Themenspecial Reise und Roaming Netzabdeckung

Edersee: Wenn eine Ferienregion gleichzeitig ein Funkloch ist

Der Edersee ist eine der wichtigsten Ferienregionen in Hessen. Die Mobilfunk-Versorgung lässt jedoch zu wünschen übrig. Wir haben die LTE-Abdeckung bei Telekom, Vodafone und Telefónica getestet.
AAA
Teilen (17)

Der Edersee ist der flächenmäßig zweitgrößte Stausee in Deutschland. Er liegt in Nordhessen in einer eher ländlich geprägten Gegend im Naturpark Kellerwald-Edersee, die vielen Stadtbewohnern als Naherholungsgebiet dient. Aber auch Touristen, etwa aus den Niederlanden, lockt der Edersee mit zahlreichen Hotels, Jugendherbergen und Campingplätzen.

In den vergangenen Tagen war der Edersee mehrfach Thema in verschiedenen Medien. Grund: Aufgrund der Wetterlage in den vergangenen Wochen ist der Wasserstand so stark gesunken, dass Überreste von Dörfern, die vor mehr als 100 Jahren zugunsten des Stausees aufgegeben wurden, wieder zum Vorschein kamen. So lockt die Region zahlreiche zusätzliche Besucher an.

Netzabdeckung weist Defizite auf

Edertalsperre gut von Telekom und Vodafone versorgt
Edertalsperre gut von Telekom und Vodafone versorgt
Wer dabei seine Eindrücke direkt vom Ort des Geschehens vom Smartphone aus über Facebook oder WhatsApp teilen will, hat es gar nicht so einfach, wie sich im kurzen Test von teltarif.de vor einigen Tagen gezeigt hat. Die Netzabdeckung weist massive Defizite auf. Das gilt insbesondere dann, wenn die Anwender nicht nur mit dem Handy telefonieren, sondern auch im Internet surfen oder andere Online-Dienste nutzen möchten.

Telekom-LTE/UMTS-Abdeckung am EderseeTelekom-LTE/UMTS-Abdeckung am Edersee Wir haben mit dem Apple iPhone X, dem Huawei P20 Pro und dem Blackberry KEY2 Tests in allen drei deutschen Mobilfunknetzen durchgeführt. Das Ergebnis war bei Telekom, Vodafone und Telefónica recht ähnlich: GSM-Empfang war in der ganzen Region gegeben. Auch innerhalb von Gebäuden war es somit problemlos möglich, zu telefonieren.

Für den Internet-Zugang reichte die EDGE-Performance im 2G-Netz dagegen kaum aus. Im Telekom-Netz war es zumindest noch möglich, halbwegs zuverlässig WhatsApp-Textnachrichten zu verschicken. Das Teilen von Fotos oder gar Videos wurde hingegen zur Geduldsprobe und nicht selten brachen die Versuche vorzeitig ab.

Edertalsperre: LTE von Telekom und Vodafone

Vodafone-LTE/UMTS-Abdeckung am EderseeVodafone-LTE/UMTS-Abdeckung am Edersee Telekom- und Vodafone-Kunden haben aber immerhin im östlichen Bereich der Ferienregion, also rund um die Edertalsperre, noch guten LTE-Empfang. Hier ist der Internet-Zugang in guter Qualität möglich. Selbst Webradio-Streaming kann ohne Aussetzer genutzt werden und bei Speedtests haben wir Downstream-Ergebnisse im zweistelligen MBit/s erreicht.

Wer in dieser Gegend mit einer SIM-Karte aus dem Telefónica-Netz unterwegs ist, muss allerdings mit GSM und EDGE vorliebnehmen. Der Internet-Zugang war im kurzen Test sehr langsam, selbst WhatsApp-Textnachrichten konnten nicht zuverlässig ausgetauscht werden. Einzig das Stadtgebiet von Waldeck ist gut mit UMTS abgedeckt, nicht jedoch das direkt am See liegende Waldeck-West.

Schwaches Netz rund um die "Kirche im See"

Bewegt sich der Besucher der Region weiter nach Westen, so lässt auch die Breitbandversorgung in den Netzen von Telekom und Vodafone zu wünschen übrig. Beide Netzbetreiber sind auf der Halbinsel Scheid nur noch mit schwächeren LTE-Signal zu empfangen. Innerhalb von Gebäuden wechselt das Smartphone zum Teil zwischen LTE und GSM, sodass die Internet-Nutzung nur noch bedingt möglich ist.

Kirche im See bei Nieder-Werbe
Kirche im See bei Nieder-Werbe
Vier Kilometer weiter, in Nieder-Werbe, können Besucher zwar den aus dem Edersee herausragenden, wieder aufgebauten Turm der früheren Dorfkirche bewundern. Fotos direkt an die Lieben daheim weiterzuleiten, klappt aber kaum, denn in dieser Region gibt es von allen drei deutschen Mobilfunk-Netzbetreibern nur GSM und somit sehr langsames EDGE-Internet.

Im Westen punktet Telefónica

Telefónica-UMTS-Abdeckung am EderseeTelefónica-UMTS-Abdeckung am Edersee Eine Überraschung erlebt man schließlich, wenn man sich noch weiter Richtung Westen bewegt, beispielsweise um die normalerweise zwölf Meter unter dem Wasserspiegel liegende Aseler Brücke, die derzeit aufgrund des niedrigen Wasserstandes begehbar ist, zu besuchen. Während Telekom und Vodafone ihren Kunden hier nur 2G-Versorgung anbieten, ist Telefónica mit UMTS verfügbar.

Auch wenn man sich noch weiter Richtung Westen bewegt, wo der Edersee bei Herzhausen endet, bietet Telefónica zumindest außerhalb von Gebäuden recht guten UMTS-Empfang, sodass der mobile Internet-Zugang gut nutzbar ist. Telekom und Vodafone sind in dieser Region mit schwachem LTE-Signal vertreten. Oft bucht sich das Smartphone ins GSM-Netz um, sodass die Internet-Nutzung kaum noch möglich ist.

Region schwierig zu versorgen

Die Aseler Brücke ist normalerweise zwölf Meter unter Wasser
Die Aseler Brücke ist normalerweise zwölf Meter unter Wasser
Zugegeben: Die Region ist nicht nur dünn besiedelt, sondern stellt aufgrund der Topografie auch besondere Anforderungen an Funknetzplaner. Oft ragen Berghänge bis an das Seeufer heran, sodass die Netzabdeckung nur schwer realisierbar ist. Am ehesten käme zumindest teilweise eine Versorgung vom jeweils gegenüberliegenden Seeufer in Frage - zumindest solange eine direkte Sichtverbindung besteht.

Die in allen Netzen gute GSM-Abdeckung deutet darauf hin, dass zumindest im Frequenzbereich um 800 bzw. 900 MHz auch eine LTE-Versorgung möglich sein sollte. Neben den Einwohnern der Region würden sicher auch viele Urlauber die Möglichkeit schätzen, ihre Erlebnisse nicht nur telefonisch und per SMS, sondern auch durch das Teilen von Fotos und Videos mitteilen zu können. Am ehesten Chancen auf eine baldige Versorgung besteht wohl für Kunden der Deutschen Telekom. Sukzessive soll LTE 900 bei der Telekom an allen Basisstationen installiert werden, an denen heute bereits das GSM-Netz im gleichen Frequenzbereich funkt.

Teilen (17)

Mehr zum Thema Netztest