät aber allemal.

Gebremster Internet-Spaß

Viel ist schon in Testberichten zu Symbian-Handys über den integrierten Browser geschrieben worden. Selten waren die Kritiken positiv, vor allem an der Geschwindigkeit gab es Kritik. Auch hier zeigt das X6, dass Feintuning durchaus etwas bringen kann: Der Browser arbeitet schnell und lädt über WLAN die teltarif.de-Seite in weniger als zehn Sekunden. Das ist insbesondere deshalb beeindruckend, da der Browser auch Flash-Animationen darstellen kann. Wo also auf vielen Handys beim Surfen Lücken dominieren, zeigt das X6 brav Flash-Werbung, Videoclips und Grafiken an. Auch das Scrollen durch Webseiten macht dank des kapazitiven Touchscreens deutlich mehr Spaß als auf vergleichbaren Nokia-Handys.

Menüstruktur des Nokia x6 Menüstruktur des Nokia x6
Foto: teltarif.de
Wo Licht ist, da ist zumeist auch Schatten. Während der X6-Browser also bei der Geschwindigkeit Punkte sammeln kann, verspielt er sie beim Bedienkomfort. Zunächst verdeckt in der Standard-Einstellung eine dicke Leiste mit Symbolen etwa ein Drittel des Displays – auch im Querformat. Zum Wechseln in den Vollbildmodus sind mindestens zwei Tastendrücke nötig. Da das X6 kein Multitouch bietet, ist der Anwender beim Zoomen auf das eingeblendete Lupensymbol oder einen Doppeltipp aufs Display angewiesen. Das ließe sich noch Verschmerzen – nicht jeder mag Multitouch. Dass aber beim Druck auf Links in vielen Fällen nichts passiert und erst nach dem Einzoomen und erneutem Drücken eine neue Seite geöffnet wird, nervt schnell und bremst die Surfgeschwindigkeit deutlich aus. Auch Symbian-Probleme wie die langen Listenmenüs unter "Optionen", die versteckten RSS-Feeds (unter "Optionen – Wechseln zu – Webfeeds") tun das übrige, um längere Surfsessions besser am PC oder Laptop durchzuführen. Es bleibt zu hoffen, dass Nokia und die anderen an Symbian beteiligten Hersteller mit dem bald erscheinenden Symbian 3 Abhilfe schaffen. Ob ein Gerät wie das X6 aber ein Update bekommen wird, ist äußerst fraglich.

Ein Update auf ein späteres Symbian-System könnte insbesondere an der schwachen Prozessorleistung des X6 scheitern. Während Konkurrenten wie das Sony Ericsson Xperia X10 bereits mit einem GHz arbeiten, muss das X6 mit 433 MHz Prozessortakt auskommen. Dies führt dazu, dass sich das X6 gerne einige Sekunden Bedenkzeit gönnt, um ein Programm zu starten oder einen Ordner im Dateimanager zu öffnen.

Fit für Business-Nutzer - zumindest theoretisch

Wie schon erwähnt: Das Nokia X6 kommt von Haus aus mit Exchange-Servern zurecht und kann so Termine, Kontakte und Aufgaben synchronisieren. Auch die Push-Funktionalität ist für Business-Anwender wichtig. Dass Nokia das X6 aber eher für eine Multimedia-Zielgruppe entwickelt hat, zeigt die Software-Ausstattung: Weder Word- oder Excel-, noch pdf-Dokumente kann das Gerät anzeigen, im Ordner Programme fehlt schlicht die nötige Software. QuickOffice (für Word, Excel, Powerpoint) und ein pdf-Reader sind für jeweils 9,99 Euro in Nokias Shop "Ovi-Store" verfügbar. Dennoch gehört zumindest ein Dokumentenviewer zur Grundausstattung eines Smartphones. Display des Nokia X6 personalisierter Startbildschirm
Foto: teltarif.de

Den Startbildschirm des X6 können Sie zwar personalisieren, die Optionen sind aber deutlich geringer als bei aktuellen Android- oder Windows-Handys. Im Einstellungsmenü stehen "Schnellzugriffsleiste", "Standard" und "Kontaktleiste" zur Verfügung. Lediglich die erste Option zeigt kommende Termine direkt auf dem Startbildschirm an, die voreingestellte Kontaktleiste bietet vier Schnellzugriffe und informiert zudem über die laufende oder zuletzt gespielte Musik. Hier hätten wir uns eine höhere Personalisierbarkeit mit Widgets, gewünscht – und auch mehrere Startbildschirme wie beim Sony Ericsson Vivaz.

Da Nokia beim X6 einen kapazitiven Touchscreen einbaut, liefert der Hersteller erstmals keinen Bedienstift mit. An der Gestaltung der virtuellen Tastaturen hat Nokia kaum etwas verändert. Gut gefällt vor allem die QWERTZ-Tastatur im Querformat. Sie verfügt über Umlaute, so dass Tippen schnell von der Hand geht. Einziger Nachteil: Zwischen den Tasten liegt kein Abstand, so dass sich sowohl der Nutzer als auch die Software manchmal schwer tun zu erkennen, welcher Buchstabe gedrückt wurde.

Fazit

Das Nokia X6 ist ein solides Multimedia-Smartphone. Im Bereich Musik, der von Nokia zurecht in den Mittelpunkt gestellt wird, macht das X6 Spaß – insbesondere dann, wenn die Musikflatrate "Comes With Music" dazugebucht wird. Auch die bisher nicht erwähnte Kartenfunktion "Ovi Maps" mit kostenloser Navigation macht Spaß. Weniger gefallen haben uns der Browser sowie die Optik des Symbian-Betriebssystems. Und auch bei der Verarbeitung sollte Nokia noch eine Schippe drauflegen. Aktuell bekommen Sie das X6 in der 16-GB-Variante ab 290 Euro, das X6 mit 32 GB und der Musikflatrate ist ab 400 Euro. Aufgrund des guten Lieferumfangs mit hochwertigen Kopfhörern und dem großen internen Speicher geht der Preis in Ordnung – ein Schnäppchen ist das Handy aber keinesfalls.

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