Das fünfäugige Handy

Nokia 9 PureView im Test: Das Handy mit den fünf Augen

Die Mehrfeldkamera des Nokia 9 PureView ist einzigartig. Aber ist sie auch gut? Das, und was das Handy sonst noch so kann, verrät unser Test.
Von Wolfgang Korne

Das Nokia 9 Pure­View ist ein Android One Handy und damit eines für Puristen. Es kommt mit einem unver­än­derten Android Pie und bringt auch keine Bloat­ware mit, wie das viele Produkte der Mitbe­werber tun. Dafür muss man aber auf das eine oder andere Helfer­lein verzichten, die diese ihren Kunden andienen.

Neben der fehlenden Bloat­ware sind es vor allem die schnellen Updates, die für Android One spre­chen. So sollen beispiels­weise Sicher­heits-Updates ein Mal pro Monat ausge­lie­fert werden, und das für drei Jahre. Das Betriebs­system wird von HMD zwei Jahre auf dem neuesten Stand gehalten. Kein Gramm zu viel: Android One beschränkt die vorinstallierten Apps auf das Notwendigste. Kein Gramm zu viel: Android One beschränkt die vorinstallierten Apps auf das Notwendigste.
Bild: teltarif.de

Perfor­mance

Das Nokia Pure­View arbeitet mit einem Snap­dragon 845, dem 6 GB Arbeits­spei­cher und 128 GB Flash-Spei­cher zur Seite stehen. Davon stehen knapp 108 GB zur freien Nutzung bereit. Mit dem Snap­dragon 845 geht das Nokia 9 Pure­View noch mit der vorletzten Prozessor-Genera­tion an den Start. HMD begründet dies mit der langen Entwick­lungs­zeit des Gerätes. Der neue 855 stand einfach noch nicht zur Verfü­gung.

Das spielt im Alltag aber auch keine Rolle. Das Nokia 9 Pure­View lässt sich flüssig und ohne Ruckeln bedienen. Im Geek­bench Single Core kommt das Nokia auf 2427 Punkte, im Multi­core auf 9044 Punkte. Damit ist es sogar gering­fügig besser als das Google Pixel 3, das eben­falls mit einem Snap­dragon 845 antritt: Das Google-Handy kommt auf 2360 bezie­hungs­weise 8177 Punkte. Im Browser-Bench­mark muss sich das Nokia aber mit 201 Punkten zufrie­den­geben. Das Pixel 3 schafft hier 229 Punkte.

Als GPU werkelt ein Adreno 630, immer noch einer der derzeit schnellsten Grafik-Chips. So ist es kein Wunder, dass das Nokia 9 aktu­elle Spiele mühelos meis­tert, auch bei voller Auflö­sung. Für die Berech­nung der Kame­ra­bilder ist ein eigener Co-Prozessor zuständig, der die bis zu 240 Mega­pixel großen Bild­daten auf das Endformat von 12 Mega­pi­xeln herun­ter­rechnet. Das dauert natur­gemäß ein wenig, vor allem wenn die Tiefen­in­for­ma­tionen der ToF-Kamera hinzu­ge­fügt werden müssen. Die Berech­nung läuft aber im Hinter­grund und hat keine spür­baren Auswir­kungen auf die Bedie­nung des Gerätes.

Akku

Nokia 9 PureView

Mit 3320 mAh ist der Akku des neuen Nokia nicht unbe­dingt der größte. Im Test hielt er das Gerät 7 Stunden und 9 Minuten am Laufen. Bei normaler Nutzung sollte man damit ohne Probleme einen Arbeitstag auskommen. Aber dann muss das Nokia zurück an die Steck­dose.

Geladen wird der Akku mit einem USB-PD Lade­gerät, das 18 Watt Leis­tung liefert. Damit ist der Akku inner­halb von 30 Minuten wieder auf der halben Kapa­zität, Voll­tanken dauert rund 2 Stunden. Wer möchte, kann das Nokia 9 auch schnurlos mit einem Qi-kompa­ti­blen Ladepad aufladen.

Der Akku fällt unter die 2-Jahres-Garantie, die der Hersteller für das gesamte Gerät gewährt. Dies gilt aber nicht für das Lade­gerät. Für dieses gibt es, wie für Headset und USB-Kabel auch, nur eine 6-mona­tige Garantie.

Konnek­ti­vität

In Sachen Konnek­ti­vität entspricht das Nokia seiner Preis­klasse. NFC, Blue­tooth 5.0 WLAN ac und LTE Cat.16 sind einem Spit­zen­mo­dell würdig. Leider hat Nokia auch den Trend mitge­macht, wonach Top-Modelle keine Klin­ken­buchse mehr notwendig haben. Statt­dessen gibt es einen USB-Adapter, der aber ziem­lich lästig ist und oben­drein leicht zu verlieren.

Die WLAN-Funk­tion zeigt im Alltag stabile Verbin­dungen, der Daten­durch­satz gibt keinen Grund zur Kritik. Lob verdient auch die Ortungs­ein­heit. Sie unter­stützt die Systeme GPS, Galileo, GLONASS und Beidou und arbeitet sehr präzise. Mit der passenden App sind auch Gelän­de­touren kein Problem. Unten: Mikrofon, USB-C und Lautsprecher, keine Klinke Unten: Mikrofon, USB-C und Lautsprecher, keine Klinke
Bild: teltarif.de

Klang

Der Klang beim Tele­fo­nieren ist durchaus gut. Die Stimmen klingen voll und rund und sind auf beiden Seiten gut verständ­lich. Der Mono-Laut­spre­cher ist eher ein Party-Laut­spre­cher: Er ist vor allem laut. Als Frei­spre­cher lässt er Stimmen bisweilen ein wenig blechern klingen. Der Klang über einen guten Kopf­hörer hingegen kann sich wirk­lich hören lassen. Das Nokia 9 ist in dieser Hinsicht ein wirk­lich guter Begleiter für Musik­freunde.

Auf der nächsten Seite gehen wir ausführ­lich auf die Kameras ein und ziehen ein Fazit.

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