Zukunft

Netzallianz: So soll Deutschland bis 2025 eine Gigabit-Gesellschaft werden

Staat und Telekom-Industrie haben im Rahmen der Netzallianz einen Plan vorgelegt, wie Deutschland bis 2025 eine Gigabit-Gesellschaft werden soll. Für die kommenden Jahre gibt es konkrete Pläne, danach werden die Ziele unschärfer.
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Minister Dobrindt präsentiert die StrategieMinister Dobrindt präsentiert die Strategie Die Netzallianz hat sich mit Minister Alexander Dobrindt getroffen, um weitere wichtige Weichen für den Netzausbau zu stellen. Alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass Deutschland bei der digitalen Infrastruktur in die weltweite Spitzengruppe gelangen muss, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben.

Das vom Fraunhofer Fokus vorgelegte Strategiepapier skizziert den Weg und die Anforderungen, die in den kommenden Jahren zu bewältigen sind. Auch erste Branchenverbände haben sich zu den Plänen geäußert.

So sieht der Fahrplan aus

Laut der Strategie soll der Gigabit-Ausbau bis 2025 in vier Phasen stattfinden. In Phase 1 (bis Ende 2018) wird in einem "ersten Zwischenschritt" das von Dobrindt schon mehrfach formulierte Ziel einer flächendeckenden Versorgung mit mindestens 50 MBit/s für alle Haushalte verwirklicht werden. Dabei sollen aber in möglichst vielen Ausbauprojekten auch schon jetzt Gigabit-Anschlüsse realisiert werden. In Zukunft sollen darüber hinaus neue Wohngebiete über die Vorgaben des Diginetz-Gesetzes automatisch mit FTTB/H angebunden werden (teltarif.de berichtete).

Phase 2 ist bis Ende 2019 angesetzt und widmet sich überwiegend der Versorgung von Gewerbegebieten. Momentan noch unterversorgte Gewerbegebiete wollen Staat und Netzallianz ausschließlich mit Glasfaser anbinden. In der Phase 3 bis Ende 2020 wird vieles um den Mobilfunk-Ausbau gehen, denn bis zu diesem Zeitpunkt möchten Staat und Industrie die Voraussetzungen für eine flächendeckende Einführung des LTE-Nachfolgers 5G schaffen. Die Bundesnetzagentur als Regulierer müsse dafür Sorge tragen, dass die notwendigen Frequenzbereiche für mobiles Breitband zur Verfügung stehen.

Phase 4 erstreckt sich laut den vorgelegten Plänen bis Ende 2025. Hier werden die Formulierungen der Beteiligten schon etwas verwaschener: Von einer "gigabitfähigen konvergenten Infrastruktur" ist ebenso die Rede wie von einer "hochvernetzten Gesellschaft mit einer differenzierten Kombination in der Infrastruktur aus Intelligenz im Netz, Bandbreite, Echtzeitverfügbarkeit, Sicherheit, Energieeffizienz und anderen Leistungsparametern." Die Politik will - recht allgemein formuliert - für die Gigabit-Gesellschaft die geeigneten technischen, finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen und für eine "wirkungsvolle Förderkulisse" sorgen.

Diese konkreten Maßnahmen sind geplant

Für die kommenden Jahre sprechen die Mitglieder der Netzallianz sowie die Politiker allerdings schon über konkrete Projekte und auch über Zahlen. Die in der Netzallianz zusammengeschlossenen Unternehmen hätten 2015 und 2016 jährlich 8 Milliarden Euro in den Breitbandausbau investiert. Sie versprechen, ab 2017 die Investitionen "bedarfsgerecht" zu steigern.

Die Bundesregierung stellt bislang insgesamt 4 Milliarden Euro durch Fördermaßnahmen bereit, die voraussichtlich zu Investitionen von etwa 10 Milliarden Euro führen werden. Profitieren sollen davon überwiegend Gebiete, in denen der Netzausbau bislang nicht für wirtschaftlich gehalten wurde.

Im Rahmen von Synergien sollen die bisherigen Träger von Infrastruktur-Projekten besser dazu ermuntert werden, zusammenzuarbeiten, damit beispielsweise nicht für verschiedene Aufgaben (Strom-, Wasser-, Breitbandausbau) mehrfach nacheinander die Straßen aufgerissen werden müssen. Darüber hinaus sollen Gebäudeeigentümer dazu ermuntert werden, den Hausanschluss mit Glasfaser in eigener Initiative zu realisieren, beispielsweise durch steuerliche Erleichterungen oder andere finanzielle Anreize.

Das sagen die Branchenverbände

Die Netzallianz-Mitglieder Breko, Buglas und VATM betonten in einer gemeinsamen Erklärung, Branche und Politik seien sich "grundsätzlich einig", dass der Weg zur Gigabit-Gesellschaft beschritten werden müsse. Das gelte für Privathaushalte, die "moderne Landwirtschaft 4.0", E-Health und die Anbindung von Unternehmen außerhalb städtischer Gebiete. In Zukunft werde es neben Bandbreite "insbesondere auch auf Qualitätskriterien wie Ausfallschutz, Jitter, Sicherheit und Latenz ankommen".

Die Branchenverbände stellen aber auch klar, dass es nach wie vor "noch deutlich unterschiedliche Auffassungen" darüber gibt, wie der Weg zu beschreiten ist. Die Wettbewerber verzichten dieses Mal zwar darauf, die Bundesregierung für ihre VDSL-Vectoring-Regulierung mit Bevorzugung der Deutschen Telekom zu kritisieren, ein klares Bekenntnis zur Zugangsregulierung und zur Förderung von Gigabit-Netzen sei aber erforderlich. Deutschland brauche "ein weitgehend flächendeckendes gigabitfähiges Anschlussnetz, um den Anforderungen gerecht zu werden. Wichtig sei es, dafür auch die Rahmenbedingungen hinsichtlich Regulierung und Förderung zu schaffen.

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