Media Broadcast

Media Broadcast offenbar schwer angeschlagen

Der Netzbetreiber Media Broadcast steckt offenbar in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und plant einen massiven Stellenabbau oder die Einführung der Vier-Tage-Woche.
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Der Netzbetreiber Media Broadcast steckt in offenbar in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und plant einen massiven Stellenabbau oder die Einführung einer Vier-Tage-Woche. Das geht aus einer Mitteilung der Gewerkschaft ver.di hervor. Der Netzbetreiber hat in den vergangenen Jahren viel in den Aufbau von terrestrischen Sendernetzen im Fernsehen (DVB-T2) und Hörfunk (DAB+) investiert.

Hervorgegangen aus Bundespost und Telekom

Sendeanlage von Media BroadcastSendeanlage von Media Broadcast Das Unternehmen ging einst aus dem Rundfunkbereich der Deutschen Bundespost, später der Telekom hervor. 2008 verkaufte die Telekom das Unternehmen an die französische TDF-Gruppe, seit über zwei Jahren ist Media Broadcast Bestandteil der freenet AG.

Als strategische Entscheidung hatte sich das Unternehmen bereits vom UKW-Geschäft verabschiedet und Antennen sowie Sender verkauft, was einen heftigen Streit auslöste. Was die aktuellen Probleme für die künftige Rundfunk-Versorgung und den Netzausbau bedeuten, wird eine spannende Frage sein. "Sollte Media Broadcast zerschlagen werden, könnte eine noch viel schlimmere Situation (als beim UKW-Antennenstreit, die Red.) eintreten, weil fast die gesamte Fernseh- und DAB+-Verbreitung in Deutschland der Willkür von Erwerbern unterworfen würde", analysiert der Journalist Peter Dehn (Dehnmedia). Auftrieb könnten die Unternehmen und Personen bekommen, die eine klassische Rundfunkstruktur im Internet- und Mobilfunkzeitalter ohnehin für nicht mehr zeitgemäß halten.

ver.di sieht Handlungsbedarf und beschließt die Aufnahme der Verhandlungen

In Sondierungsgesprächen zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Media Broadcast GmbH wurde die aktuelle wirtschaftliche Situation von Vertretern der Geschäftsleitung erläutert. Aufgrund der prognostizierten langfristigen negativen Geschäftsentwicklung und dem dadurch bedingten verringerten Arbeitsaufkommen, plane Media Broadcast einen Personalabbau in Höhe von mindestens 25 Prozent, heißt es von ver.di.

Laut Arbeitgeberseite bestehe keine realistische Hoffnung, die dauerhaft sinkende Umsatz- und Erlösperspektive durch Neugeschäft in einer entsprechenden Größenordnung auch nur mittelfristig zu kompensieren. Die aus ihrer Sicht ernste wirtschaftliche Lage des Unternehmens lasse einen sozialverträglichen Abbau mit klassischen Instrumenten wie zum Beispiel Abfindungen, Altersteilzeit und mehr nicht zu. Durch die dauerhafte Einführung einer Vier-Tage Woche, bei einer Kürzung der Wochenarbeitszeit um 20 Prozent ohne Lohnausgleich für das gesamte Unternehmen, sehe die Arbeitgeberseite eine Möglichkeit, das Unternehmen für die Zukunft stabil auszurichten und auf einen massiven Personalabbau inklusive betriebsbedingter Kündigungen zu verzichten.

"Unseres Erachtens begründet sich die derzeitige Situation der Media Broadcast zum einen auf die technischen Entwicklungen des Marktsegmentes und die fehlenden Kompensationsmöglichkeiten, zum anderen aber auch auf Fehlentscheidungen bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens des Managements und der Shareholder", heißt es von ver.di. Davon ausgehend, dass die in den Sondierungsgesprächen dargestellte wirtschaftliche Situation des Netzbetreibers auf belastbarer Basis der dargelegten Kennzahlen beruhe, sei ein Handeln von ver.di zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen nötig.

Durch die Einführung einer Vier-Tage Woche bestehe voraussichtlich die Möglichkeit, die derzeit beschäftigten Kolleginnen und Kollegen für einen langen Zeitraum vor betriebsbedingten Kündigungen zu schützen. Die Beschäftigten könnten hierfür aber nicht den vollen Preis bezahlen. Auch wenn die Beschäftigten durch die Einführung einen Freizeitgewinn erhalten, müssten die Nachteile zum Beispiel beim Lohnverzicht oder bei den Auswirkungen auf die Altersvorsorge ausgeschlossen oder soweit wie möglich kompensiert werden. Es müsse auch geprüft werden, ob es Alternativen zur Vier-Tage Woche gebe, hieß es.

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