BNetzA-Bericht

Netz­qualität in Deutschland: Nur 16 Prozent erreichen die volle Bandbreite

Wie steht es um die Netzqualität in Deutschland? Jetzt hat die BNetzA einen Bericht vorgelegt, der zeigt: Den Werbeaussagen der Anbieter folgen heute zunehmend Taten - aber manche Kunden schauen dennoch in die Röhre.
Von mit Material von dpa
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Das ist ärgerlich: Der neue Inter­net­an­schluss erlaubt Ge­schwin­dig­keiten von bis zu 16 MBit/s, aber am Ende sind es doch nur 8 MBit/s. Der Preis bleibt natürlich gleich. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat mit der Initiative Netzqualität solchen Fällen den Kampf angesagt. Im zweiten Halbjahr 2013 erfasste die Behörde 375 000 Messungen von Nutzern. Aus diesen einzelnen Datensätzen siebte die Behörde 150 000 belastbare Messergebnisse heraus. Nun liegt der Abschlussbericht vor.

Weniger Kunden als zuvor erreichen die volle Ge­schwin­dig­keit

Initiative Netzqualität: Nicht jeder Kunde erreicht die maximale Geschwindigkeit.Initiative Netzqualität: Nicht jeder Kunde erreicht die maximale Geschwindigkeit. Die Abweichung zwischen beworbener und tatsächlicher Ge­schwin­dig­keit von Internetanschlüssen ist im Durchschnitt leicht rückläufig. Während im zweiten Halbjahr 2012 nur 69 Prozent der Nutzer mindestens die Hälfte der mit dem Anbieter vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate erreichten, waren es im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres 77 Prozent.

Allerdings nahm der Anteil der Nutzer, die die volle vermarktete Datenübertragungsrate oder sogar mehr erreichten, laut der Studie im verglichenen Zeitraum von 19 auf 16 Prozent ab.

"Wir erkennen an den aktuellen Ergebnissen, dass unsere bisherigen Transparenzmaßnahmen bereits für erste Verbesserungen gesorgt haben", erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "Zwar wird die in Aussicht gestellte 'bis zu'- Datenübertragungsrate weiterhin oft nicht erreicht, viele Werte haben sich aber leicht verbessert."

LTE ist die Problem-Technologie

In dem Bericht der BNetzA sind die Ergebnisse der Messungen auch nach Zugangstechnologie aufgeschlüsselt. Dabei zeigt sich, dass über DSL inzwischen 76,2 Prozent der Teilnehmer mindestens die Hälfte der beworbenen Maximalgeschwindigkeit abrufen können. Allerdings erreichen nur 9 Prozent das tatsächliche Maximum.

Noch besser stehen Internetanschlüsse über das Fernsehkabel da. Laut den BNetzA-Zahlen kommen über diese Technologie 86,7 Prozent der Nutzer auf die Hälfte der vermarkteten Datenübertragungsrate. 50,7 Prozent der Nutzer erreichen sogar die volle Ge­schwin­dig­keit.

Dagegen lesen sich die Zahlen für LTE-Anschlüsse wie ein Trauerspiel. Nur 14,5 Prozent der LTE-Nutzer erreichen die maximale Ge­schwin­dig­keit ihres Anschlusses. 57,4 Prozent kommen auf die halbe beworbene Ge­schwin­dig­keit. Insgesamt sei auffällig, "dass die Werte im Bereich höherer Anteile der vermarkteten Datenübertragungsrate ab ca. 75 Prozent in 2013 unter denen von 2012 liegen", so die Autoren der BNetzA-Studie.

Diese, auf den ersten Blick ernüchternden, Zahlen dürften aber zum großen Teil auch technisch bedingt sein. Während die kabelgebundene Infrastruktur hohe Bandbreiten für viele Nutzer bereithält, teilen sich LTE-Nutzer die Kapazität einer Basisstation. Es ist davon auszugehen, dass bei steigender Verbreitung von LTE die durchschnittlichen Datenraten sinken.

Kleine Bandbreiten haben kleine Abweichungen

Wie schon 2012 wurden die größten Abweichungen zwischen der als maximal möglich in Aussicht gestellten und tatsächlich erreichten Geschwindigkeit in den obersten Bandbreitenklassen gemessen: Und zwar bei Kabelanschlüssen mit 50 bis 100 MBit/s und bei LTE-Anschlüssen mit 25 bis 50 MBit/s. Bei DSL-Anschlüssen ergaben sich die größten Abweichungen in der Bandbreitenklasse von 8 bis 18 MBit/s.

Die geringsten Abweichungen traten den Angaben nach in der untersten Bandbreitenklasse von bis zu 2 MBit/s auf - über alle Technologien, Anbieter und Tarife hinweg.

Initiative Netzqualität soll dauerhafte Einrichtung werden

Die BNetzA plant, auf der Webseite der Initiative Netzqualität ein ständig nutzbares Messsystem für Verbraucher einzuführen. Dieses soll sowohl Messungen an Festnetz- als auch an Mobilfunkanschlüssen erlauben.

Dass die von den Providern beworbene Bandbreite in der Praxis oft nicht erreicht wird, hatte bereits die erste Messreihe der Bundesnetzagentur im Jahr 2012 ergeben. Seit Anfang Mai 2012 müssen Provider schon vor Vertragsabschluss die am Wohnort erreichbare Mindestgeschwindigkeit angeben.

Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse in einem 142-seitigen Bericht veröffentlicht [Link entfernt] .

Werfen Sie doch einen Blick in die Studie und diskutieren in unserem Forum mit uns und anderen Lesern, ob die BNetzA auf dem richtigen Weg ist und welche Maßnahmen für bessere Netze sorgen.

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