Netzausbau

Telekom: Weniger Funklöcher am Hochrhein

Die Telekom baut ihr Mobilfunknetz entlang der deutsch-schweizerischen Grenze weiter aus, besonders abseits der üblichen „Trampelpfade“.
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Die Wasserkraft für die neuen Telekom Sender kommt aus dem Rhein-Kraftwerk LaufenburgDie Wasserkraft für die neuen Telekom-Sender kommt aus dem Rhein-Kraftwerk Laufenburg Angekündigt hatte es Tim Höttges schon bei seiner Bilanzpressekonferenz. Der Netzausbau von rund 500 Funkstandorten pro Jahr (über die vergangenen Jahre gerechnet) soll auf mittelfristig rund 2000 Standorte jährlich erhöht werden. Gleichzeitig werden aktuell die letzten Funklöcher an den Autobahnen systematisch gesucht und geschlossen. Dafür sind spezielle Messfahrzeuge unterwegs. Außerdem soll die viel und oft kritisierte Versorgung entlang von Bahnstrecken und in ländlichen Gebieten deutlich verbessert werden.

Solche Meldungen lesen wir seit Jahren und denken „na ja“. Irgendwann schauen wir auf unsere Signalanzeige und sind angenehm überrascht: Ja, es wird wirklich gebaut.

Hochrhein: Deutsch-Schweizerisches Grenzgebiet

Wer im Deutsch-Schweizerischen Grenzgebiet zwischen Konstanz (Bodensee) und Basel unterwegs ist, dem sogenannten Hochrhein-Gebiet, weiß es: Hier ist die Netzversorgung noch lange nicht so, wie sie sein sollte.

Ausweichen auf Swisscom?

Mancher deutsche Kunde hat sich dort längst eine Karte des Schweizer Anbieters Swisscom oder seiner Mitbewerber Sunrise oder Salt besorgt. Zum einen, weil die Swisscom im Grenzbereich oft besser versorgt und teilweise tief nach Deutschland hinein strahlt und zum andern, weil man in Deutschland mit einer Schweizer SIM-Karte zwischen allen drei Netzen wechseln und sich darin (abwechselnd) einbuchen kann. Der Nachteil dieser Lösung: Die Erreichbarkeit kostet richtig Geld, jede Minute bei Swisscom Prepaid ankommend umgerechnet 23 Cent und abgehend etwa 39 Cent. Flatrates gibt es in den einfachen Tarifen nämlich nicht, da wird noch nach echtem Verbrauch abgerechnet.

Nun ist die Deutsche Telekom dabei, in mehr als 30 Orten dieser Region die Mobilfunkversorgung deutlich zu verbessern. 59 bestehende Standorte werden mit LTE-Technologie aufgerüstet.

Laufenburg: Mobilfunk hilft dem Festnetz

Die Deutsche Telekom baut ihr Netz weiter aus, auch abseits der Trampelpfade
Die Deutsche Telekom baut ihr Netz weiter aus, auch abseits der Trampelpfade
Ein betroffener Ort heißt Laufenburg/Baden, der als „Friedensstadt“ bezeichnet wird, denn auf der anderen Seite liegt das schweizerische Laufenburg. Malerisch gelegen und eine Reise wert. Dort soll der Mobilfunk jetzt spürbar schneller werden. Das hat einen erwünschten Nebeneffekt: Wo die Festnetzleitungen „zu langsam“ sind, kann die Telekom Hybrid-DSL anbieten. Dabei wird in einem speziellen von Huawei für die Telekom entwickelten Hybrid-Router eine Festnetz-DSL-Leitung mit LTE „verbunden“. Bei Bedarf wird die fehlende Geschwindigkeit per LTE „nachgelegt“.

Neue Stationen im Grenzbereich geplant - knifflige Koordinierung

Die Deutsche Telekom plant im Hochrhein-Gebiet nicht nur, bereits vorhandene Sender umzurüsten, sondern auch weitere völlig neue Standorte aufzubauen.

Nun geht es hier um ein Grenzgebiet, und da ist die Sache knifflig. Sender, die über die Grenze strahlen, müssen mit den Nachbarn koordiniert werden. Also verhandelten die Netzplaner der Deutschen Telekom mit den Kollegen der Schweizer Swisscom, am Ende erfolgreich. „Standort für Standort wurde betrachtet, um eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden. Es muss Zelle für Zelle ein Gleichgewicht der Feldstärken geschaffen werden. Jeder muss ein Stück weit ins Gebiet des Nachbarn hinein funken können, ohne dass wir uns gegenseitig stören“, sagt Rainer Schenk, seines Zeichens Mobilfunkplaner für die Deutsche Telekom im Südwesten.

Standortanzahl von Zellgröße abhängig

Wie viele Standorte es werden sollen, ergibt sich aus der Größe einer einzelnen Mobilfunkzelle. Je nach Geländebeschaffenheit (Topografie) und Bevölkerungsdichte hat eine solche Zelle bei LTE 1800, was hier aufgebaut werden soll, in der Regel einen Radius von eineinhalb bis zwei Kilometern. Mit LTE 1800 können Bandbreiten von bis zu 150 MBit/s erreicht werden.

Mit dem Netzausbau werden schon die Vorbereitungen für 5G geschaffen, denn 5G braucht ein viel dichteres Netz als bisher. Richtig los soll es im Herbst diesen Jahres gehen und bereits in den ersten Monaten des nächsten Jahres sollen die Stationen bereits aktiv sein.

4G/5G: Versorgungsauflagen müssen erfüllt werden

Bei den letzten Frequenzversteigerungen konnten die drei Netzbetreiber nicht nur Frequenzen kaufen, sondern mussten auch Versorgungsauflagen unterschreiben. Klar, dass die Netzplaner der Telekom diese übertreffen möchten. Telekom (D1) gibt derzeit eine Netzversorgung mit GSM (2G) - bundesweit gesehen - mit „nahezu 100 Prozent“ der Bevölkerung an. Bei LTE strebt sie für Ende 2018 eine Bevölkerungsabdeckung von 95 Prozent an, Ende 2019 sollen mindestens 98 Prozent der Bevölkerung erreicht werden.

100 Prozent der Bevölkerung bedeutet aber nicht 100 Prozent der Fläche, und in dünn besiedelten oder gebirgigen Gebieten gibt es nach wie vor „weiße Flecken“ und für jedes Restprozent wird der Aufwand immer größer.

Nicht nur mehr Sender - sondern auch neue Technik

Die Verbesserung der Funkversorgung in der Fläche ist das eine. Vor einem Jahr wurde begonnen, die dahinter liegende Netztechnik komplett auszuwechseln. Jeder Mobilfunkstandort der Telekom in Deutschland wird dabei angefasst und mit der allerneusten Technik ausgestattet. Bisher gab es für jede Technologie (GSM, UMTS, 4G) eigene Netzelemente, sprich verschiedene Schaltschränke und Baugruppen. Künftig löst das eine gemeinsame "Kiste", der man per Software sagen kann, was sie tun soll, der Fachbegriff dafür lautet Single-RAN (RAN = Radio Access Node).

Das hat spürbare Vorteile. Stellt man während des Betriebes fest, dass weniger GSM 900 gebraucht wird, kann man per Software die Anzahl an LTE-900-„Kanälen“ gleitend erhöhen oder zurücknehmen. LTE und GSM laufen parallel. Werden im Netz neue Funktionen eingeführt, muss nur die Software entsprechend „informiert“ werden.

Die Umschaltungsarbeiten finden meistens nachts statt, sodass man eigentlich nur merkt, wenn an Stellen plötzlich "Netz" ist, wo vorher keines oder nur sehr schlechtes Netz war.

Solche umfangreichen Netzausbauten sind keine Selbstverständlichkeit und sie kosten Geld. Da ahnt man vielleicht, warum mancher Netzbetreiber etwas "teurer" ist, aber dafür eine bessere Netzversorgung bieten kann.

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