Kult-Handy

Nokia 3310 im Test: Gutes Retro-Telefon - aber wer braucht es?

Das neue Nokia 3310 soll Retro-Gefühle wecken. Das tut es auch - solange man damit nur telefoniert und simst. Im Test erlebten wir allerdings einen Reinfall, als wir die restlichen Funktionen nutzen wollten.
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Rund um die Wiedereinführung des Nokia 3310 durch HMD, den neuen Lizenznehmer der Gerätemarke Nokia, hat sich ein regelrechter Retro-Hype entwickelt. Ohne Frage: Alte Nokia-Handys erfreuen sich bei Wenigtelefonierern nach wie vor einer gewissen Beliebtheit, denn sie sind einfach zu bedienen, haben eine gute Sprachqualität - und der Akku hält meist länger als bei jedem Smartphone.

Nachdem wir nun ein neues Nokia 3310 zum Test erhalten sowie ausgepackt und eingerichtet hatten, stellten wir uns die Frage: Kann HMD mit dem neuen Nokia 3310 wirklich an die Erfolge der alten Nokia-Handys anknüpfen? Und was erhält der Käufer für den Verkaufspreis von rund 60 Euro?

Nokia 3310 im Test
Nokia 3310 im Test

Gehäuse, Haptik, Verarbeitung und Display

Nokia 3310 (2017)
Bei einem genaueren Blick auf das Nokia 3310 müssen wir feststellen, dass es - wie schon auf dem MWC festgestellt - nicht so gut verarbeitet ist wie die alten Nokia-Handys. Der Deckel lässt sich zwar gut abnehmen und wieder aufsetzen, wirklich perfekt sitzt er aber nicht. Auf allen vier Schmalseiten sind Spaltmaße zu sehen.

Versucht man, das Gehäuse zu drücken oder zu biegen, hört man zwar kein lautes Knacken, aber immerhin ein leises Knistern. Von der Form her ist das Nokia 3310 sehr filigran und liegt eigentlich gut in der Hand. Nicht so gut gefällt uns allerdings die glänzende Oberfläche. Die meisten Nokia-Handys der 3xxx-er und 6xxx-er Serie hatten zwar genau diese Form, aber eine matte und deutlich griffigere Oberfläche.

Tastatur: Guter Druckpunkt, schlechte Beleuchtung
Tastatur: Guter Druckpunkt, schlechte Beleuchtung
Dies hat zwei negative Auswirkungen: Zum einen liegt das Handy nicht ganz rutschsicher in der Hand, für eine weitere Neuauflage würden wir dringend ein mattes, etwas angerautes Gehäuse empfehlen. Und zum anderen ist das Handy schon nach wenigen Minuten Nutzungszeit mit Fingerabdrücken übersät, selbst wenn man keine ausgeprägten Schweißhände hat.

Das Display ist gut lesbar, solange man sich im klassischen Handy-Menü bewegt, auch bei direkter Sonneneinstrahlung hatten wir keine Probleme mit der Lesbarkeit. In den Apps sind die Schriftarten dann allerdings mitunter recht klein und von sehbehinderten Personen nur schwer zu entziffern.

App-Menü des Nokia 3310
App-Menü des Nokia 3310

Anschlüsse, Tasten und Bedienung

Das Äußere des Handys bietet ansonsten wenig Spektakuläres: Auf der oberen Schmalseite ist der Micro-USB-Anschluss, auf der unteren Schmalseite der Klinkenanschluss - also genau umgekehrt wie bei den alten Nokias. Auf der Rückseite liegt das Kameramodul mit dem Blitz, darüber die Lautsprecheröffnung.

Gut gefallen hat uns die Tastatur des Nokia 3310 - diese ist qualitativ mit den alten Nokias vergleichbar. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt und wirken nicht so, also ob sie bereits nach ein paar Monaten ausgeleiert sein werden. Die Tastenanordnung ist wie früher: Um die Hauptauswahltaste in der Mitte gibt es einen Ring-Button. HMD hat beim neuen Nokia 3310 allerdings die Menütasten nicht sauber von den Hörertasten getrennt. Die beiden Menütasten beziehen sich immer auf die im Menü angezeigte Funktion, allerdings kann es beim ungenauen Drücken vorkommen, dass man stattdessen die Hörertasten-Funktion erwischt und umgekehrt.

Für einen wirklich groben Fehler halten wir die weiße Hintergrundbeleuchtung der weißen Tasten. Ist diese aus, ist die graue Beschriftung auf den weißen Tasten sehr gut lesbar. Leuchtet sie allerdings, sind die Beschriftungen praktisch nicht mehr lesbar. Das hätte HMD besser lösen müssen, beispielsweise mit blauen statt weißen LED.

Auch bei der beiliegenden Kurzanleitung hat HMD die Zielgruppe der Senioren, die vielleicht nur ein Notfallhandy für die Schublade benötigt, sträflich vernachlässigt. Mit Ausnahme der Zwischenüberschriften sind die Texte so klein gedruckt, dass sie selbst für Normalsichtige nur mit einer Lupe wirklich gut zu lesen sind.

Auf der folgenden Seite gehen wir nun auf die Kernkompetenz des Nokia 3310 ein - das Telefonieren. Gleichzeitig zeigen wir einen Schwachpunkt auf, der mehrere andere Funktionen des Handys so gut wie sinnlos erscheinen lässt.

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