Neuer Test

Österreicher testen deutsche Netze: o2 auf Platz zwei

Ausführ­lich hat das öster­rei­chi­sche Smart­phone Magazin die deut­schen Mobil­funk­netze unter­sucht und ist mehrere Wochen kreuz und quer durchs Land gefahren.

In München kann an diesem Wochenende gefeiert werden. In München kann an diesem Wochenende gefeiert werden.
Grafik: Telefónica Germany
Pünkt­lich zum Wochen­ende können im Münchner Geschäfts­zen­trum "Uptown" die Sekt­fla­schen entkorkt werden. Dort hat der Netz­betreiber Telefónica o2 seinen Sitz.

Grund zum Feiern

Der Grund zum Feiern: Das in Öster­reich verlegte Smart­phone Magazin hat sich die deut­schen Mobil­funk­netze genauer ange­schaut und mit zwei unter­schied­lichen Mess­sys­temen an zwei Millionen Mess­punkten in sechs Kate­gorien ausgiebig getestet. Erst­mals wurde auch 5G einbe­zogen. In München kann an diesem Wochenende gefeiert werden. In München kann an diesem Wochenende gefeiert werden.
Grafik: Telefónica Germany
Mit dem Mess­system von Rant­cell Ltd. wurde in Deutsch­land "auf dem Land" getestet, über Land­straßen, durch dünn besie­deltes Gebiete, Klein­städte, aber auch Auto­bahnen. Das Magazin wollte Daten zur Netz­qua­lität in den weniger bevöl­kerten Landes­teilen erheben.

Mit dem Mess­system von Focus-Infocom (hat nichts mit dem gleich­namigen Nach­richten-Magazin zu tun) wurden "wochen­lang" die Signale in den Innen­städten, belebte Plätze und Verkehrs­kno­ten­punkte vermessen.

And the winner is....

Das Testergebnis Stadt und Land: o2 überholt Vodafone. Das Testergebnis Stadt und Land: o2 überholt Vodafone.
Grafik: Smartphonemag.de
Das Ergebnis freut die Münchner und wird in Bonn sicher­lich wohl­wol­lend zur Kenntnis genommen:

Die Deut­sche Telekom gewannt den Smart­phone Magazin Netz­test 2022, in einem Kopf-an-Kopf-Rennen holte sich o2 den zweiten Platz und Voda­fone landete auf Rang drei.

Sechs Kate­gorien

Bei den Messungen auf dem Land schnitt Vodafone gegenüber o2 teilweise besser als in der Stadt ab Bei den Messungen auf dem Land schnitt Vodafone gegenüber o2 teilweise besser als in der Stadt ab
Grafik: Smartphonemag.de
Gemessen wurde in den Kate­gorien "YouTube", HTTP Down- und Upload, Ping, Tele­fonie und Netz­abde­ckung. Insge­samt konnten in den sechs Kate­gorien 200 Punkte erreicht werden. Bei jeder Messung wurde der beste Anbieter mit 10 Punkten bewertet, Platz zwei bekam 9 und Platz drei 8 Punkte. Alle Werte wurden aufad­diert und zunächst nach Land und Stadt getrennt und final zusam­men­gezählt.

Ein paar Eindrücke: Bei Strea­ming auf YouTube räumte die Telekom in der Stadt mit 20 von 20 mögli­chen Punkten ab, dicht gefolgt von o2 mit 19 Punkten. Voda­fone musste sich mit 16 Punkten deut­lich dahinter einreihen. Bei HTTP gewannen Telekom und o2 gleichauf, Voda­fone schaffte nur 16 Punkte. Beim Upload war die Telekom alleine in Führung, ein Punkt dahinter Voda­fone. Einen Punkt dahinter plat­ziert sich O2. Die Success-Rate sowohl bei Down- als auch Upload lag bei allen Anbie­tern weit über 90 Prozent.

5G ist nicht gleich 5G

Wahr­heits­gemäß warnt das Smart­phone-Magazin, dass 5G nicht gleich 5G ist, und bezieht sich dabei auf 5G-DSS (Dynamic Spec­trum Sharing) im Gegen­satz zu "echtem" 5G auf 3,6 GHz, wo o2 eindeutig Schwer­punkte gegen­über seinen Konkur­renten setzt.

Eine Einschät­zung (von Henning Gajek)

Bei allen Netz­tests der letzten Zeit lag die Deut­sche Telekom immer vorne und das kommt nicht von unge­fähr. Man hat erkannt, dass das höhere Preis­niveau nur über eine bessere Netz­qua­lität und Versor­gung zu begründen ist.

Doch auch im Telekom-Netz gibt es unschöne Lücken, wie die von einem teltarif.de-Leser gemachte Geschwin­dig­keits­mes­sung im Frank­furter Regio­nal­bahnhof ("tief") des Rhein-Main-Flug­hafens (siehe Bild) zeigt - einem durchaus wich­tigem Hotspot und einer Visi­ten­karte für Deutsch­land-Besu­cher. Frankfurt-Flughafen Regionalbahnhof. Die Netzversorgung des Testsiegers ließ zu wünschen übrig. Frankfurt-Flughafen Regionalbahnhof. Die Netzversorgung des Testsiegers ließ zu wünschen übrig.
Foto: privat / teltarif.de
Kein Ruhmesblatt für Telekom: Private Messung im Tiefbahnhof des Frankfurter Flughafens. Kein Ruhmesblatt für Telekom: Private Messung im Tiefbahnhof des Frankfurter Flughafens.
Grafik: ookla speedtest / privat
Lange Jahre wurden E-Plus und später o2 als "Funk­loch-Netz" verspottet, und das steckte den Münch­nern tief in den Knochen. So konnten sie der spani­schen Mutter wich­tige Gelder locker machen und viel Technik und Manpower in den Ausbau stecken.

In neuen Test­ergeb­nisse verschie­dener Maga­zine und Medien zieht o2 immer öfters an Voda­fone vorbei oder wenigs­tens mit Voda­fone gleich. Das beflü­gelt die o2-Stra­tegen, in Werbe­spots durch die Einblen­dung einer gut gefüllten Feld­stärke-Anzeige selbst an einsam gele­genen Orten, ein gleich­wer­tiges oder gar besseres Netz als das der Konkur­renz zu promoten.

Doch Vorsicht! Das kann beim Kunden schnell zur Enttäu­schung und zum Frust führen! Hilf­reich ist dabei das kosten­lose Test­angebot von o2, das Netz für die eigenen Anfor­derungen auszu­pro­bieren. Und zum Glück gibt es heute meis­tens Dual-SIM-Tele­fone.

Voda­fone hingegen ist gebeu­telt. In Spanien und Italien läuft es nicht so gut, in Indien herrscht barba­rischer Wett­bewerb und gräbt ein tief­rotes Loch in die Kassen. In Deutsch­land sieht es noch relativ gut aus, obwohl es in Sachen Netz­ausbau gewal­tige Haus­auf­gaben zu erle­digen gilt. Über­eif­rige Haus­tür­kolonnen und mehr als "krea­tive" Shop-Verkäufer haben Voda­fone viel Repu­tation und seine Kunden in der letzten Zeit viel Nerven gekostet.

Wenn Verbrau­cher­schützer offen vor Verträgen des Anbie­ters warnen, die der Kunde mögli­cher­weise so gar nie wollte, wenn er oder sie über­haupt davon weiß, dann sollte Alarm­stim­mung herr­schen.

Und jetzt wird noch ein vierter Anbieter auftau­chen, der alleine nur über den Preis in den Markt hinein­kommen wird.

Deswegen, besser das Sekt­glas gleich wegstellen und sofort weiter ausbauen, es gibt noch viel zu tun.

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