In a Box

Nokia und Telefónica zeigen die Firma aus der Schachtel

Auf der Suche nach Geschäftsmodellen für 5G probieren Netz­werk­aus­rüster und Netz­be­treiber auch kuriose Ideen aus. Vielleicht sogar mit Erfolg.
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Die Idee einer Fabrik aus dem Container ist originell. In Hannover waren aber nur Stehtische mit Bildschirmen drin.
Die Idee einer Fabrik aus dem Container ist originell.
Bei der Hannover Messe (Industrie) waren die klassischen Tele­kommuni­kations­aus­rüster und Netz­be­treiber bisher eher Exoten. Sie zeigen aber, dass es ohne sie nicht mehr geht.

Nokia ist einer großen Netzwerkausrüster

Nokia kennen die meisten Leser durch ihre Handys. Diese werden nach einer Episode bei Microsoft längst vom Unternehmen HMD Global entwickelt und vertrieben, aber das gelungene Comeback hat der Marke Nokia insgesamt spürbar gut getan.

Nokia Networks hatte vor einiger Zeit Alcatel-Lucent geschluckt, vor längerem schon die Mobilfunknetz-Sparte von Siemens, weswegen das Unternehmen zeitweise "NSN = Nokia Siemens Networks" hieß.

Industrie möchte drahtlose Fabrik

Die Industrie möchte in der Fabrik der Zukunft weniger Kabel zu den Maschinen und Robotern legen, weil das zu aufwendig und zu teuer wird. Bei Veränderungen im Produktionsablauf müssten laufend neue Kabel gezogen werden. Das könnte man auch per Mobilfunk machen. 5G heißt das Zauberwort.

Dabei wird noch diskutiert, wer den 5G-Mobilfunk später in den Fabrik-Hallen montieren darf: Nur die klassischen Netzbetreiber wie Telekom, Vodafone oder Telefónica (o2)? Oder könnte es auch regionale Lizenzen geben, womit künftig die Industrieausrüster bzw. Lieferanten oder sogar die jeweiligen Produktionsfirmen ihre Netze selbst betreiben könnten? wilhelm.tel will sich beispielsweise um eine 5G-Lizenz bewerben. Wenn es die geben würde, wäre eine wichtige Einnahmequelle für die klassischen Netzbetreiber dahin. Rechnet sich 5G dann überhaupt noch?

Originelle Ideen gefragt

Dabei sind es originelle Ideen, die Furore machen können. Nokia zeigte in Hannover modulare Lösungen wie "pay as you grow". Man kann als Industrie-Kunde klein anfangen und später nach dem Baukastenprinzip weiter machen, wenn das eigene Unternehmen größer wird.

Die Firma der Zukunft könnte so schnelllebig sein, dass es gar nicht mehr lohnt, ein festes Gebäude zu errichten.
Die Firma der Zukunft könnte so schnelllebig sein, dass es gar nicht mehr lohnt, ein festes Gebäude zu errichten.

Telefónica und Nokia bauen Fabrik in der Schachtel

Gemeinsam mit Telefónica Deutschland stellte Nokia die "Factory in a Box" (kurz FiaB), also die Firma aus der Schachtel vor. Das ist ein modulares, portables Industrie-4.0-Lösungskonzept auf Basis von Fracht-Containern für den flexiblen, bedarfsorientierten Einsatz. Es funktioniert mit LTE (4G) und kann in Fertigungsnetze oder lokale private LTE-Netze eingeklinkt werden und unterstützt natürlich auch IoT und alles, was der Mobilfunk so zu bieten hat.

Produktion aus dem Container

Nokia hat dieses Konzept – eine Elektronik-Fertigungsstraße im Standard-Fracht-Container, der je nach Bedarf transportiert werden kann – gemeinsam mit elf weiteren Partnern aus der Elektronikbranche erstmals im Februar 2018 vorgestellt. Warenhersteller können durch agile Produktionsanlagen, die sich schnell "einpacken" und zum Einsatzort transportieren und binnen weniger Stunden wieder in Betrieb nehmen lassen, für die extrem flexible Industrie 4.0 einsetzen.

Diese Initiative ist ein Ergebnis einer im Januar 2018 zwischen Telefónica Deutschland und Nokia getroffenen Vereinbarung über ein gemeinsames Innovationscluster, um auf dem Weg zu 5G Technologien und Lösungen zu entwickeln.

Cayetano Carbajo Martin, Technik-Chef von Telefónica Deutschland, ist überzeugt, dass "die kontinuierliche Weiterentwicklung des LTE-Standards bereits heute zahlreiche Applikationen und Anwendungsfälle möglich gemacht hat, die wir nicht vor 5G erwartet hätten. Die Zusammenarbeit zwischen Nokia und Telefónica Deutschland an einem konkreten Industrie-4.0-Anwendungsfall verdeutlicht die Möglichkeiten, die sich aus der schnellen Entwicklung von 4G ergeben."

Geschäftsmodelle für 5G?

Die Zusammenarbeit mit Nokia könnte die Basis für neue Geschäftsmodelle bei 5G bilden. Grant Marshall, Leiter des Bereichs Supply Network & Engineering bei Nokia Operations, sieht das Projekt als Beispiel dafür, was heute schon möglich ist.

Weitere Neuheiten von der Hannover Messe

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