Network Sharing

Mobilfunk: Mit Kooperationen gegen den Preisverfall

Mobilfunk-Anbieter werden Partner finden müssen, um in der Gewinnzone zu bleiben
Von Marie-Anne Winter

Schlechte Aussichten für die Mobilfunk-Anbieter: Bis 2011 werden die durchschnittlichen Einnahmen für eine Mobilfunkminute als Folge des andauernden Preisverfalls voraussichtlich nur noch den technischen Erstellungskosten entsprechen. Die Marge eines durchschnittlichen Mobilfunkanbieters, die heute noch rund 16 Prozent beträgt, würde damit auf null sinken. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Managementberatung A.T. Kearney unter 100 europäischen Mobilfunkanbietern. Nur mit einer gemeinsamen Netznutzung könnten die Rivalen auf dem hart umkämpften europäischen Mobilfunkmarkt ihre Margen behaupten: Das so genannte Network Sharing biete gute Chancen, die Kosteneffizienz im Netzwerk zu erhöhen und so im verschärften Preiswettbewerb zu bestehen. Newcomern könne per Network Sharing ein schnellerer Markteintritt gelingen, während etablierte Anbieter unternehmensübergreifend leichter in die vierte Mobilfunkgeneration (LTE) investieren könnten.

Bisherige Spar-Anstrengungen setzen häufig an bei den Zugangsnetzen (Radio Access Networks, kurz RAN), die das Bindeglied zwischen den Mobiltelefonen der Kunden und den Kernnetzen des Anbieters darstellen. Tatsächlich gibt es bei der Netz-Zugangstechnik noch erhebliches Einsparpotenzial. Mobilfunkunternehmen wenden hier rund ein Drittel ihrer gesamten Betriebskosten auf, die RAN binden etwa 80 Prozent des investierten Kapitals. "In den letzten fünf Jahren haben die Mobilfunkanbieter die Kosten pro Kunde im Bereich der Zugangsnetze schon um mehr als ein Drittel gesenkt. In vielen Fällen sind nun allerdings die klassischen Methoden der Prozessverbesserung ausgereizt", sagt Dr. Hagen Götz Hastenteufel, Partner bei A.T. Kearney. "Neue strukturelle Ansätze zur Effizienzsteigerung sind dringend nötig, wenn die Anbieter nicht vom Markt verschwinden wollen."

Erfahrungen mit gemeinsamer Netztechnik

Während Outsourcing-Bemühungen nicht immer fruchten, stelle die technische Zusammenarbeit im Bereich der Zugangsnetze einen der wirkungsvollsten Ansätze zur Kostensenkung dar. Ein Blick nach Schweden, Spanien und Großbritannien zeige einen vielversprechenden Weg. Dort sei Network Sharing bereits Realität. Konkurrierende Mobilfunkanbieter würden ihre vorhandene Sende- und Empfangsinfrastruktur miteinander teilen oder sogar gemeinsam neu aufbauen. Bis zu 59 Prozent der Gesamtkosten im RAN können der Studie zufolge durch Network Sharing eingespart werden, wobei die Potenziale je nach Nutzungsintensität und Art der Kooperation variieren. Den größten Einspareffekt könnten die Unternehmen durch das gemeinsame Anmieten der physischen Sendeplätze erzielen.

Bei dieser Form der Kooperation zeigten sich Sparpotenziale von bis zu 69 Prozent. Das Errichten und die Inbetriebnahme einer neuen Anlage wird mit einem Partner um durchschnittlich 31 Prozent günstiger, die Kosten des laufenden Betriebs können um bis zu 40 Prozent sinken. Günstiger werden auch die Unterhaltung und Wartung der Anlagen sowie die Energiekosten. Außerdem falle es kooperierenden Unternehmen leichter, ihre Netzabdeckung zu optimieren und die vorhandenen Kapazitäten besser zu nutzen.

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