NGMN

5G: Technologie fertig, Anwendungen gesucht

5G ist fertig entwickelt, doch die Arbeit der NGMN Alliance geht weiter. Schließlich sollen die neuen Netzwerke auch ausgelastet werden.
Vom Mobile World Congress in Barcelona berichtet
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Die Next Genera­tion Mobile Network Alli­ance (kurz NGMN), eine Inter­es­sen­ver­tre­tung der Netz­be­treiber, hat ihr erstes Ziel erreicht: Die 5G-Tech­no­logie ist fertig spezi­fi­ziert. Die Ausrüster vertreiben 5G-Basis­sta­tionen. Die Chip-Hersteller liefern bereits Vorab-Muster ihrer 5G-Chip­sätze aus, und in wenigen Monaten werden erste 5G-Smart­phones mit eben diesen Chip­sätzen den Massen­markt errei­chen. Diese Smart­phones werden neben der 5G-Unter­stüt­zung noch eine weitere Neuheit bieten: falt­bare Displays. Und 5G-Router für den Heim­ein­satz werden sogar bereits an echte Endkunden gelie­fert.

Einer der Vorreiter beim Aufbau der 5G-Netze ist der US-ameri­ka­ni­sche Netz­be­treiber AT&T. Igal Elbaz, SVP für draht­lose Netz­werk­ar­chi­tektur und Design bei AT&T erklärte: "Dies hier ist Realität, kein Verspre­chen". Alle Nutzungs­sze­na­rien seien bei AT&T bereits real.

Ist die NGMN Alli­ance damit am Ziel ange­kommen und kann aufge­löst werden? Nun, anschei­nend nicht, sonst würde sie keine Pres­se­kon­fe­renz auf dem Mobile World Congress in Barce­lona mehr abhalten. Viel­mehr sieht die MGMN ihren nächsten Schritt nun darin, neben der Breit­band-Versor­gung von Smart­phones weitere Anwen­dungen für 5G-Netze zu etablieren.

Intel­li­gente Strom­netze

Guangyi Liu von China Mobile spricht über Smart GridsGuangyi Liu von China Mobile spricht über Smart Grids Guangyi Liu, Wire­less Chief Tech­no­logy Officer (CTO) von China Mobile, nannte das Manage­ment intel­li­genter Strom­netze als eine wich­tige Anwen­dung für 5G-Netze: Ziel ist es, die schnell stei­gende Strom­pro­duk­tion aus erneu­er­baren Ener­gie­quellen in China optimal zu nutzen und teure Abschal­tungen zu vermeiden. So betrug die Neuin­stal­la­tion an Foto­vol­taik in China in jedem der letzten drei Jahre über 34 GWp (Giga­watt Peak). Die Wind­strom­pro­duk­tion in China betrug letztes Jahr 366 TWh, und damit mehr als die gesamte umstrit­tene Kohle­strom­pro­duk­tion in Deutsch­land. Doch wie hier­zu­lande auch, wird durch den stei­genden Anteil von erneu­er­barer Energie die Netz­steue­rung in China kompli­zierter.

Arash Ashou­riha, SVP der Gruppe SVP Tech­no­logie Inno­va­tion bei der Deut­schen Telekom, legte in seinem Vortrag den Fokus auf der Verbes­se­rung von Produk­ti­ons­pro­zessen in der Indus­trie. Bisher sind die diversen Roboter, Förder­wagen und Mess­ge­räte eines Produk­ti­ons­stand­ortes über Kupfer- oder WiFi-Netze mitein­ander verknüpft. Kupfer ist aufwendig in der Instal­la­tion und der Umkon­fi­gu­ra­tion, wenn eine Produk­ti­ons­straße an ein neues Produkt ange­passt wird. WiFi hat das bekannte Problem der gegen­sei­tigen Störungen, wenn die Zahl der Endge­räte zu hoch steigt. Der Abstand zwischen theo­re­tisch mögli­cher und real erzielter Bitrate wird dann immer größer. Dedi­zierte Netz­seg­mente (network slices) der kommenden 5G-Netze sollen hingegen dank der besseren Ressourcen-Allo­ka­tion von 5G nicht so schnell über­lasten.

Durch das Network Slicing kann zudem fest­ge­legt werden, welche Kapa­zität der jewei­ligen Produk­ti­ons­halle garan­tiert zur Verfü­gung steht. Private Endge­räte können diese reser­vierten Kapa­zi­täten mitnutzen, wenn sie gerade nicht für die Produk­tion benö­tigt werden, müssen aber sofort zurück­ste­cken, wenn der Band­brei­ten­be­darf der indus­tri­ellen Endge­räte wieder steigt. Als Pilot­pro­jekt wurde heute ein Campus-Netz­werk mit dem Leucht­mittel-Hersteller Osram gestartet.

Video­kon­fe­renz mit 4K

Seizo Onoe, Chief Tech­no­logy Archi­tect bei NTT Docomo, Japan, sieht den kabel­losen Fest­netz­er­satz nicht als Haupt­an­wen­dung für 5G in Japan: "Wir haben gute Glas­fa­ser­netz­werke". Ein mobiles Einsatz­ge­biet für 5G ist aber die Tele­me­dizin: Ein Arztbus kommt zum Pati­enten statt der Patient zum Arzt. Benö­tigt der Arzt im Bus weiteren Rat von einem Kollegen, kann er diesen sofort per 4K-Video­kon­fe­renz zuschalten. Hier kommt es auf hohe Bild­qua­lität an - die Ursache und die Gefähr­lich­keit einer Haut­ver­än­de­rung kann man mit einem WhatsApp-Video­call beim derzeit übli­chen Quali­täts­ni­veau sicher nicht beur­teilen.

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