Ausprobiert

Neues Nokia 3310 im Hands-On-Test: Kultig, aber schlecht verarbeitet

HMD drückt mit dem Markennamen Nokia auf die Tränendrüsen und lässt einen Klassiker wieder­auf­er­stehen. Das neue Nokia 3310 kann im Kurz-Test tatsächlich Retro-Gefühle wecken - aber wirklich gut verarbeitet ist es nicht.
Vom Mobile World Congress in Barcelona berichtet
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Unzählige Male haben wir im teltarif.de-Leserservice diese Frage in den vergangenen Jahren gehört: "Wann wird es jemals wieder einfache, gut verarbeitete und günstige Handys mit klassischer Tastatur geben, so wie damals bei Nokia?" Diese Sehnsucht kann nun wieder gestillt werden: Anlässlich des Mobile World Congress hat HMD, der jetzige Lizenznehmer der Handymarke Nokia, nicht nur neue Smartphones vorgestellt, die wir bereits kurz getestet haben. Mit dem Nokia 3310 hat der Hersteller auch einen alten Klassiker wiederaufleben lassen, der nur rund 45 Euro kosten wird.

Homescreen des Retro-Handys
Homescreen des Retro-Handys
Dass die Handymarke Nokia auch nach den wenig erfolgreichen Jahren bei Microsoft nichts von ihrer Faszination verloren hat, davon kann man sich momentan am MWC-Messestand in Barcelona überzeugen. Massen von Menschen drängen sich um die ausgestellten Geräte, nur um einmal zu sehen, ob das Snake-Spiel sich noch genauso anfühlt wie damals. Sogar der deutsche Pressesprecher musste sich regelrecht durch die Menge drängen, um für unseren Kurztest zumindest ein quietschbuntes Nokia 3310 in Orange zu ergattern.
Ein Blick ins Menü des Handys
Ein Blick ins Menü des Handys

Gut verarbeitet ist es nicht - das kann sogar HMD besser

Nokia 3310 (2017)
In der Hand fühlt sich das neue Nokia 3310 fast so an wie das alte, es ist allerdings etwas leichter geworden. Unsere Einschränkung "fast" bezieht sich auf den haptischen Eindruck der Gehäuseoberfläche: War diese beim Original-Nokia stets griffig, ist sie beim neuen Nachbau sehr glatt, sogar regelrecht glitschig. Die Folge: Fingerabdrücke sind auf dem Gehäuse sofort sichtbar.

Vom Design her hat sich ansonsten wenig verändert, aber als wir einige Minuten mit dem Handy herumspielten, merkten wir: Ganz so wertig wie damals fühlt es sich doch nicht an. Bei einem genauen Blick ist zu sehen, dass der hintere Gehäusedeckel nicht gleichmäßig schließt - unschöne Spaltmaße sind die Folge. Auch die Tasten sitzen nicht immer gleichmäßig in der Aussparung - vom Druckpunkt her fühlen sie sich allerdings gut an. Wer nun gedacht hat, dass er bei diesen Verarbeitungsmängeln HMD gegen Nokia ausspielen kann, irrt: HMD hat gerade mit den neuen Nokia-Smartphones ein hohes Maß an Verarbeitungsqualität vorgelegt, das allerdings beim Nokia 3310 nicht erreicht wird.

Das neue Nokia 3310 kann auch fotografieren
Das neue Nokia 3310 kann auch fotografieren

Menü, Akkulaufzeit und Mobilfunkstandard

Eine wirkliche Reise in die Vergangenheit ist die Menüführung des Handys, diese ist in vielen Bereichen an das Nokia-Original angelegt - mit Erfolg. Die gut durchschaubare Nutzerführung war schon immer ein Qualitätskriterium von Nokia gewesen und daran schließt der HMD-Nachbau nahtlos an. Selbstverständlich ist das Display nun in Farbe gehalten. Das 2,4-Zoll-Display war in unserem ersten Kurztest gut ablesbar, wenn wir direkt darauf schauten. Blickwinkelstabil ist es allerdings nicht besonders - stark schräg halten sollte man das Handy in der Sonne also nicht.

Schlechte Verarbeitung und Spaltmaße
Schlechte Verarbeitung und Spaltmaße
Von der Arbeitsgeschwindigkeit ist das Nokia 3310 eben ein typisches Feature-Phone: Schneller arbeiten als der Nutzer die Tasten drücken kann, muss es ja auch gar nicht. Der 16-MB-Speicher ist per Speicherkarte um bis zu 32 GB erweiterbar. Als System läuft auf dem Handy Nokia Series 30+.

Mit "bis zu einem Monat Standby" bewirbt HMD das Handy - dies muss man dann allerdings in einem ausführlichen Test überprüfen. Der wechselbare 1200-mAh-Akku soll bis zu 51 Stunden MP3-Wiedergabe oder bis zu 22,1 Stunden Telefonie bieten. Nein - bei diesem Wert braucht man nicht zu fragen, ob er sich auf GSM- oder UMTS-Telefonie bezieht: Das neue Nokia 3310 beherrscht nur GSM auf den Frequenzen um 900/1800 MHz - das wars. Kein WLAN-Modul ist an Bord, aber immerhin Bluetooth 3.0. Ins Internet kommt der Nutzer per Opera-Mini-Browser, über diesen Weg sollen sich sogar Opera-Apps installieren lassen. Dies konnten wir in der Kürze der Zeit und ohne Internetverbindung aber nicht testen.

2-Megapixel-Kamera mit LED-Blitzlicht
2-Megapixel-Kamera mit LED-Blitzlicht

Snake und Klingeltöne: Hier kommt Retro-Feeling auf

Das stärkste Retro-Feeling erlebten wir, als wir im Menü die Klingeltöne und den Spiele-Bereich aufriefen: Bei den Klingeltönen gibt es einige alte Bekannte - am wichtigsten ist natürlich der klassische Nokia-Klingelton. Damit dürfte man in der Straßenbahn oder im Bus manches Lächeln ernten.

Ganz neu kreiert haben die Entwickler eine Neuauflage des Kultspiels Snake. Die Schlange ist jetzt natürlich farbig, und die Mauern, an die sie niemals stoßen darf, bestehen jetzt nicht mehr aus Pixelreihen, sondern aus imitierten Ziegelsteinchen. An der Funktionsweise hat sich aber glücklicherweise nichts geändert, nur die Schrift der Begrüßungs-Screens ist schwer zu lesen.

Games auf dem Retro-Handy
Games auf dem Retro-Handy

Fazit und Sinnfrage

Dem Nokia 3310 kann man bescheinigen, dass es ein Feature-Phone ist, mit dem man sicherlich Telefonieren und SMS schreiben und ansonsten ganz viele Retro-Gefühle ausleben kann. Wirklich sinnvoll sein kann es aber nur als Zweithandy, beispielsweise an Orten, an denen man kein Smartphone dabei haben will.

Außerdem taugt es als Schubladenhandy für Notfälle, um erreichbar zu sein oder mit einer Prepaidkarte ein- bis zweimal im Monat abgehend zu telefonieren. Hier hat das Nokia 3310 gegenüber einem Smartphone in der Schublade sogar den Vorteil, dass man den Akku nicht so oft laden muss.

In den Tiefen der teltarif.de-Hardware-Datenbank haben wir sogar noch das alte Nokia 3310 gefunden.

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