Megapixel

Nokia N86 im Test: 8-Megapixel-Kamera im Alltagseinsatz

Bringen mehr Megapixel auch mehr Qualität?

Während andere Hersteller wie Sony Ericsson, Samsung oder LG schon seit Monaten einige ihrer Foto-Handys mit 8-Megapixel-Kameras ausstatten, hat sich der finnische Konzern Nokia Zeit gelassen und erst vor einigen Wochen sein erstes Mobiltelefon mit einer solchen Kamera auf den Markt gebracht. Wie bei den N-Serie-Geräten üblich, steckt in diesem Handy allerdings noch jede Menge andere Technik, die wir in diesem Test ebenfalls in Augenschein nehmen. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf den Kamera-Funktionen, und wir wollten wissen, was das N86 8MP im Vergleich zu einer guten Digitalkamera leisten kann und ob sich das Warten auf das Modell vom Marktführer gelohnt hat.

Einfache Handhabung

Nokia N86 8MP

Nokia N86 8MP
in Schwarz
Foto: Nokia
Das Fotografieren mit dem Nokia N86 gestaltet sich sehr einfach: Kurze Zeit nach dem Aufschieben der Abdeckung ist die Kamera betriebsbereit. Mittels Einstellungen zu Weißabgleich, Blitz und Motivprogrammen kann der Anwender die Aufnahmen optimieren. Im Vergleich zu einer Digitalkamera gibt es aber weniger Einstellmöglichkeiten. Am meisten vermisst man einen optischen Zoom.

Dafür kann das Nokia N86 jederzeit zum Einsatz kommen - auch für spontane Aufnahmen, denn das Handy hat man ja fast immer dabei. Selbst Panorama-Aufnahmen sind möglich: Die Software im Handy setzt mehrere im Panorama-Modus geschossene Bilder, die man von einem Ausgangspunkt in verschiedene Richtungen geschossen hat, automatisch zusammen. Natürlich müssen sich die Einzelbilder ausreichend überlappen.

Ebenfalls interessant ist die Intervallaufnahme-Funktion, mit der wiederholt jeweils nach einem bestimmten Zeitraum ein Foto aufgenommen wird. Später lassen sich diese beispielsweise am Computer zu einem Zeitrafferfilm zusammensetzen.

Komfortable Bildbetrachtung und ansprechende Fotoabzüge

Bildergalerie des Nokia N86 8MP
Foto: teltarif.de
Auf dem Gerät lassen sich die aufgenommenen Bilder in der Galerie schnell und komfortabel betrachten. Die Zusatztasten des 2-fach-Sliders ermöglichen ein schnelles Zoomen in die Aufnahmen, um Details zu betrachten oder aber die Schärfe einer Aufnahme zu kontrollieren. Dies war beim N95 trotz Doppel-Slider-Funktion nur über den Lautstärkeregler möglich.

Im Musik-Player oder beim Video ansehen dienen die Zoomtasten gleichzeitig als Steuertasten. Hier ist als kleines Manko nur zu nennen, dass die Video-Player anderer Hersteller bereits auch die Codecs DivX und Xvid unterstützen, Nokia hingegen beschränkt sich auf die Klassiker 3GPP, H.263, H.264, MPEG4, Flash Video, RealVideo 7,8,9/10 und WMV; bei den Audioformaten werden alle gängigen Abspielformate unterstützt.

Auf den ersten Blick: Gelungene Aufnahmen

Vergleichsbild: Nokia N86 und Sony H5
Foto: teltarif.de
Zum Vergleich wählen wir die DSC-H5 von Sony, eine Bridge-Kamera mit einer Auflösung von 7 Megapixel und 12-fachem optischen Zoom. Wie nebenstehendes Foto zeigt, unterscheiden sich die Aufnahmen bei niedriger Auflösung nur marginal im Farbton; dieses ist bei Digitalkameras durchaus üblich. Die Farben werden brillant abgebildet, die Blume ensprechend der gewünschten Aufnahme im Makro-Modus richtig fokussiert.

Auf den Foto-Abzügen im Format 10 mal 15 Zentimeter, die wir testweise bestellt haben, war nicht zu erkennen, dass wir die Bilder mit einer Handykamera geschossen hatten. Das hat uns beeindruckt.

Im Detail: Die acht Megapixel kommen nicht zur Geltung

Nokia N86 bei mittlerer Zoomstufe Sony DSC-H5 bei mittlerer Zoomstufe Um beurteilen zu können, was der Nutzer von den vielen Millionen Pixeln der Kamera des N86 8MP wirklich hat, gehen wir nun in die Tiefe und zoomen über einen Zwischenschritt auf 100 Prozent, so dass am Schluss ein Kamerapixel genau einem Bildschirmpixel entspricht. Solche Zooms sind für die allermeisten Bildbetrachtungsprogramme und erst recht für Bildbearbeitungssoftware kein Problem. Sie sind etwa dann nützlich, wenn man nicht näher an das fotografierte Objekt herantreten konnte und die Handy-Kamera mangels optischem Zoom viel belangloses Drumherum mit aufgenommen hat.

Gerade bei solchen nachträglichen Zooms spielt ein hochauflösender Sensor grundsätzlich seine Stärken aus. Schließlich reichen bereits 0,5 bis 1,0 Million Pixel für ein ansehnliches Foto. Selbst Full HD, die Auflösungsgrenze der derzeit üblichen Displays, Nokia N86 bei 100 Prozent Sony DSC-H5 bei 100 Prozent kommt nur auf knapp 2,1 Millionen Pixel. Entsprechend hat man hohe Reserven für nachträgliche Ausschnitts-vergrößerungen, wenn der Sensor das Vielfache davon aufgezeichnet hat.

Doch hier nun die Enttäuschung: Schon bei mittlerer Zoomstufe hinterlässt der Ausschnitt aus dem Bild des Nokia N86 8MP einen viel schlechteren Eindruck wie derselbe Ausschnitt bei der Sony DSC-H5. Geht man auf 100 Prozent, liegen Welten zwischen den Bildern: Bei der Sony-Kamera (rechts) sieht man feine Zeichnungen auf einem Blütenblatt, bei der Handy-Kamera hingegen ein undefiniertes Etwas, das an eine weiß belegte scharlachrote Zunge erinnert.

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Der Grund für das Desaster dürfte an der umfangreichen Bildnachbearbeitung durch die Firmware des Nokia liegen. Diese Nachbearbeitung ist aber nötig, um überhaupt brauchbare Bilder zu liefern. Andernfalls würden alle Details im starken Rauschen des Mini-Sensors hinter einer Mini-Linse untergehen. Im konkreten Fall überhöht diese Bildnachbearbeitung die Kontraste maßlos und vernichtet dadurch die feine Zeichnung des Blütenblatts. Die viel ältere und auch noch günstigere Sony-Kamera kommt dank viel größerer Optik somit zu deutlich besseren Ergebnissen. Auch deren aktuelle Nachfolger, die wahrscheinlich noch bessere Fotos schießen, sind günstiger zu haben als das N86. Wer auf eine wirklich hohe Auflösung Wert legt, kommt somit nicht an einer klassischen Digitalkamera mit möglichst großem Sensor vorbei.

Der Dual-LED-Blitz schafft viel Helligkeit, beim Fotografieren von Personen im Portrait vielleicht etwas zu viel, auch hier ist aber zu sagen, dass auch bei klassischen Digitalkameras die Aufnahme durch einen Blitz überbelichtet wird. Vielleicht könnte hier ein Xenon-Blitz noch etwas Verbesserung schaffen, aber die Ergebnisse sind auch so schon akzeptabel.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie gut das Nokia N86 in puncto Ausstattung und Bedienung in unserem Test abgeschnitten hat.

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