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Schnelles Internet mit VDSL, Kabel & Glasfaser: Der Mix ist entscheidend

Wie kommt Deutschland möglichst schnell zu einem Gigabit-Netz? Auf der Anga Com in Köln versuchten die Anbieter, den richtigen Weg zu finden.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Diskussion-Panel auf der Anga ComDiskussion-Panel auf der Anga Com Die deutschen Internetanbieter stehen vor der Herausforderung, möglichst schnell möglichst vielen Kunden schnelles Internet anbieten zu wollen und zu müssen. Doch dafür muss in den kommenden Jahren noch viel investiert werden - vor allem, wenn die Netzbetreiber nicht nur das von der Bundesregierung vorgegebene Ziel von 50 MBit/s für alle erreichen, sondern Gigabit-Netze wollen. Auf der Anga Com in Köln debattierten in dieser Woche Anbieter, Verbände und Netzwerkausrüster über den richtigen Weg des Infrastrukturausbaus in Deutschland - auch über das Jahr 2018 hinaus, das die Bundesregierung vorgegeben hat.

Dabei stellte sich am Ende eines heraus: Einen Königsweg gibt es nicht, der Mix macht es. So ist auch Matthias Büning, Leiter Recht und Regulierung bei der EWE Tel der Überzeugung, dass in der aktuellen Situation der Technologie-Mix entscheidend ist. EWE Tel baue selbst so weit wie möglich Glasfasernetze aus und nutze so wenig wie möglich die Kupferleitung der Telekom. Für diese müssten die Anbieter jedes Jahr über eine Milliarde Euro bezahlen, sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM. Es liege also im eigenen Interesse der Anbieter, das eigene Glasfasernetz so weit wie möglich auszubauen, um diese Kosten einzusparen. "Und uns ist klar, dass wir nicht bei den Industriegebieten aufhören können und werden, unsere Glasfasernetze auszubauen."

Vectoring im ländlichen Raum als Zwischenschritt legitim

Doch der Ausbau von Glasfaser bis zu jedem Haus rechne sich für EWE Tel nicht in jedem Fall. Deswegen setze der Anbieter auch auf VDSL Vectoring. Das empfindet Büning für den ländlichen Raum auch als vollkommen legitim, um möglichst schnell möglichst viele Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen. In städtischen Gebieten, und damit kam er auf das Dauerthema Vectoring im Nahbereich zu sprechen, sei es aber viel sinnvoller und langfristig auch wirtschaftlicher, in direkte Glasfaser-Infrastruktur zu investieren. "Die Diskussion, ob man Vectoring im Nahbereich machen sollte, ist vollkommen abwegig, deswegen auch so heftig."

"Vectoring reicht nur für die nächsten Jahre aus. Das ist nicht nachhaltig", sagt auch Jörn Schoof, Leiter Corporate Affairs der Münchner M-net. Spätestens mit der neuen Mobilfunktechnik 5G, die ab 2020 kommen soll, werde Glasfaser an jeder Hausecke benötigt, um die kleinen Mobilfunkzellen anzuschließen. Auch auf dem Land könne sich in seinen Augen übrigens der Glasfaser-Ausbau lohnen, wenn die Konstellation passt, ergänzt Büning. Am Ende liege das aber an den einzelnen Dörfern und der Anordnung der Häuser.

"Vectoring ist wie der Oldtimer mit Elektroantrieb

Schoof zog zur Verbildlichung der alten Kupferinfrastruktur für schnelle Netze einen Vergleich herbei. "Das ist, als ob Sie einen Oldtimer mit einem Elektromotor ausstatten und dem dann auch noch die Vorfahrt auf der Straße geben. Lassen Sie uns doch lieber gleich ein Elektroauto bauen - das kann dann auch gefördert werden." Schoof appellierte auch noch einmal an die Deutsche Telekom, endlich auch Leitungen bei ihren Wettbewerbern einzukaufen, wenn diese die bessere Technologie einsetzen. Damit wäre dann auch ein Glasfaserausbau deutlich schneller wirtschaftlich. "Wir laden ausdrückliche alle Partner ein, unser Netz zu nutzen, statt eine schlechtere Technik für viel Geld selbst auszubauen", so M-Net.

Die Telekom baut in der Regel parallel zu Glasfaserleitungen bis zum Kunden zusätzlich Vectoring aus. Telekom-Regulierungs-Chef Wolfgang Kopf erteilte solchen Forderungen auf der CeBIT zuletzt eine Absage. Es sei nicht die Aufgabe der Telekom, für die Wirtschaftlichkeit der Netze der Anbieter zu sorgen. Zudem warf der den Anbietern unter dem Schlagwort vor, inkompatible Netze zu bauen und bezeichnete sie als zum Teil esoterisch.

Kabelbranche sieht sich mit Glasfaser gleichauf

Letztlich hat auch die Technologie, deren Branchenverband Anga die Messe in Köln veranstaltet hat, voraussichtlich einen großen Anteil an der Versorgung mit hochbitratigen Zugängen: Der Kabelanschluss. Schon heute bieten die drei größten Netzbereiter in Deutschland - Vodafone, Unitymedia und Tele Columbus - mit 400 MBit/s im Downstream die schnellsten Zugänge in Deutschland an, die eine relevante Anzahl an Kunden auch erreicht. Perspektivisch werden die Netze deutlich schneller werden. Mit DOCSIS 3.1 werden in den kommenden Jahren bei punktuellen und schon jetzt stattfindenden Investitionen Datenraten von 10 GBit/s möglich. Zunächst werden aber niedrige einstellige Gigabit-Raten ermöglicht werden. "Mit unseren HFC-Netzen werden wir dem direkten Glasfaser-Anschluss noch auf lange Zeit ebenbürtig sein können", meinte entsprechend auch Dr. Stephan Korehnke, Head of Regulatory Strategy and Law, bei Vodafone.

Für die Kunden dürfte am Ende weniger entscheidend sein, wie sie schnelle Internetleitungen bekommen - entscheidend ist, dass sie die schnellen Leitungen bekommen.

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