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Netzausbau: Schleswig-Holstein kommt besser voran

Weniger Funk­löcher, mehr Kapa­zität: Im Flächen­land Schleswig-Holstein kommt der Breit­band­ausbau offenbar gut voran. Minister und Mobil­funk­anbieter zogen Bilanz- und kündigen "hohes Tempo" an.
Von mit Material von dpa

Ein Funkloch, im Sinne des Wortes: Wichtige Wasserstraßen wie die Elbe sind nicht durchgehend mit Mobilfunk versorgt. Ein Funkloch, im Sinne des Wortes: Wichtige Wasserstraßen wie die Elbe sind nicht durchgehend mit Mobilfunk versorgt.
Foto: Picture Alliance / dpa
Weniger Funk­löcher, noch mehr und stär­kere Netz­kapa­zitäten: Im Flächen­land Schleswig-Holstein kommt der Breit­band­ausbau offenbar gut voran. Die dortigen Minister Buch­holz und die drei bereits aktiven Mobil­funk­anbieter zogen fürs vergan­gene Jahr Bilanz - und haben ein "hohes Tempo" ange­kün­digt.

Fast 50 Prozent der Funk­löcher geschlossen?

Ein Funkloch, im Sinne des Wortes: Wichtige Wasserstraßen wie die Elbe sind nicht durchgehend mit Mobilfunk versorgt. Ein Funkloch, im Sinne des Wortes: Wichtige Wasserstraßen wie die Elbe sind nicht durchgehend mit Mobilfunk versorgt.
Foto: Picture Alliance / dpa
Der Ausbau der Mobil­funk­netze und Glas­faser­anschlüsse in Schleswig-Holstein sei im vergan­genen Jahr kräftig voran­gekommen. Danach liege die Netz­abde­ckung bei der reinen Mobil­funk-Tele­fonie (2G/GSM) inzwi­schen bei fast 100 Prozent und die Versor­gung der schleswig-holstei­nischen Haus­halte "im Daten­über­tra­gungs­bereich" mit 4G/LTE bei knapp 95 Prozent – ein Anstieg um fünf Prozent­punkte binnen eines Jahres.

Etwa 12 bis 49 Prozent der Funk­löcher im Mobil­funk­netz hätten die Anbieter schließen können, betonte Wirt­schafts­minister Bernd Buch­holz (FDP) heute in Kiel. Zusammen mit den drei Netz­anbie­tern Deut­sche Telekom, Voda­fone und Telefónica Deutsch­land infor­mierte er über die Fort­schritte im Mobil­funk­netz-Ausbau.

„Das ist ein Ansporn, auf diesem Weg weiter­zuma­chen", betonte der Minister, "denn wenn wir den Anschluss an die Zukunft nicht verpassen wollen, dann brau­chen wir eine flächen­deckende 4G- und 5G-Versor­gung mit höchsten Down­load- und Upload-Geschwin­dig­keiten.“ Das Land werde zusammen mit seinem Breit­band-Kompe­tenz­zen­trum alles daran setzen, das Ausbau-Tempo noch zu forcieren.

Im vergan­genen Jahr hatte der Minister bei einem Mobil­funk-"Gipfel" mit den drei aktiven Netz­betrei­bern noch von mehr als 500 Funk­löchern in Schleswig-Holstein gespro­chen. Davon betrafen den Bereich der reinen Tele­fonie 190 Funk­löcher. Die drei Anbieter errei­chen nach eigenen Angaben mit ihren LTE-Mobil­funk­netzen inzwi­schen 99,4 Prozent der Bevöl­kerung (Voda­fone), 99 Prozent (Deut­sche Telekom) und 97 Prozent (Telefónica Deutsch­land/o2).

Mobile Daten­ver­sor­gung verbes­sert

Beim Thema mobile Daten­ver­sor­gung durch LTE hatte nach Vorjah­res­angaben in 341 Fällen zumin­dest einer der drei Anbieter "kein Netz" gehabt. Inzwi­schen verfügen laut Buch­holz in Schleswig-Holstein 95 Prozent der Haus­halte über den LTE-Stan­dard, das seien 5 Prozent­punkte mehr als vor einem Jahr. Und 48 Prozent der Haus­halte in Schleswig-Holstein seien ans Glas­faser­netz anschließbar. Im Bundes­durch­schnitt seien es dagegen nur 8 bis 10 Prozent. Die Netz­anbieter kündigten an, den Ausbau weiter voran­zutreiben.

Buch­holz betonte, über­ein­ander­gelegt erreichten die drei Anbieter eine flächen­deckende Abde­ckung von 100 Prozent. "Aber wer hat schon drei SIM-Karten?" Probleme könne es immer noch auf Auto­bahnen und auf Bahn­stre­cken geben. Aber auch hier sei man deut­lich besser geworden.

Mehr neue Sende­masten als geplant

Der Bau neuer Sende­masten lag im vergan­genen Jahr mit 861 über dem Plan von 748 Stück. Bei den Antennen dagegen wurden die ange­strebten 174 Anlagen verfehlt, es wurden nur 138 neue Antennen errichtet. Dies habe auch mit Geneh­migungs­ver­fahren zu tun, sagte Buch­holz.

Mit Blick auf den neuen Mobil­funk-Stan­dard 5G betonte Walter Golde­nits, Geschäfts­führer Technik der Telekom: "Schon heute können im Netz der Telekom die Hälfte der Einwohner in Schleswig-Holstein 5G nutzen. Und wir werden weiter inves­tieren, um die Mobil­funk­ver­sor­gung unserer Kunden zu opti­mieren. Dabei benö­tigen wir die Unter­stüt­zung des Landes, der Kommunen und der kommu­nalen Spit­zen­ver­bände. Dazu gehört Beschleu­nigung der wege- und baurecht­lichen Verfahren, die einver­nehm­liche Iden­tifi­zie­rung neuer Mobil­funk­stand­orte und die Nutzung öffent­licher Stand­orte."

Valen­tina Daiber, Vorständin bei Telefónica o2 hat ihr Mobil­funk­netz in Schleswig-Holstein in diesem Jahr mit rund 300 neuen 4G-Anlagen "massiv für unsere Kunden ausge­baut. Etwa die Hälfte davon senden dort, wo es bislang noch kein 4G gab." Und kündigte an: "Spätes­tens 2025 wollen wir über ein flächen­deckendes 5G-Netz verfügen.“

Mit Blick auf das Flächen­land Schleswig-Holstein ergänzte Michael Jung­wirth (Geschäfts­lei­tung von Voda­fone Deutsch­land): "In den letzten zwölf Monaten haben wir unser Ausbau­pro­gramm massiv beschleu­nigt. So haben wir seit April 233 LTE-Ausbau- und Erwei­terungs­maß­nahmen vorge­nommen und 60 Mobil­funk­stand­orte in ganz Schleswig-Holstein mit 5G ausge­rüstet. Damit sind bereits 22 Prozent der Haus­halte mit 5G versorgt. Jetzt legen wir nochmal nach: Bis zum Sommer stemmen wir zusätz­lich 75 Mobil­funk­pro­jekte allein mit 5G. Schleswig-Holstein ist damit Teil der 5G-Offen­sive von Voda­fone mit der deutsch­land­weit 15 Millionen Menschen bis Jahres­ende und sogar 30 Millionen Menschen bis Ende 2021 mit 5G versorgt sein werden.“

Sende­masten des digi­talen Poli­zei­funks nutzen

Das Land will demnach zudem prüfen, ob auch die Sende-Masten der Behörden und Orga­nisa­tionen mit Sicher­heits­auf­gaben genutzt werden können. Darüber gab es bundes­weit eigent­lich schon Einig­keit, Kenner berichten aber, dass sich die Bundes­anstalt für den digi­talen Behör­den­funk trotz aller poli­tischen Vorgaben mitunter sehr "schwer­fällig" verhalte und deren Stand­orte oft "fernab jegli­cher nutz­baren Infra­struktur" lägen.

Vor dem Hinter­grund der starken Glas­faser-Versor­gungs­quote von aktuell 48 Prozent anschluss­fähiger Haus­adressen in Schleswig-Holstein sieht Minister Buch­holz erheb­liches Poten­zial, den Anteil der mit Glas­faser ange­schlos­senen Sende­anlagen noch weiter zu erhöhen. Bereits jetzt seien in Schleswig-Holstein von den rund 1900 aktiven Sende­anlagen 988 mit Glas­faser ange­schlossen. Im Dienst­wagen soll ein "Funk­loch­mess­gerät" einge­baut werden.

2021: 189 neue Sender, 455 Umrüs­tungen

Für 2021 kündigten die Mobil­funk­netz­betreiber unter­dessen die Umrüs­tung von 455 sowie den Neubau von 189 Sende­anlagen an. Ein weiteres Ziel des Minis­ters: "Wir wollen Schleswig-Holsteins zu einem 5G-Vorzei­geland machen. Die Voraus­set­zungen dafür sind ideal. Neben einer mobil­funk­taug­lichen Topo­gra­phie bieten wir eine enorme Glas­faser­ver­füg­bar­keit sowie span­nende Einsatz­bereiche für 5G – etwa eine autonom fahrende Fähre auf der Kieler Förde.“

Schleswig-Holstein ist ein sehr weit­läu­figes Flächen­land mit langen Küsten­streifen an Nord- und Ostsee gelegen. Eine andere Art der Flächen­deckung hat eine Mobil­funk-Fach­firma im Frank­furter Main­tower montiert.

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