Hintergrund

Map Reporter und Map Wiki: Nokia nutzt Community für Ovi Karten

Handy-Hersteller setzt auf lokales Wissen für Karten-Updates
Von Björn Brodersen

Das Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 wird Symbian ablösen, die Betreuung der angestammten Nokia-Plattform geht für die verbleibenden Jahre in die Hände des Technologie-Dienstleisters Accenture über, und die Marke "Ovi" für Handy- und Smartphone-Anwendungen wird durch den Schriftzug "Nokia Services" ersetzt - der finnische Handy-Hersteller Nokia befindet sich im Umbau. Jens Dissmann, Leiter des Bereichs Services Sales & Marketing bei Nokia, spricht sogar davon, dass sich der weltweite Marktführer neu erfinde. Ziel ist es, zusammen mit Microsoft ein drittes Ökosystem aus mobilen Endgeräten und Diensten neben iTunes/iOS und Android zu etablieren. Eine zentrale Bedeutung bei der Aufholjagd des angeschlagenen Konzerns sollen die Karten- und Routenführungsdienste einnehmen.

Handy-Dienste: Nokia bindet Entwickler und die Community ein Bild: Nokia Nokia sieht sich nicht nur als Marktführer beim Absatz von Mobiltelefonen, sondern auch bei der mobilen Navigation. Das eigene Karten- und Routenführungsangebot Ovi Karten - bald Nokia Karten - kann von Smartphone-Besitzern in über 211 Ländern und Gebieten kostenlos ohne bestehende Datenverbindung genutzt werden. Es leitet sowohl Autofahrer mit Sprachführung (in knapp 100 Ländern) und Live-Verkehrsinformationen ans gewünschte Ziel als auch Fußgänger über kleinere Wege, durch Parks oder durch spezielle Brücken und Tunnel. Neues Kartenmaterial können die Ovi-Karten-Nutzer inzwischen kostenfrei per WLAN aufs Symbian-Smartphone herunterladen.

Außerdem erhalten die Nutzer Angaben zu Streckenverläufen des öffentlichen Nahverkehrs und zu Points of Interest (POI) aus der Navteq-Datenbank sowie Location-Tipps anderer Nutzer aus der Places-Datenbank und können an bestimmten Orten einchecken bzw. selbst diese über Facebook, Twitter oder die VZ-Netzwerke weiterempfehlen. Und kürzlich hat Nokia zumindest die Web-Version von Ovi Karten um fotorealistische 3D-Ansichten erweitert.

Nokias Tochterfirma Navteq liefert das Basis-Kartenmaterial, auf dem Ovi Karten aufbaut. Weltweit steht Kartenmaterial zur Nutzung, das laut Nokia insgesamt 31 Millionen Kilometer an Straßen abdeckt und andere Kartenattribute wie Ampeln, Stoppzeichen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fußgängerwege, Unterführungen oder ÖPNV-Streckennetze beinhaltet. In dieses Kartenmaterial integriert Nokia seine besagte Places-Datenbank, für die das Unternehmen nicht nur mit Navteq, sondern auch mit Partnern wie Gelbe-Seiten-Anbietern, Reiseführern und Bewertungsportalen wie Lonely Planet oder Qype zusammenarbeitet. Darüber hinaus haben auch individuelle Nutzer die Möglichkeit, öffentliche oder geschäftliche Karteneinträge zu erstellen, die Nokia in seine Datenbank aufnimmt.

Mehr Komfort für Entwickler bei Symbian und Windows Phone 7

Handy-Dienste: Nokia bindet Entwickler und die Community ein Bild: Nokia In den Verhandlungen mit Microsoft setzte Nokia durch, dass neben anderen bisherigen Symbian-Diensten auch die Karten der Finnen künftig in Microsoft-Dienste integriert werden. Windows Phone 7 bietet laut Nokia mit Silverlight und Visual Studio Tools, mit denen Entwickler einfach und effektiv Applikationen kreieren können. Ab dem dritten oder vierten Quartal werden beide Unternehmen anfangen, zusammen das Ökosystem voranzutreiben. Möglicherweise werden Nokias Karten sogar Microsofts Bing Maps weitgehend ersetzen. Die Qt-Entwicklungsumgebung sorge dagegen bei Symbian für mehr Komfort für die Entwickler, Meego mit Qt-Komponente sieht Nokia dagegen als Experimentierfeld an. Nokia hatte kürzlich das Qt-Entwicklerkit 1.1 veröffentlicht, das unter http://qt.nokia.com [Link entfernt] zum kostenlosen Download bereitsteht. Noch in diesem Jahr sollen zwei unter Meego laufende Geräte herauskommen.

Nokias Einsicht dabei: Alleine schafft das Unternehmen es nicht, ein attraktives Diensteangebot zusammenzustellen und die Informationen stets aktuell zu halten. Daher will sich der Handy-Hersteller darauf konzentrieren, Nutzern, Dienste-Entwicklern und Diensteanbietern - beispielsweise Netzbetreiber, soziale Netzwerke, Medienhäuser sowie kleinere und mittlere Unternehmen, die Karten und Ortsinformationen in ihre mobilen und webbasierten Angebote einbinden möchten - die Karten-, Navigations- und Location-Informationen und -Technologien bereitzustellen.

Mit der Öffnung von Ovi Karten als Plattform steht Entwicklern und Drittanbietern jetzt eine ganze API-Familie - Ovi/Nokia Maps API, Ovi/Nokia Places API, Ovi/Nokia Maps Rendering API, Ovi/Nokia Qt Location API und Ovi/Nokia JavaME Location API - zur Verfügung, mit denen sie ihre Applikationen und Angebote um eine Karten-Funktionalität bereichern können. Die Location API ermöglichen es beispielsweise Entwicklern, Ovi Karten auf einfache Weise plattformübergreifend in ihre Dienste und Anwendungen einzubinden - sowohl in Webseiten, in mobile und PC-Browser als auch in native mobile Applikationen. Mit den Ovi Maps API werden Entwickler dagegen in die Lage versetzt, HTML5-basierte Apps zu entwickeln, die in einer Browser-Umgebung funktionieren. Und JavaME API können auf jeder Java-fähigen Plattform eingesetzt werden.

Auf der folgenden Seite unseres Hintergrundartikels lesen Sie, wie Nutzer selbst an Ovi Karten mitarbeiten und welche Daten sie an den Kartenanbieter übermitteln.

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