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Neue Frequenzen für Breitband via Pseudosatelliten

Der flächen­deckende Netz­ausbau kann über Sende­türme, aber auch über echte und Pseu­dosa­tel­liten im All erfolgen. Das Bundes­kabi­nett macht den Weg frei.

Das Bundesministerium für Verkehr- und Infrastruktur in Berlin Das Bundesministerium für Verkehr- und Infrastruktur in Berlin
Foto: BMVI
Alle vier Jahre wird auf der Welt­funk­kon­ferenz (WRC) der zur UN gehö­renden inter­natio­nalen Fern­mel­deunion (ITU) der inter­natio­nale Frequenz­zuwei­sungs­plan über­arbeitet und aktua­lisiert. Die dort getrof­fenen Verein­barungen bilden die Grund­lage für die deut­sche Frequenz­ver­ord­nung, deren Novelle heute vom Bundes­kabi­nett beschlossen wurden. Auf deren Basis kann die Bundes­netz­agentur nun den Frequenz­plan erstellen und Frequenzen zuteilen.

Andreas Scheuer: Funk­löcher bald passé

Das Bundesministerium für Verkehr- und Infrastruktur in Berlin Das Bundesministerium für Verkehr- und Infrastruktur in Berlin
Foto: BMVI
Das freut den Bundes­minister Andreas Scheuer, zuständig für Verkehr und digi­tale Infra­struktur: "Diese Novelle lässt erahnen, wie die digi­tale Infra­struktur der Zukunft aussehen wird: Echt­zeit­fähig und in der Fläche satel­liten­basiert. Mit der Neuver­gabe des 26-GHz-Band reagieren wir auf den rasant zuneh­menden mobilen Breit­band­bedarf insbe­son­dere im indus­tri­ellen Bereich und für Hotspots. Zudem schaffen wir ergän­zend zum Glas­faser­ausbau die frequenz­recht­liche Grund­lage für Netz aus dem All. Mit Hilfe von Pseu­dosa­tel­liten und Mega-Satel­liten-Konstel­lationen könnten Funk­löcher oder fehlende Band­breiten auch im entle­gensten Winkel unseres Landes bald passé sein."

Das Stopfen der Funk­löcher soll also künftig (auch) aus dem Weltall möglich sein.

Neue Frequenzen - neue Anwen­dungen

Im beschlos­senen Entwurf wurde einiges geän­dert:

  • Das 26-GHz-Band (24,25 - 27,5 GHz) wurde von der ITU welt­weit für den Mobil­funk zuge­wiesen. Damit können nun auch in Deutsch­land lokale 5G-Anwen­dungen reali­siert werden, beispiels­weise als Ergän­zungen zu bestehenden öffent­lichen Mobil­funk­netzen. Anträge für lokale, breit­ban­dige Anwen­dungen können Unter­nehmen seit dem 01.01.2021 bei der Bundes­netz­agentur stellen.
  • Zusammen mit den Frequenz­berei­chen 40,5 - 43,5 GHz und 66 - 71 GHz können die natio­nalen Frequenz­ver­wal­tungen in Europa Frequenzen insbe­son­dere für Indus­trie- und Forschungs­anwen­dungen vergeben.

Pseu­dosa­tel­liten und HAPS

Neu sind Frequenzen für "Pseu­dosa­tel­liten" und Höhen­platt­formen (High-Alti­tude Plat­form Stations, HAPS) für Kommu­nika­tions­ver­bin­dungen. HAPS sind in der Stra­tosphäre flie­gende quasi­sta­tio­näre, unbe­mannte Flug­objekte, auch Pseu­dosa­tel­liten genannt. HAPS können zur Über­wachung (Verkehr, Veran­stal­tungen, Wetter) oder - bei entspre­chender Höhe - für Mobil­funk ohne die von Satel­liten bekannte Verzö­gerung einge­setzt werden. Auch in der Erdbe­obach­tung und der Astro­nomie können sie verwendet werden.

Regeln für OneWeb und SpaceX

Für den Aufbau von Mega-Satel­liten-Konstel­lationen, also umlau­fende Satel­liten­sys­teme aus zigtau­send Einzel­satel­liten (z.B. OneWeb oder SpaceX) gibt es neue Regeln, die Leis­tungs­grenz­werte aber auch Ausbau- und Report­ver­pflich­tungen fest­legen. Diese Mega-Satel­liten-Konstel­lationen bestehen aus zahl­rei­chen Satel­liten auf unter­schied­lichen nicht geosta­tio­nären Umlauf­bahnen. Ihr Ziel ist es, wesent­lich klein­zelliger als bislang einen Breit­bandin­ternet einer großen Öffent­lich­keit in einer bestimmten Region zur Verfü­gung zu stellen.

Künftig 275 - 450 GHz für 6G?

Mit diesen Kleinst­satel­liten sollen auch in dem zukunfts­träch­tigen Frequenz­bereich von 275 - 450 GHz (=450.000 MHz) mögliche Breit­band­kom­muni­kati­ons­ver­fahren erforscht, erprobt und zur Markt­reife gebracht werden. Dies ist für den Wirt­schafts- und Wissens­standort Deutsch­land von wesent­licher Bedeu­tung. Dieser Frequenz­bereich könnte unter anderem für den kommenden Mobil­funk­stan­dard 6G (so etwa ab 2030) inter­essant werden.

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