Netzausbau

Funkloch gestopft: Wutach-Schlucht jetzt mit LTE-Empfang

Die Diskussion über die Netzqualität und Versorgung in abgelegenen Regionen ist nicht neu. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass einige Netzbetreiber mehr bauen, als andere.
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Kennen Sie Gündel­wangen? Das gehört zu 79848 Bonn­dorf im Schwarz­wald und liegt in der nörd­li­chen Ecke des Land­kreises Waldshut (Auto­kenn­zei­chen WT) im Bundes­land Baden-Würt­tem­berg. Dort liegt die wild­ro­man­ti­sche Wutach-Schlucht, ein Para­dies für Wanderer und Natur­lieb­haber. Bislang war dieses Tal ein tiefes Funk­loch. Eine Wanderin verrenkte sich vor einiger Zeit den Knöchel, ihre Beglei­terin musste erst einmal 45 Minuten laufen, um tele­fo­nisch Hilfe holen zu können. Bis die Rettungs­kräfte dann vor Ort eintrafen, war die Wanderin schon bewusstlos. Die Geschichte ging zum Glück noch glimpf­lich aus.

Endlich Netz an der Wutach

Ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber: Die Wutachschlucht im Schwarzwald. Jetzt gibt's dort Mobilfunk von der Telekom.Ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber: Die Wutachschlucht im Schwarzwald. Jetzt gibt's dort Mobilfunk von der Telekom. Das ist jetzt vorbei, denn seit kurzem gibt es dort Mobil­funk fürs Handy. Zum Glück stand bei Gündel­wangen bereits ein Mast der Bundes­an­stalt für den Digi­tal­funk der Behörden und Orga­ni­sa­tionen mit Sicher­heits­auf­gaben (BDBOS), worüber der digi­tale Sicher­heits­funk für Behörden mit Orga­ni­sa­tions und Sicher­heits­auf­gaben (also Polizei, Rettungs­dienste, Feuer­wehr, Tech­ni­sches Hilfs­werk etc.) abge­wi­ckelt wird. Das bedeutet, dort liegen bereits Strom und Signal­lei­tungen (idea­ler­weise Glas­faser). Aufgrund eines Rahmen­ab­kom­mens zum besseren Netz­ausbau konnte die Deut­sche Telekom sich dort mit "einhängen". Dazu fand eine Bürger­be­fra­gung im Ort statt: Eine klare Mehr­heit sprach sich für die Netz­ver­sor­gung mit Mobil­funk aus.

In ihrem wöchent­li­chen Video auf dem YouTube Kanal "Telekom­netz" stellt die Deut­sche Telekom diesen Standort vor. Funk­tech­nisch ist der Mast mit LTE 800 / 900 ausge­stattet, diese "nied­rigen" frequenzen haben eine deut­lich bessere Reich­weite, als 1800, 2100 oder 2600 MHz, die für 5G vorge­se­henen 3400 bis 3700 MHz stehen noch nicht zur Verfü­gung.

Die Technik: LTE 800 / 900

Nun wäre ein reiner LTE-Standort zwar ein Fort­schritt, dieser wäre aber von vielen Mobil­funk­kunden gar nicht nutzbar. Gerade in den güns­tigen Discount-Tarifen, wie dem frisch gestar­teten Norma-Connect im Netz der Telekom ist LTE gar nicht enthalten. Und selbst wer zu EDEKA-Smart im Netz der Telekom gewech­selt wäre, bekäme dort zwar LTE, aber keinerlei Möglich­keit über das LTE-Netz mit VoLTE (Sprache über LTE) mobil zu tele­fo­nieren, denn VoLTE gibts bei der Telekom nur in Lauf­zeit­ver­trägen wie beispiels­weise dem Magenta Mobil XS oder S, M, L etc.

LTE in der Wutach­schlucht: Mobil­funk­ver­sor­gung für Wanderer

Es gibt auch GSM 900

Gute Nach­richten: Auf Nach­frage war zu erfahren, dass unter der Netz­ken­nung MB_09_DT dort auch GSM 900 ausge­strahlt wird. Durch die Nutzungs­mög­lich­keit von GSM 900 können alle Kunden im Netz der Telekom dort mobil tele­fo­nieren oder eine SMS-Nach­richt verschi­cken. Im echten Notfall können Kunden von Voda­fone oder Telefónica (o2) auch über die Notruf­nummer 112 für Hilfe sorgen, ansonsten bleiben sie weiter im Funk­loch.

Dem Vernehmen nach soll für den Standort auch LTE 1800 der Telekom geneh­migt worden sein, ist aber noch nicht in Betrieb. Mit LTE_1800 könnte Gündel­wangen mit DSL-Hybrid (Internet zu Hause via LTE) versorgt werden. Ein Anwender berichtet über gemes­sene Daten­raten um die 40 bis 60 MBit/s auf LTE_800. Auf LTE_900 seien es um die 30 MBit/s im Down­load gewesen. Der Anwender beschei­nigt dem Standort "eine echt top Reich­weite".

Diesen Ausbau sollte man bei Reisen in solche Regionen immer im Hinter­kopf behalten, beson­ders wenn man das Netz der Telekom nur als "viel zu teuer" wahr­nimmt.

Wäre National/Local Roaming eine Lösung?

Die Lösung "National Roaming" oder "Local Roaming" würde solche Sender auch für Kunden von Voda­fone oder Telefónica o2 öffnen. Der Zwang zur Öffnung für den Wett­be­werb würde aber in diesem Falle die Moti­va­tion der Telekom, solche einsamen Regionen selbst auszu­bauen, schnell sinken lassen. Dann hätten Anbieter mit güns­ti­geren Tarifen vom "Nicht­ausbau" keinen Nach­teil mehr oder andersrum: Warum sollte ein Kunde dann noch spürbar mehr für eine bessere Netz­ver­sor­gung ausgeben? Telekom Chef Höttges nennt das "Mikado: Wer zu erst zuckt, verliert."

Die denk­bare Vari­ante, dass Kunden von beispiels­weise Voda­fone oder Telefónica für solche nicht selbst versorgten Regionen eine "Local-Roaming-Option" gegen spür­baren monat­li­chen Aufpreis buchen könnten, würde die Tarif­land­schaft ziem­lich verkom­pli­zieren und die Frage ist, wieviele Kunden diese Option dann auch wirk­lich buchen würden. Die Botschaft an die Kunden am Ende ist ganz klar: Buche Deinen Vertrag bei dem Anbieter, der Dein Einsatz­ge­biet wirk­lich ausbaut oder schon versorgt. Die Botschaft an die bislang dort nicht ausbau­enden Netz­be­treiber ebenso: Baue diese Region (auch) aus, sonst verlierst Du Kunden und damit Einnahmen.

Frage an unsere Leser: Kennen Sie einen Ort, wo viel­leicht nur Voda­fone oder nur Telefónica mit Mobil­funk versorgt? Bestimmt gibt es solche Orte. Schreiben Sie in unserem Forum.

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