Äußerung

Kritik an Nummernsperren: Netzneutralität auch im Telefonnetz

DVTM kritisiert Praxis der Sperrung häufig angerufener Nummern
Von Thorsten Neuhetzki

Nicht alle Nummern lassen sich immer anrufen. Nicht alle Nummern lassen sich immer anrufen.
Foto: Monkey Business - Fotolia.com
Das Thema Netzneutralität bringen viele in Verbindung mit diskriminierungsfreiem Zugang zum Internet und den einzelnen Diensten im Internet. Der Deutsche Verband für Telekommunikation und Medien (DVTM) weist indes darauf hin, dass die Netzneutralität auch im Telefonnetz wichtig ist. Der DVTM ist aus dem FST, der Freiwilligen Selbstkontrolle Telekommunikation, hervorgangen. "Viele Netzanbieter sperren willkürlich verschiedene Rufnummern aus Fremdnetzen, aus vermeintlich ökonomischen Gründen", heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.

Nicht alle Nummern lassen sich immer anrufen. Nicht alle Nummern lassen sich immer anrufen.
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"Mancher Netzbetreiber möchte sich offenbar vor einer zu starken Nutzung einer Rufnummer schützen. Und das, obwohl er bereits im Vorfeld eine Flatrate mit dem Kunden vereinbart hat", erklärt Renatus Zilles, Vorstandsvorsitzender des DVTM. Zudem würden durch die Abschaltung kompletter Rufnummernblöcke ganze Unternehmen unbeabsichtigt von der telefonischen Erreichbarkeit ausgeschlossen. Darunter seien auch sozial motivierte Angebote wie kostenlose Beratungshotlines, die der "Zensurwut einiger Anbieter zum Opfer" fallen. Als Beispiel nennt der Verband die Sperrung einer Blindenhotline, über die teltarif.de berichtet hatte.

DVTM-Geschäftsführer Boris Schmidt betont, dass im Sinne der Netzneutralität jedem Verbraucher Zugang zu jeder Nummer jedes Anbieters garantiert werden muss. "Bisher können Netzbetreiber Nummern aus Fremdnetzen völlig willkürlich sperren, denn rechtlich gibt es keine ausreichende Handhabung." Der DVTM fordert, einige Punkte in der Gesetzgebung zu ändern sowie die rechtliche Lage hierzu anzupassen und klarzuziehen. "Jeder Anbieter muss künftig dazu verpflichtet sein, den Zugang zu allen Anbietern sicherzustellen." Die einzige Lösung sei, künftig der Bundesnetzagentur die Entscheidung darüber zu überlassen, ob und welche Nummern gesperrt werden. "Nur dann können die Interessen der Verbraucher sowie der Wirtschaft ausreichend berücksichtigt werden", so Renatus Zilles weiter.

Der DVTM rechnet, sollte es keine Veränderungen geben, mit einer Marktkonzentration auf einige wenige Anbieter. Gerade kleinere Anbieter können der Sperre nichts entgegensetzen. "Die willkürliche Sperrung einzelner Nummern kommt einer Zensur gleich, die dem TK-Markt auf Dauer schaden wird. Doch auch und vor allem im Sinne der Verbraucher muss diese willkürliche Netzbetreiber-Zensur dringend unterbunden werden", fordert Schmidt.

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