Datenzugriff

DIY: Netzwerkspeicher für alle

Mit Netzwerkspeichern lassen sich Daten am einfachsten Teilen, da sie einen gemeinsamen Datenzugriff der Netzwerkmitglieder gestatten. Es gibt jedoch einige Unterschiede bei diesen NAS-Modellen. Wir haben diese für Sie zusammengefasst und sagen, wie sie auch selber ein Network Attached Storage erstellen können.
Von dpa / Jennifer Buchholz
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Früher bogen sich Regalbretter unter dem Gewicht von Büchern und CDs, heute lagern die liebsten Songs und Videos eher auf der Festplatte. Verteilt auf iPod und Rechner wird die Musik­sammlung jedoch schnell un­über­sichtlich, Fotos des letzten Italien­urlaubs befinden sich noch auf dem alten Computer und wichtige Dokumente lagern unsortiert auf den Festplatten von Notebook und Desktop-PC. Ordnung schafft hier ein Netzwerkspeicher (NAS bzw. Network Attached Storage).

Netzwerkspeicher beruflich und privat nutzen

"Netzwerkspeicher sind, vereinfacht ausgedrückt, Festplatten mit Netzwerkanschluss, die Speicherplatz für verschiedene Nutzer zur Verfügung stellen", sagt Boi Feddern von der Computerzeitschrift c't. Möglich wird das, weil die Geräte direkt am Router hängen. So können Familien­mitglieder Bilder, Filme und Musik bequem untereinander austauschen. Auf vielen NAS-Modellen lassen sich dabei mehrere Nutzer mit unterschiedlichen Zugriffs­rechten anlegen. So kommen Kinder nicht an Filme, die sie noch gar nicht sehen dürfen.

Sinnvoll sind die Geräte auch, um zum Beispiel gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten oder Sicher­heits­kopien wichtiger Daten anzulegen. Oft können sie aber noch mehr: "Bei den meisten Geräten lassen sich noch zusätzliche Dinge konfigurieren - etwa für Fern­zugriff übers Internet, Torrent-Downloads oder Film- und Musik­streaming zum Fernseher", erklärt Feddern.

Einfache Handhabung

Der NAS-Server TS-569 Pro Turbo von QNAP Der NAS-Server TS-569 Pro Turbo von QNAP Die Einrichtung der Netzwerk­speicher ist nicht sehr kompliziert. "Mittlerweile gibt es Netzwerkspeicher, die nicht nur wie eine einfache externe Festplatte aussehen, sondern sich auch so verhalten", erklärt Michael Schidlack vom IT-Verband Bitkom. Diese werden nur mit dem eigenen Router und dem Stromnetz verbunden - und schon steht der Speicherplatz im Netzwerk zur Verfügung. "Wie komplex die Einrichtung einer Netzwerk­fest­platte ist, hängt auch davon ab, welche Funktionen genutzt werden", sagt der Experte.

Die Bedienung ist selbst für Laien keine große Umstellung: "Per Browser sind moderne Geräte über eine Art Linux-Desktop bedienbar", erklärt Boi Feddern. Wer schon einmal Daten in Windows von Ordner zu Ordner geschoben hat, muss sich da nicht groß umgewöhnen. Und für den Datenzugriff von Smartphone oder Tablet bieten viele NAS-Hersteller eigene Apps.

Billigere Netzwerkspeicher arbeiten nicht immer zuverlässig

Einfache Modelle mit fest verbautem Speicher und rund einem Terabyte Speicher­platz gibt es ungefähr ab 140 Euro. Etwas teurer sind Geräte mit Fest­platten­einschüben, bei denen sich die Kapazität mit der Zeit bequem erweitern lässt. In einem Test der Zeitschrift Audio Video Foto Bild gab es die Bestnote für ein 180-Euro-Modell, bei dem die Festplatten allerdings nicht mitgeliefert werden. Beim Zweitplatzierten sind gleich zwei Festplatten dabei, dafür kostet das Paket aber auch knapp 400 Euro.

Boi Feddern empfiehlt Modelle in der Preisspanne von 200 bis 400 Euro. Billigere Netzwerkspeicher arbeiten nicht immer zuverlässig und oft langsam, warnt der Redakteur. Für die Rechenarbeit haben die Geräte einen eigenen Prozessor an Bord. Hier müssten Verbraucher aber nicht zu anspruchsvoll sein, so Feddern: "Geräte mit ARM-CPUs von Marvell reichen für den Einsatz in kleinen Heimnetzen mit bis zu 10 Teilnehmern meistens aus."

Nur wer mehrere Zusatz­an­wendungen auf dem NAS laufen lassen will, viel Rechen­leistung benötigt oder seine Daten verschlüsseln will, sollte nach Meinung des Experten zu teureren Geräten mit x86-CPU und mindestens einem Gigabyte Arbeitsspeicher greifen. Die seien allerdings auch lauter und stromhungriger.

Bei der Wahl einer Festplatte fürs NAS kommt es nicht zuerst aufs Tempo an. Stattdessen empfiehlt Feddern stromsparende, leise Modelle mit geringer Um­drehungs­ge­schwindigkeit. Aber Vorsicht: Nicht jedes Modell eignet sich für ein Heim­netzwerk. "Normale Festplatten sind in der Regel nicht für eine Dauer­nutzung rund um die Uhr ausgelegt", erklärt Michael Schidlack. Für Netzwerkspeicher gibt es spezielle Modelle, die auch im Dauerbetrieb nicht schlapp machen, dafür allerdings auch etwas teurer sind.

Den ausgedienten PC zum NAS ausbauen

Wer gar kein Geld ausgeben will und ein wenig Computer­wissen mitbringt, kann auch einen ausgedienten PC oder ein altes Notebook zum NAS umbauen. "Allerdings ist ein zum Server um­funktionierter Alt-Rechner dann meist lauter und möglicher­weise energie­hungriger als ein NAS", warnt Boi Feddern. Gerade ältere Note­books bieten außerdem oft nicht mehr als ein oder 1,5 Terabyte Fest­platten­platz - zu wenig für um­fang­reiche Sammlungen oder Backups.

"Wer selbst schrauben will, greift besser zu aktueller Hardware, mit der sich kleine Server zusammen­bauen lassen", so der Rat des Redakteurs. Diese seien im Leerlauf sparsamer und leiser als manches NAS, stellen aber eine hohe Rechen­leistung bereit und lassen sich flexibel erweitern. Dafür sorgen die aktuellen Intel-Prozessoren der Haswell-Generation - Feddern empfiehlt die Desktop-Aus­führungen für LGA1150-Mainboards. In der Regel ist die Heim­bastler-Version dadurch aber nicht günstiger als ein gekauftes NAS.

Zur Speicherung von Daten bieten sich auch Flash-Festplatten an. Wie sich diese je nach Modellen unterscheiden, haben wir in unserer Meldung für Sie zusammen­gefasst.

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