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Nokia 8 im Test: Noch nicht ganz Oberklasse

Nokia wagt mit dem Nokia 8 den Angriff auf die Android-Oberklasse: Doch bei Kamera und Display kann es noch nicht ganz mithalten
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Der einstmals unangefochtene Handy- und Symbian-Smartphone-Marktführer Nokia hat nach der Vorstellung des iPhone von Apple gleich zwei fundamentale Fehler gemacht, infolge derer sie komplett vom Markt verschwunden waren: Erst verschliefen sie die Umstellung von Tasten zu Touch-Bedienung beim hauseigenen Betriebssystem Symbian, dann setzten Sie auf die Kooperation mit Microsoft und deren Betriebssystem Windows Phone bzw. Windows Mobile, das jedoch bei den Kunden nicht ankam. In Kooperation mit dem finnischen Hersteller HMD Global wagen sie nun den Neuanfang: Die Entwicklung erfolgt in Kooperation, die Produktion in China.

Der Homescreen des Nokia 8Der Homescreen des Nokia 8 Zum Start der Kooperation erschienen Geräte im unteren und mittleren Preissegment wie das Nokia 3 und das Nokia 6. Mit dem Nokia 8 sollen nun die "Flaggschiffe" wie das Galaxy S8 von Samsung oder die kommenden Geräte von Apple angegriffen werden. Doch das gelingt nur teilweise. Lesen Sie im Test, warum das Nokia 8 noch nicht ganz mithalten kann.

Nokia 8: Konventionelles Display

Blickwinkelabhängigkeit beim Nokia 8
Blickwinkelabhängigkeit beim Nokia 8: Aus flachem Winkel ist das Display viel dunkler als bei direkter Draufsicht.
Die Papierform des IPS-Displays des Nokia 8 ist beeindruckend: Quad HD, 1440 mal 2560 Pixel, 5,3 Zoll Diagonale, 554 Pixel pro Inch. So scharf sieht kein Auge. Die gemessene Helligkeit von 540 cd/m² ist ausreichend, um auch bei starker Sonneneinstrahlung das Display noch ablesen zu können. Der Kontrast von 1275:1 liegt ebenso wie der ΔE-Wert von 5,04 für die Farbabweichungen im guten Bereich. Doch die Enttäuschung kommt beim Blickwinkel-Test: Schaut man nicht direkt von vorne, sondern seitlich auf das Display, nimmt die Helligkeit schon bei vergleichsweise kleinem Winkel erheblich ab. Hat man das Gerät - zum Beispiel zum Tippen von Nachrichten - vor sich auf dem Tisch liegen und schaut entsprechend unter einem Winkel von ca. 45° auf das Display, regelt man schon im Zimmer die Display-Leuchtstärke auf das Maximum, um es noch gut ablesen zu können. Das können selbst viele Mittelklasse-Smartphones deutlich besser!

CIE Diagramm des Nokia 8
Das CIE-Diagramm zeigt die ordentliche Farbdarstellung beim Nokia 8
Man kann sich streiten, ob Samsungs quasi randloses Edge-Display von Galaxy S8 und Galaxy Note 8 der Weisheit letzter Schluss ist. Doch anderseits gilt auch: So viel Abstand, wie zwischen dem Display und dem Rand des Nokia 8 verbleibt, ist in der Oberklasse nicht mehr zeitgemäß. Je ein bis zwei Millimeter weniger links und rechts und fünf Millimeter weniger oben und unten wären hier mehr gewesen, die die Einhand-Bedienung des Geräts erleichtern und auch dafür sorgen, dass es besser in die Tasche passt.

Geschützt wird das Display des Nokia 8 von Corning Gorilla Glass 5. Das ist wohl das bisher bruchfesteste Glas aus dem Hause Corning. Leider ist das Gorilla Glass 5 nach der bisherigen Erfahrung der teltarif.de-Redaktion aber wieder anfälliger für Kratzer als die Vorgänger. Und je mehr Kratzer das Frontglas sammelt, desto höher steigt die Gefahr, dass es bei einem Sturz doch bricht. Eine Displayschutzfolie oder ein zusätzliches Displayschutzglas ist daher für das Nokia 8 sicher eine sinnvolle Investition.

Verschwindende Tasten, guter Fingerabdruck-Sensor

Die Unterkante des Nokia 8
Die Unterkante des Nokia 8: Fingerabdrucksensor, Back-Button, App-Listen-Button und USB-C-Connector
Für die Bedienung stellt das Nokia 8 am unteren Geräterand die bei Android-Geräten dieser Klasse üblichen Tasten bereit: Links und rechts zwei Schaltflächen für "Zurück" und "App-Liste", sowie dazwischen den Home-Button mit integriertem Fingerabdrucksensor. Die Schaltflächen sind mit den üblichen Symbolen versehen, werden aber immer nur nach Eingaben kurz beleuchtet und sind daher sonst, je nach Umgebungslicht, mehr oder weniger unsichtbar. Sie sind aber auch im dunklen Zustand sensitiv. Auch, wenn man von anderen Geräten möglicherweise ein anderes Verhalten der Navigationsleiste gewohnt ist: Die Umgewöhnung dauert nicht lange.

Der Fingerabdrucksensor im Home-Button reagiert schnell und zuverlässig, und zwar auch dann, wenn man den Finger aus einer anderen Richtung auflegt als beim Training des Sensors. Mit einmal Fingerauflegen kann man das Gerät gleichzeitig einschalten und entsperren. Dem Autoren gefallen zwar Fingerabdrucksensoren auf der Rückseite mittig, also da, wo beispielsweise Huawei sie anbringt, etwas besser als auf der Vorderseite. Denn mit dem rückseitigen Sensor kann man das Gerät sofort beim in-die-Hand-nehmen entsperren, ohne eine zusätzliche Bewegung machen zu müssen. Dafür ist der Sensor auf der Vorderseite praktischer, wenn das Gerät auf dem Schreibtisch liegt und man es entsperren will, ohne es gleich in die Hand nehmen zu müssen. Nachdem unterschiedliche Anwender unterschiedliche Vorlieben bezüglich der Position des Fingerabdrucksensors haben, stellt sich die Frage, warum in Top-Geräte wie dem Nokia 8 nicht gleich zwei eingebaut werden: Einer vorne und einer hinten.

Über andere moderne Biometrie-Sensoren verfügt das Nokia 8 nicht. Insbesondere gibt es keinen Iris-Scanner.

Am rechten Rand befinden sich noch die Lautstärkewippe und der Ein-/Ausschalter in der üblichen Anordnung. Diese Tasten funktionieren gut. Dankenswerterweise verzichtet Nokia auf zusätzliche Tasten, um herstellerspezifische Dienste wie Bixby zu starten. Natürlich kann der Google-Sprachassistent "ok google" auch auf dem Nokia 8 verwendet werden, sogar als Entsperrmethode, die freilich noch unsicherer ist als der Fingerabdruck-Scanner.

Solides Gehäuse, aber nicht wasserdicht

Die Rückseite des Nokia 8
Die Rückseite des Nokia 8
Das Nokia 8 wirkt trotz seines großen Gehäuses und der sehr dünnen Bauform sehr stabil. Hier machen sich das harte Gorilla-5-Glas sowie das aus einem Unibody gefräste Aluminium-Gehäuse positiv bemerkbar. Die Übergänge zwischen den einzelnen Komponenten sind sehr präzise und angenehm glatt. So wirkt das Nokia 8 fast so, als ob es aus einem Guss wäre.

Wenn man sie ausreichend putzt, glänzt die Rückseite richtig. Aber sie sammelt auch schnell Schmutz und - schlimmer - kleine Kratzer. Daher empfiehlt es sich, das Nokia 8 von Anfang an mit einer Handy-Hülle zu schützen. Angesichts der sehr dünnen Bauform des Nokia 8 wird das Gerät auch mit Hülle und Schutzfolie nicht zu dick. Zusätzlich schützt eine solche Hülle auch die Kamera, die zwar nur wenig aus der Rückseite hervorragt, aber genug, um beim Ablegen auf dem Tisch immer die exponierte Stelle zu sein und damit sonst die meisten Kratzer abzukriegen.

Anders als die Konkurrenz von Apple und Samsung, die ihre aktuellen Top-Smartphones nach Schutzklasse IP67 bzw. IP68 als staub- und wasserdicht ausweisen, ist das Nokia 8 nur nach IP54 zertifiziert. Damit ist es zwar gegen allseitiges Spritzwasser geschützt, bietet aber keine Sicherheit gegen Eindringen von Wasser bei vorübergehendem oder gar dauerhaftem Eintauchen. Wir verzichten daher auf den Unterwasser-Test beim Nokia 8 und empfehlen Nokia, auch hier bis zum nächsten Release auf die Konkurrenz aufzuschließen.

Bei Wasserdichtigkeit, Biometrie-Sensoren und Display kann das Nokia 8 nur teilweise mit der Konkurrenz mithalten. Doch wie sieht es mit den inneren Werten aus? Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie gut das Nokia 8 mit Prozessor, Betriebssystem und Speicher ausgestattet ist.

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