Retro-Test

Retro-Test: Musik- und SMS-Handy Nokia 5510

Musik und Spiele immer mit dabei? Diese Idee steckte hinter dem Nokia 5510 von 2001/2002. Der Vorläufer der N-Gage-Serie verzichtete aber auf ein Steuerkreuz und war auch nicht die Ausgeburt guter Verarbeitung. Kult ist das Handy trotzdem.

Was Nokia-Handys der damaligen Zeit auszeichnete, war die eingängige Bedienung. Ähnlich wie beim Erfolgsmodel 3210 setzt Nokia auch beim 5510 auf eine Zwei-Wege-Taste sowie den Bestätigen-Button, zentral unter dem Display. Beim 5510 erweist sich diese Wahl aber als nicht ganz gelungen. Warum? Das Handy soll, neben Telefon und SMS-Maschine, auch zum Spielen herhalten, und hier wäre eine Vier-Wege-Taste deutlich komfortabler. Denn selbst das eingebaute Spiel Snake, das über Jahre auf Nokia-Geräten vorinstalliert war, spielt sich auf dem 5510 eher schwerfällig - vor allem, weil die Zifferntasten nicht, wie etwa beim 3210, fürs Spielen taugen. Bei Snake muss die Schlange so mit den Tasten 7, Z, I und J, die ein Viereck bilden, bewegt werden. Das fällt auf Dauer schwer, auch weil die Tasten selbst eher klein geraten sind.

Den vollen Vorteil schöpft die Tastatur aber beim SMS-Schreiben aus. Wohl auch aufgrund der Tastatur ermöglicht das 5510 das Versenden von langen Mitteilungen, bis zur dreifachen SMS-Länge ist dies möglich. Auch ein SMS-Chat, der entfernt wie eine ganz frühe Version von Messenger-Programmen aussieht, ist integriert. Einen eigenen SMS-Speicher hat Nokia aber nicht verbaut, die Nachrichten werden auf der SIM-Karte abgelegt - entsprechend ist die Anzahl sehr begrenzt.

Nokia 5510: Viele kleine Tasten Nokia 5510: Viele kleine Tasten
Bild: teltarif.de
Durch die teilweise mehrfache Tastenbelegung stehen auch Satz- und Sonderzeichen über eine ALT-Taste zur Verfügung. Etwas gewöhnungsbedürftig ist lediglich, dass die Leertaste nur links vom Display sitzt, ein Abstand lässt sich also nur über die linke Seite einfügen. Da zuckt doch manchmal der rechte Daumen und sucht die nicht vorhandene zweite Leertaste. Im SMS-Menü zeigt die Option "Bildmitteilungen" ein Phänomen, das ab dem Jahr 2001 begann, populär zu werden: Displaylogos. Und ein Blick in Töne/Klänge verrät, dass neben den 35 vorinstallierten Klingeltönen sieben Speicherplätze für eigene Downloads frei sind. Mit Geräten wie dem 5510 begann daher auch der Siegeszug von Anbietern wie Jamba.

Mobiles Internet gibt's nur eingeschränkt

Etwas tiefer im 15-gliedrigen Hauptmenü findet sich der Eintrag Musik, der sowohl den MP3-Player als auch das UKW-Radio des Nokia 5510 beinhaltet. Auch eine Option zur Aufnahme von Musik über den Klinkeneingang an der Seit, also direkt von CD über eine Stereoanlage, steht zur Verfügung. Der MP3-Player kann auf einen eingebauten Speicherplatz von 64 MB zurückgreifen, bei niedriger Codierung passt somit eine Stunde Musik aufs 5510. Das reine MP3-Format akzeptiert das Gerät aber nicht: Zunächst müssen MP3-Dateien mit dem auf CD beiliegenden Nokia Audio Manager ins AAC-Format konvertiert und dann übertragen werden. Einfaches Kopieren ist, obwohl das Handy als Laufwerk angezeigt wird, nicht drin. Eine Speicherkarte gibt es nicht.

Ein Spiel, das auch heute noch eng mit Nokia verbunden wird, wurde bereits genannt: Snake. Als Snake II findet es sich auch auf dem 5510 wieder, neben den weiteren Spielen Space Impact, Bumper, Bantumi und Pairs II. Der Download von Spielen ist noch nicht vorgesehen. Als weitere Funktionen bringt das 5510 auch noch einen Taschenrechner, eine Erinnerungsmöglichkeit für Termine sowie Profile mit, die sich auch personalisieren lassen - von Laut bis Lautlos. Der WAP-Browser des Handys kann, heute kaum mehr auffindbar, für das WAP-Protokoll erstellte Internetseiten anzeigen. Da das 5510 aber nicht über den Paketdatendienst GPRS verfügt, muss die Einwahl klassisch über GSM erfolgen.

Gut dagegen, da können heute kaum noch mobile Geräte mithalten, die Standbyzeit von 260 Stunden (Herstellerangabe). Selbst heute hält der weit über zehn Jahre alte Akku bei regelmäßigem Gebrauch noch rund vier Tage durch. Und aus einem ganz anderen Grund ist das Nokia 5510 eine echte Rarität: Unter dem Akku verbirgt sich die Information "Made in Germany".

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