Schicker Finne

Nokia 7 Plus: Erfahrungsbericht zum Kupfer-Smartphone

Das Nokia 7 plus begleitet uns seit rund einer Woche im Alltag. Die Steckdose mussten wir während dieser Zeit nur selten aufsuchen. Die Kamera leistet gute Arbeit, hat aber noch Luft nach oben.
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Auf dem MWC 2018 überraschte HMD Global mit einer ganzen Armada an neuen Mobilgeräten, darunter das Nokia 7 Plus. Eigentlich hätte man diesem Modell auch eine andere Bezeichnung geben können, denn mit dem – hierzulande nicht veröffentlichten – Nokia 7 hat die Plus-Ausführung kaum etwas gemein. Das ist durchaus im positiven Sinne zu verstehen, denn das aktuelle Mittelklasse-Smartphone begeistert mit einer deutlich besseren Ausstattung. Beispielsweise das 6-Zoll-Display (Full HD+), die Dual-Kamera und das SoC Snapdragon 660. Wir haben das Nokia 7 Plus rund eine Woche im Alltag ausprobiert und schildern unsere Eindrücke.

Nokia 7 Plus – Mittelklasse mit Stil

Das Nokia 7 plus kommt im außergewöhnlichen Kupfer-Design daher
Das Nokia 7 plus kommt im außergewöhnlichen Kupfer-Design daher
In den vergangenen Jahren hatte man als Smartphone-Fan das Gefühl, dass den Herstellern in puncto Design kaum etwas Neues einfällt. Notch hier, glänzende Rückseiten da, die Handys unterscheiden sich teils nur noch wenig. Mit dem Nokia 7 Plus kommt etwas frischer Wind in die Aufmachung der Mobilgeräte. Zwar setzt auch HMD Global auf ein 18:9-Bildschirmformat, verweigert bei seinem Mittelklasse-Telefon aber den Trend hin zur Display-Kerbe. Außerdem hebt sich das 7 Plus durch seine raffinierten kupferfarbenen Elemente gekonnt aus der Breite der Masse hervor. Eine Zierleiste um den Bildschirm, der seitliche Rahmen, die Einfassung des Fingerabdrucksensors, die Kanten des Kamerabuckels und der Nokia-Schriftzug – alle glänzen im Kupfer-Look. Auf der Verpackung des Nokia 7 Plus sind zwei Hände und ein Hintergrund zu erkennen, die farblich auf das Handy-Design abgestimmt wurden. Ansonsten dominiert Weiß die quadratische Schachtel. Apropos Weiß: das HMD-Smartphone gibt es zwar auch in dieser Farbe, wir haben uns aber für die schwarze Ausführung entschieden.

Hier nun die wichtigsten Spezifikationen:

  • 6 Zoll IPS-Display (18:9) mit 2160 mal 1080 Pixel
  • Qualcomm Snapdragon 660 Octa-Core-Prozessor
  • 4 GB RAM / 64 GB Flash-Speicher (aufrüstbar via microSD-Karte)
  • 12-Megapixel-Hauptkamera, 13-Megapixel-Tele-Kamera
  • Selfie-Kamera mit 16 Megapixel
  • Android 8.0 Oreo
  • fest verbauter Akku mit 3800 mAh
  • LTE Cat. 6, Dual-SIM, WLAN 802.11 ac, Bluetooth 5.0
  • USB Typ C (2.0), 3,5 mm Klinke, GPS, Fingerabdrucksensor

Alle weiteren Daten des Nokia 7 Plus finden Sie in unserer Handy-Datenbank.

Ausstattung des Nokia 7 Plus

Die matte Rückseite zieht Fingerabdrücke an
Die matte Rückseite zieht Fingerabdrücke an
HMD Global stattet seit der Wiedereinführung der finnischen Marke seine Smartphones stets mit einer fairen Hardware zum jeweiligen Kostenfaktor aus. Das Nokia 7 Plus bewegt sich im Bereich der gehobenen Mittelklasse. Der verbaute Chipsatz Qualcomm Snapdragon 660 bietet eine Leistung, die beinahe an die letztjährigen Highend-SoCs herankommt. Acht Kerne mit neuartiger Kyro-260-Architektur, eine maximale Taktrate von 2,2 GHz des Performance-Clusters und die GPU Adreno 512 sind ein nettes Gesamtpaket. Die 4 GB an RAM sorgen für Multitasking ohne Frust und die 64 GB an Flash-Speicher können bei Bedarf via microSD erweitert werden. Übrigens: ab Werk sind etwa 47 GB frei, nach dem Update von Android 8.0 auf Android 8.1 wurde der verfügbare Datenplatz auf knapp 49 GB erhöht.

Das Nokia 7 Plus bietet als Highlight einen optischen Zweifach-Zoom, der durch das zusätzliche Tele-Objektiv realisiert wird. Während die Blende des Standard-Objektivs mit f/1.75 recht lichtstark ist, ist der Wert der Tele-Einheit mit f/2.6 eher zweckmäßig. Die Selfie-Knipse wartet zwar mit f/2.0 auf, lässt aber einen Autofokus vermissen. Beeindruckend: trotz einer Dicke von 8 mm (abseits des Kamerabuckels) konnte ein 3800 mAh umfassender Akku verbaut werden. Ein weiteres Kaufargument für das Nokia 7 Plus findet sich bei der Software wieder. Es handelt sich um ein Android-One-Smartphone, das heißt, dass zügige Updates und ein Upgrade bis zu Android Q garantiert sind. Der 6-Zoll-Bildschirm bietet eine ausreichende Full-HD+-Auflösung.

Akkuleistung des Nokia 7 Plus

Die Kombination aus 3800 mAh großem Akku und stromsparendem Stock-Android zahlt sich aus. Im Alltag musste das Nokia-Handy lediglich alle zwei Tage an die Steckdose – und das bei intensiver Nutzung. Wir erreichten einen Höchstwert von knapp 56 Stunden Standby. Dabei hatten wir die Displayhelligkeit auf 84 Prozent eingestellt und alle Funkverbindungen aktiv. Das 7 Plus gestattete uns mit einer Akkuladung den Bildschirm 5 Stunden und 20 Minuten zu nutzen, wobei wir vor allem den Chrome-Browser, die Telefonie und die Kamera in Anspruch nahmen, aber auch YouTube und diverse Apps austesteten. „Ein Mobiltelefon, auf das du dich verlassen kannst“, wirbt HMD Global – und in der Tat, dem Nokia 7 Plus geht nicht so schnell die Puste aus. Wer das Smartphone gemäßigt nutzt, wird vermutlich vier bis fünf Tage Bereitschaftszeit erreichen. Dank Schnelllademechanismus benötigt die aufladbare Batterie lediglich eineinhalb Stunden, bis sie wieder bei 100 Prozent ankommt. Ein passendes Schnellladegerät liegt diesem Handy bei. Das ist keine Selbstverständlichkeit heutzutage.

Verarbeitung und Telefonie

Seitenansicht des Nokia 7 plus
Seitenansicht des Nokia 7 plus
HMD Global wirft auf der Produktseite mit Superlativen um sich und schildert die aufwendige Herstellung des Gehäuses. Zum Großteil konnte uns die Hülle des Nokia 7 Plus auch überzeugen. Das mit Gorilla Glass 3 geschützte Display hat eine Fett abweisende Beschichtung, durch die sich Fingerabdrücke nur selten verewigen. Bei der Rückseite ist aber das Gegenteil der Fall. Die an Keramik angelehnte Textur fühlt sich zwar hochwertig an, nimmt aber schnell Schmutz und Fett auf. Das Putztuch muss bei diesem Smartphone also häufiger gezückt werden. Zudem wirkt der Übergang zur geschliffenen Kante, die vom kupfernen Rand zum Display führt, leicht scharf. Allzu sehr macht sich das nicht bei der Bedienung bemerkbar, trotzdem hätten wir uns hier mehr Feinarbeit gewünscht. Der Aluminium-Rahmen und die Bedienelemente (Lautstärkewippe / Ein-/Ausschalter) sind haptisch jedoch einwandfrei. Die allgemeine Haptik und das Gewicht des 7 Plus sind trotz der Kritikpunkte ziemlich gut. Außerdem wirkt das Smartphone äußerst robust, es knarzt an keiner Stelle, ungleichmäßige Spaltmaße gibt es nicht.

Telefonieren kann man mit diesem Phablet selbstredend auch. Die Klangqualität hat uns bei den geführten Gesprächen begeistert, die Übertragung ist angenehm laut, klar und äußerst rauscharm. Auch unser Gegenüber hatte keine Ver­ständigungs­probleme. Wir testeten die Telefonie im Netz der Deutschen Telekom. Die Geschwindigkeit und der Empfang via LTE und WLAN gehen in Ordnung, beides haben wir aber schon besser gesehen.

Performance des Nokia 7 Plus

Die Kameras des Nokia 7 plus stammen von ZEISS
Die Kameras des Nokia 7 plus stammen von ZEISS
Eine (im Vergleich zu manchen Highend-Smartphones) nicht allzu hohe Displayauflösung und ein unmodifiziertes Android-Betriebssystem entlasten den Chipsatz Snapdragon 660. Wir kamen auf 139 529 Punkte in AnTuTu 7.0.8 – nah dran an den 156 995 Zählern unseres Samsung Galaxy S8. Am meisten Federn muss das SoC hinsichtlich der Grafikperformance lassen. Dennoch reicht die Geschwindigkeit für einen Großteil der 3D-Mobile-Games aus. Die reine CPU-Leistung des Nokia 7 Plus ist laut Geekbench 4 auf einem hohen Niveau. Es wurden 1636 Punkte im Single- und 5791 Punkte im Multi-Core-Test festgehalten. Zum Vergleich: das Galaxy S8 kaum auf einen Wert von 2010 respektive 6737 Punkte.

Bei der täglichen Benutzung reagiert das 7 Plus fix, es gibt kein Ruckeln, weder auf dem Homescreen, noch in den Menüs oder Anwendungen. Der Bildschirm des 400-Euro-Produkts bietet ebenfalls keinen Grund zum Tadel. Die maximale Helligkeit ist sehr gut, der Schwarzwert erinnert fast an ein OLED-Panel, die Blickwinkel sind äußerst stabil und die Farben knackig, ohne künstlich zu wirken.

Die Kameras des Nokia 7 Plus

Kommen wir nun endlich zu dem Punkt, der die meisten Leser interessieren dürfte: die Kameras. Wirkt sich die Zusammenarbeit mit dem deutschen Optik-Spezialisten ZEISS positiv auf die Bilder aus? Die Eckdaten der rückseitigen Hauptkamera klingen vielversprechend: 12 Megapixel, Blende f/1.75 und 1,4 Mikrometer große Pixel. Ergänzend gibt es eine Optik mit 13  Megapixel, Blende f/2.6 und 1 Mikrometer große Pixel mit längerer Brennweite. Die Bildqualität der 12-Megapixel-Knipse bewegt sich auf einem guten Niveau.

Mit der Standard-Kamera aufgenommenes Foto
Mit der Standard-Kamera aufgenommenes Foto
Details werden zuverlässig eingefangen, die Auslöseverzögerung ist kurz, die Fokussierung angenehm schnell. Der Weißabgleich verrichtet seinen Job zudem außerordentlich gut. Rätsel hinsichtlich der Schärfe gibt uns allerdings die Software auf. Manche Objekte werden unnatürlich nachgeschärft, andere Areale hingegen ausgewaschen. Letzteres ist eigentlich die Charakteristik einer Rauschunterdrückung, bedingt durch das gute Licht bei unseren Schnappschüssen gab es aber kaum Anlass für einen solchen Eingriff.
Mit der Tele-Kamera aufgenommenes Foto
Mit der Tele-Kamera aufgenommenes Foto
Der optische Zoom bietet jedoch einen Mehrwert, den man nicht mehr missen möchte. Zwar ist die Lichtempfindlichkeit mittelprächtig, davon abgesehen teilt sich die zweite Kamera die positiven (und negativen) Eigenschaften der Hauptkamera. Selfies mit der 16-Megapixel-Einheit können recht ordentlich werden – sofern man diese scharf bekommt. Hier macht sich der fehlende Autofokus bemerkbar.

Fazit zum Nokia 7 Plus

Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist das Nokia 7 Plus ab 364 Euro erhältlich, die UVP liegt bei 399 Euro. Wir finden, dass dies gemessen an der Ausstattung ein faires Angebot ist. Das 7 Plus verfügt über ein schickes Design, ein tolles Display und eine herausragende Ausdauer. Die Performance ist ebenfalls auf einem hohen Niveau. Lediglich die Kamera-Software benötigt noch Feinschliff, die Fotos sind meist gut, aber sie könnten noch besser sein. Das etwas zu kantige Gehäuse und die leicht verschmutzende Rückseite sind hingegen schade. Wen diese Eigenheiten nicht stören, erhält mit dem Nokia 7 Plus einen treuen Smartphone-Begleiter mit vorbildlichem Update-Support. Das gleich teure Galaxy A6+ kann bei der Ausstattung nicht mithalten.

Wenn Sie circa 35 Euro mehr investieren, erhalten Sie mit dem Honor 10 aber ein nochmals leistungsfähigeres Mobilgerät. Welche ersten Eindrücke das Honor 10 bei uns hinterlassen hat, lesen Sie im Hands-on des Honor 10.

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