MWC-Diskussion

Netzneutralität: "Schnell­straßen" oder "matschige Feldwege"?

Die EU und die USA vertreten weiterhin konträre Auffassungen bei der Ausgestaltung der Netz­neutrali­tät. Dies wurde beim Aufeinandertreffen der beiden Chef-Regulierer auf dem MWC deutlich.
Von dpa /
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EU-Digitalkommisar Andrus Ansip hat sich zu einer strengen Umsetzung des Prinzips der Netzneutralität bekannt. "Ich werde weiterhin Netzneutralität und ein offenes Internet in Europa verteidigen", betonte Ansip heute bei einem Auftritt auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona. Der Grundsatz der Netzneutralität besagt, dass alle Daten in Netzen gleich behandelt werden müssen.

Ansip saß auf der Kongress-Bühne neben dem Chef des amerikanischen Telekom-Regulierers FCC, Ajit Pai, der gerade erst die strikte Durchsetzung der Netzneutralität in den USA rückgängig gemacht hat. Das Verbot bezahlter Überholspuren im Netz soll in Amerika rückgängig gemacht werden, gegen die Entscheidung regt sich Widerstand bis hin zu Klagen vor Gericht. Pai verteidigte in Barcelona den Schritt. Amerika kehre nur zur vorherigen Ordnung zurück, unter der das Internet groß geworden sei. "Wir hatten ein freies und offenes Internet für zwei Jahrzehnte bis 2015 und wir werden auch künftig ein freies Internet haben", sagte der von US-Präsident Donald Trump zum FCC-Chef ernannte Republikaner.

Zwei-Klassen-Internet in der Diskussion

FCC-Chef Ajit PaiFCC-Chef Ajit Pai machte sich auf dem MWC heute mit den Ansichten der USA zur Netzneutralität wenig Freunde Ansip zeigte sich skeptisch: "Ich denke, es wird Veränderungen geben." Er hoffe, dass sie nicht dramatisch ausfallen, sagte der Kommissions-Vizepräsident und erinnerte daran, dass europäische Telekom-Unternehmen einen Konkurrenten wie den Online-Dienst Skype ausgegrenzt hätten, bis die Regulierer eingriffen.

Auslöser für die nun wieder gekippte FCC-Entscheidung von 2015, Breitband-Anbieter in der Regulierung mit Versorgern gleichzustellen, war auch, dass ein US-Netzbetreiber den Online-Videodienst Netflix abgebremst hatte - weil er mit seinen eigenen Inhalten konkurrierte. Pai betonte, auch bei der "Regulierung mit leichter Hand" werde man solchem Missbrauch einen Riegel vorschieben können. Kritiker seines Kurses warnen jedoch, kleine Online-Firmen könnten gegen heutige Schwergewichte im Nachteil sein, die sich locker schnellere Datenleitungen für ihre Dienste leisten könnten. In Europa werde er nicht zulassen, dass die einen im Netz auf Schnellstraßen und die anderen auf matschigen Feldwegen unterwegs seien, betonte Ansip.

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