vereinheitlicht

Editorial: überkreuzgesteckert

Folgen nach den Handys die Net- und Notebooks mit Ladekabelstandard?
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Im Handy-Bereich ist das Thema inzwischen glücklicherweise durch: Ein einheitlicher Standard für Ladekabel, so dass künftig (geplant ist ab 2012) auch das Handy von Hersteller A am Ladekabel von Hersteller B funktioniert, und umgekehrt. Ganz ohne Nachhilfe aus der Politik ging es aber nicht, und so verwundert kaum, dass die Politik nun abermals überlegt, in einer weiteren Branche dem Stecker-Wirrwarr ein Ende zu bereiten, nämlich bei Laptops.

Freilich sind bei Laptops die technischen Hürden deutlich höher: Tragbare Computer unterscheiden sich bezüglich Betriebsspannung, minimal benötigter Leistung und maximaler Ladeströme der eingebauten Akkus deutlich. Ein 18-Volt-Netzteil an einem der vielen auf 14 oder 15 Volt ausgelegten Laptops würde letztere in der Regel beschädigen. Stimmt die Spannung, kommt es noch auf die Leistung an: Ein für die meisten Netbooks gut ausreichendes Netzteil der 30-Watt-Klasse wäre schon für normale Notebooks zu schwach, ganz zu schweigen von High-End-Gamer-Laptops.

Standardisierung nicht unmöglich

Das heißt aber nicht, dass eine Standardisierung unmöglich ist. So verwenden praktisch alle mobilen Geräte intern Spannungswandler, um die Versorgungsspannung des Netzteils auf die eigentlich von CPU, Display oder zum Akkuladen benötigten Werte zu konvertieren. Wird eine bestimmte Versorgungsspannung künftig festgelegt, müssten nur diese Spannungswandler darauf angepasst werden; die restliche (und deutlich teurere!) Elektronik könnte gleich bleiben. Um die Effizienz der Netzteile zu erhöhen, ist sogar denkbar, keine exakte Spannung festzulegen, sondern einen gewissen Bereich, in dem diese beispielsweise je nach Last schwanken darf.

Auch, wenn sich eine einheitliche Spannung bzw. ein einheitlicher Spannungsbereich finden lässt, wird man aber nicht umhin können, verschiedene Leistungsklassen festzulegen. Hier stellt sich dann die Frage, welche Kompatibilität man will: Ein leistungsstärkeres Netzteil könnte vom Prinzip her auch einen weniger stromhungrigen Laptop versorgen, aber möglicherweise bei verringertem Wirkungsgrad. Und ein für den Betrieb zu schwaches Netzteil wäre dennoch geeignet, bei einem Power-Laptop im ausgeschalteten Zustand über Nacht den Akku zu laden. Doch würde der Laptop seinen Stromhunger teilweise vom zu schwachen Netzteil und teilweise vom Akku stillen müssen, wenn man ihn nach der Ladenacht einschaltet. Das zu schwache Netzteil wäre also keine Vollversorgung mehr, sondern nur eine Hilfe zur Laufzeitverlängerung am Akku.

Zerredegefahr

Die genannten Probleme zeigen, dass es durchaus Ansatzpunkte für die Lobbyarbeit der Industrie gibt, einen einheitlichen Netzteil-Standard als unmöglich oder zumindest als kontraproduktiv darzustellen, und so entsprechende Initiativen der Politik zu zerreden. Andererseits könnte die Politik sogar initiativ werden, ohne eigene Gesetze machen zu müssen: Unis mit fähigen Professoren, die Standards für Netzteile oder anderes Zubehör entwickeln können, gibt es genug. Über entsprechende Aufträge, vielleicht auch im Wettbewerb, freut sich jede Uni. Und ist der Standard erstmal veröffentlicht, kann die Politik bei der Beschaffung neuer Geräte dessen Einhaltung auch einfordern.

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