Zusammenfassung

Mobiles Internet in den Handy-Netzen im Test

Von April bis Juni haben wir den mobilen Internet-Zugang in allen deut­schen Netzen getestet. Jetzt fassen wir die Ergeb­nisse unseres Netz­tests zusammen.
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Im Früh­jahr waren wir auch dieses Jahr wieder unter­wegs, um den mobilen Internet-Zugang in den Netzen von Telekom, Voda­fone und Telefónica einem Test zu unter­ziehen. In diesem Jahr hatten wir das Apple iPhone XS Max und das Samsung Galaxy S10+ als Test­geräte im Einsatz, die wir mit Vertrags­karten der drei deut­schen Mobil­funk-Netz­betreiber ausge­stattet haben. Dabei kamen die Karten wech­selweise in den beiden Smart­phones zum Einsatz.

Die SIM-Karten waren jeweils für "LTE max." frei­geschaltet. Das heißt, wir hatten stets die maxi­male Daten­über­tragungs­geschwin­digkeit zur Verfü­gung, die das Netz in Verbin­dung mit den von uns genutzten Smart­phones am jewei­ligen Aufent­haltsort herge­geben hat. Das ist auch heute noch keine Selbst­verständ­lich­keit. Vor allem Discounter-SIMs oder ältere Tarife sind in der Internet-Geschwin­digkeit oft begrenzt.

So haben wir den Test durch­geführt

Zusammenfassung zum Netztest 2019Zusammenfassung zum Netztest 2019 Wie in den Vorjahren haben wir einen Erfah­rungs­bericht aus Nutzer­sicht durch­geführt. Anstelle vorge­gebener Test­stre­cken haben wir den mobilen Internet-Zugang immer dort genutzt, wo wir diesen sowieso gerade nutzen wollten. Durch­geführt haben wir die Tests auf dienst­lichen und privaten Reisen. Dadurch ergab sich in diesem Jahr, dass ein Groß­teil der Tests im Süden Deutsch­lands durch­geführt wurden.

Unter­wegs waren wir in Nord­rhein-West­falen und Hessen, im Saar­land und in Rhein­land-Pfalz, in Bayern und Baden-Würt­temberg sowie in Berlin. Dabei haben wir auch unter­wegs im Auto und in der Bahn auf die Funk­versor­gung und Nutz­barkeit des mobilen Internet-Zugangs geachtet. An den festen Mess­punkten haben wir jeweils alle drei Netze auspro­biert, um die Ergeb­nisse auch mitein­ander verglei­chen zu können. Im Rahmen des Tests haben wir zudem im Internet gesurft, über Messenger gechattet sowie Audio- und Video­strea­ming genutzt. Nicht zuletzt haben wir Speed­tests durch­geführt.

Telekom-Netz mit höchsten Daten­über­tragungs­raten

Die höchsten Daten­über­tragungs­raten haben wir einmal mehr im Mobil­funk­netz der Deut­schen Telekom gemessen. Unab­hängig davon, dass wir bei früheren Tests bereits deut­lich höhere Werte erreicht haben, lag der Maxi­malwert während unseres Netz­tests bei 177 MBit/s in Berlin. Aber auch im o2-Netz haben wir - eben­falls in Berlin - mit 120 MBit/s einen drei­stel­ligen Wert gemessen.

Bei Voda­fone haben wir mit 96,3 MBit/s ein drei­stel­liges Ergebnis knapp verfehlt. Dabei gilt es zu bedenken, dass solche Resul­tate nur einen Richt­wert geben. Wenige Meter weiter können die Daten­über­tragungs­raten schon ganz anders aussehen - im posi­tiven wie im nega­tiven Sinn. Unter dem Strich bieten alle drei Netz­betreiber in Berlin eine gute Versor­gung. Vorteil für Kunden im o2-Netz: Auch in der U-Bahn stehen LTE und UMTS zur Verfü­gung. Der seit langem ange­kündigte Ausbau in den anderen Netzen verschiebt sich immer weiter.

o2 holt bei der Flächen­versor­gung weiter auf

Schon im vergan­genen Jahr waren die Bemü­hungen von Telefónica erkennbar, den Rück­stand bei der LTE-Flächen­versor­gung gegen­über Voda­fone und vor allem gegen­über der Deut­schen Telekom aufzu­holen. Dieser Trend setzte sich bei unserem aktu­ellen Netz­test fort, auch wenn o2 zwei­fellos noch immer die schlech­teste LTE-Abde­ckung der drei Netz­betreiber in der Fläche hat.

Es zeigen sich zudem Erfolge bei der Netz-Moder­nisie­rung, die Telefónica parallel zum 4G-Ausbau in die Fläche durch­führt. Dabei wird das Netz über die vorhan­dene Basis­versor­gung auf 800 MHz hinaus auf weiteren Frequenz­berei­chen wie 1800, 2100 und 2600 MHz erwei­tert, um mehr Kapa­zität zu schaffen. So haben wir auch in Frank­furt am Main (bis zu 70,7 MBit/s) und Köln (30 MBit/s) recht hohe Daten­über­tragungs­raten gemessen. Beispiele wie Neu-Ulm (maximal 880 kBit) oder Fulda (1,79 MBit/s) zeigen aber, dass der Prozess noch lange nicht abge­schlossen ist. Schnelles Telekom-Netz in BerlinSchnelles Telekom-Netz in Berlin

Telekom punktet beim mobilen Strea­ming

Die Telekom hat nach wie vor die beste LTE-Flächen­abde­ckung unter den drei deut­schen Mobil­funk­netzen. Das kommt Nutzern zugute, die unter­wegs auch Strea­ming nutzen möchten. Auch bei längeren Auto­fahrten im Rhein-Main-Gebiet und Rhein­hessen, im Spes­sart und in der Rhön, konnten wir Webradio im Telekom-Netz über Apps wie TuneIn Radio und Radioplayer.de ohne Aussetzer hören.

In Ballungs­gebieten ist die LTE-Abde­ckung von Voda­fone mit der im Telekom-Netz vergleichbar. Strea­ming-Probleme bekommen Voda­fone-Kunden aber in länd­lichen Regionen, wo nach wie vor oft nur GSM und somit GPRS oder EDGE zur Verfü­gung steht. Das Telefónica-Netz "krankt" auch in eigent­lich mit 4G versorgten Regionen teil­weise noch an kleinen Empfangs­lücken oder Stellen mit nur schwa­chem Pegel, sodass es beim Strea­ming zu Ausset­zern kommt.

Telekom zeigt in Städten Schwä­chen

Nach wie vor besteht im Telekom-Netz das Problem, dass LTE in Städten oft nur auf 1800 und 2600 MHz ausge­baut ist. Hier sind dank 20 MHz Band­breite hohe Daten­über­tragungs­raten möglich. Physi­kalisch bedingt ist der Empfang inner­halb von Gebäuden aber nicht oder nur einge­schränkt möglich. So kommt es vor, dass man auf der Straße mit 100 MBit/s surfen kann, wenige Meter weiter in einem Gebäude aber nur noch mit 100 kBit/s.

Diese "Indoor-Lücken" werden dank LTE auf 900 MHz kleiner. Offenbar dauert der Ausbau des 4G-Netzes in diesem früher ausschließ­lich für GSM genutzten Frequenz­bereich aber recht lange, sodass es auf abseh­bare Zeit noch zu den genannten Einschrän­kungen kommt. Voda­fone und Telefónica hatten auch in Städten von Anfang an LTE auf 800 MHz aufge­baut. Vorteil: Schnel­lere Flächen­versor­gung und bessere Indoor-Abde­ckung. Nach­teil: Weniger Kapa­zität, da hier für jeden Netz­betreiber nur 10 MHz Band­breite zur Verfü­gung stehen.

Voda­fone in Ballungs­gebieten mit guter LTE-Perfor­mance

Das LTE-Netz von Voda­fone konnte im Test vor allem in Städten und Ballungs­gebieten über­zeugen. Hier war die Abde­ckung ähnlich gut wie bei der Deut­schen Telekom und besser als bei Telefónica. Bei den Daten­über­tragungs­raten kann Voda­fone mit der Telekom nicht ganz mithalten und auch Telefónica bietet in Regionen, in denen die Netz­moder­nisie­rung bereits abge­schlossen wurde, teil­weise mehr Speed als Voda­fone.

Zum Frust­faktor wird das Voda­fone-Netz indes in länd­lichen Regionen, wo der LTE-Ausbau noch hinter dem der Telekom zurück­bleibt. Es gibt auch schon Gegenden, in denen o2 an Voda­fone vorbei­gezogen ist. Aller­dings darf man nie vergessen, dass es sich hier um Mobil­funk­netze handelt, wo es immer auch zu Einschrän­kungen kommen kann - etwa wenn der Standort von Netz­betreiber A 200 Meter weiter vom Nutzungsort entfernt ist als der Mast von Netz­betreiber B, wenn die Antennen der Netze unter­schied­lich ausge­richtet sind oder verschie­dene Frequenz­bereiche zum Einsatz kommen.

Alle Netze zeigen in Grenz­nähe Schwä­chen

Vor- und Nachteile in allen NetzenVor- und Nachteile in allen Netzen Defi­zite in allen Netzen haben wir im Test im Grenz­gebiet von Deutsch­land zu Frank­reich fest­gestellt. In der kleinen Gemeinde Berus, die direkt an der loth­ringi­schen Grenze gelegen, konnten wir die deut­schen Mobil­funk­netze nicht empfangen, während die fran­zösi­schen Netze mit LTE zur Verfü­gung standen. Ähnliche Erfah­rungen machten wir vor einigen Jahren auch im deutsch-tsche­chischen Grenz­gebiet im Baye­rischen Wald, wo auf deut­scher Seite zwar die tsche­chischen, nicht aber die deut­schen Netze empfangen wurden.

Auch im Stadt­gebiet der saar­ländi­schen Landes­haupt­stadt Saar­brücken hinter­ließen Telekom, Voda­fone und o2 keinen guten Eindruck. Vor allem der LTE- und auch der UMTS-Empfang inner­halb von Gebäuden war oft schwach oder gar nicht gegeben. Das GSM-Signal war stark und reichte für Tele­fonie und SMS, während ein zeit­gemäßer mobiler Internet-Zugang über 2G nicht möglich ist.

Test­ergeb­nisse im Über­blick

 
Stadt
Down­stream
(in MBit/s)
Upstream
(in MBit/s)
Ping
(in ms)
Telekom Voda­fone o2 Telekom Voda­fone o2 Telekom Voda­fone o2
Bad Kreuz­nach 2,09 14,5 bis 17,3 5,19 bis 6,64 0,20 10,4 bis 13,5 10,2 bis 11,0 255 23 bis 24 17 bis 18
Berlin 113 bis 177 58,2 bis 96,3 23,9 bis 120 54,4 bis 62,7 39,5 bis 41,0 2,3 bis 47,3 22 bis 37 36 bis 45 18 bis 41
Berus kein Empfang
Birken­heide 11,6 bis 17,4 2,1 bis 2,3 27,2 bis 32,9 5,2 bis 5,7 0,68 bis 1,5 4,0 29 bis 30 46 19 bis 22
Frank­furt am Main 30,4 bis 147 15,3 bis 68,7 33,5 bis 70,7 16,4 bis 48,7 19,8 bis 44,8 5,7 bis 54,3 30 bis 34 21 bis 27 20 bis 27
Herz­hausen / Edersee 3,0 bis 3,4 2,8 bis 3,0 - 1) 0,53 bis 0,65 0,8 bis 1,0 - 1) 41 bis 53 32 bis 35 - 1)
Köln 61,4 bis 102 19,2 bis 25,9 7,7 bis 30,0 32,6 bis 43,2 3,9 1,8 bis 3,8 23 bis 33 31 bis 34 23 bis 31
Mainz-Kastel 48,9 19,6 bis bis 24,2 6,4 bis bis 10,9 24,5 bis 28,0 9,6 bis 12,1 4,1 bis 6,3 28 bis 31 23 bis 25 25 bis 30
Neu-Ulm 105 bis 122 49,6 bis 67,8 0,77 bis 0,88 54,3 bis 64,5 40,7 bis 41,1 11,0 bis 11,1 31 27 bis 29 60 bis 65
Saar­brücken 58,8 bis 88,1 0,37 bis 0,58 3,20 bis 4,71 12,1 bis 25,7 3,35 bis 3,74 19,7 bis 22,3 35 bis 52 27 bis 36 34 bis 35
Mess­wert-Zeit­punkt: April bis Juni 2019 (je nach Standort)
1) nur GSM / EDGE, kein Daten­durch­satz

Fazit: Telekom weiter vor Voda­fone und o2

In unserem dies­jährigen Netz­test zeigte sich, dass die Deut­sche Telekom in den Städten und Regionen, in den wir unter­wegs waren, jeweils die beste LTE-Abde­ckung bot. Auch bei der Perfor­mance des Internet-Zugangs und nicht zuletzt beim Strea­ming über­zeugten die Bonner. Schwä­chen gibt es aller­dings nach wie vor bei der Versor­gung inner­halb von Gebäuden in Städten. Hier hätte man sich einen schnel­leren Ausbau von LTE 900 gewünscht, um diesen Nach­teil zu mini­mieren.

Voda­fone bietet in Städten und Ballungs­zentren eben­falls ein gut ausge­bautes Netz, das fast immer auch gute Resul­tate im Down- und Upstream liefert. Der Düssel­dorfer Konzern baut sein 4G-Netz aber auf dem Land nicht so konse­quent aus wie sein Bonner Mitbe­werber, sodass die Kunden oft noch ins GSM-Netz zurück­fallen, wo der mobile Internet-Zugang kaum nutzbar ist. Telefónica hat in vielen Regionen sein Netz moder­nisiert und treibt den LTE-Ausbau immer weiter voran. Mit Telekom und Voda­fone kann der Ausbau derzeit aber noch nicht mithalten.

Die Fach­zeit­schrift connect hat dieser Tage auch ihren Fest­netz-Netz­test veröf­fent­licht, über dessen Ergeb­nisse wir in einer eigenen Meldung berichten.

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